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Freitag, 4. Januar 2013

Weiter geht's!


Zutendaal (ww) Bereits zum zweiten Mal luden FN Herstal und dessen deutscher Behördenvertreter Teuto-Defence ausgewählte Fachmedien auf den Schießstand Zutendaal in Belgien ein. 

Das Feuereitvisier FN FCU-1.5M im Einsatz. Foto: JPW
Dabei boten sich praktische Einblicke in das umfangreiche Handwaffenprogramm des belgischen Traditionsherstellers.
Einweisung der Medienvertreter in die aktuelle Produktpalette. Foto: JPW

Einen kleinen Eindruck in bewegten Bildern gibt es bei den Kollegen von K-ISOM
Der S&T-Blog nutzte den Event und sah sich zwei Geräte genauer an: Das Minimi 7.62 sowie das Feuerleitvisier „Fire control Unit (FCU)“. Beide sollen die effektive Reichweite im infanteristischen Kampf erhöhen. 

Doppelt hält besser!
Spätestens ab September 2001 brachte der „Global War on Terror“ mit seinen weiten Schussdistanzen den Trend zur älteren NATO-Standardpatrone 7,62 x 51 mm zurück. Und bereits im März 2001 schrieb das US Special Operations Command die Beschaffung einer Ersatzwaffe für das bei den Marine-Spezialkräften benutzte Maschinengewehr M60E4/Mk43 Mod 0 in diesem Kaliber aus. Bei FN erinnerte man sich daher an die Frühphase der sehr erfolgreichen „Mini Mitrailleuse“ alias „Minimi“. Die 1974 durch FN-Konstrukteur Ernest Vervier und seine Ingenieure entwickelte Waffe hatte nach der NATO-Standardisierung der 5,56 x 45-mm-Patrone ab den 1980er Jahren innerhalb der NATO weite Verbreitung als „Squad Automatic Weapon (SAW)“ gefunden. Insgesamt zählen heute über 45 Staaten zu den Minimi-Nutzern, 20 davon gehören der NATO an.

FN Minimi 7.62 im Stehendanschlag. Foto: JPW

Was aber kaum bekannt war: Die FN-Tüftler hatten bereits seinerzeit gleich eine „Minimi 7.62“ mit auf den Weg gebracht – eine kompakte SAW in 7,62 x 51 mm. Die war durch den Kleinkaliber-Hype aber natürlich in einen Dornröschen-Schlaf verfallen. Und zudem bot (und bietet) die Lütticher Waffenschmiede ja nach wie vor das FN MAG als "echtes" Universalmaschinengewehr im älteren NATO-Kaliber an. Jetzt aber brachte FN die Minimi 7.62 noch auf den aktuellen Stand der kleinkalibrigeren Zwillingsschwester. Das geschah vor allem durch „Picatinny“-Befestigungsschienen, damit die Waffe optische Visierungen oder Laser-Licht-Module aufnehmen konnte. Schon zwei Jahre später – 2003 – begann bei FN‘s US-Tochterfirma die Produktion der vom SOCOM als Mk48 Mod 0 und Mod 1 beschafften Waffe. Australien zog nach und bezeichnet sie als FN Maximi. Weitere Staaten wie Frankreich oder jüngst Norwegen schlossen sich an. Dabei gaben sicherlich die weitgehende Teilegleichheit und die identische Bedienbarkeit zur kleinkalibrigeren Version wesentliche Ausschläge.
Im Gegensatz zur kleineren Schwester besitzt die Minimi 7.62 keinen zusätzlichen Magazinschacht, sondern nutzt nur Zerfallgurte. Standardmäßig verfügt sie über ein integriertes hydraulisches Puffersystem. Dieses sorgt für gleichmäßige Schussfolge und reduziert den empfundenen Rückstoß. Wie die kleinere Schwester auch, lässt sich die Minimi 7.62 daher problemlos im Stehendanschlag schießen.
Eine wahlweise feste oder einschiebbare Schulterstütze sowie ein optional verfügbarer „Triple Rail (T.R.)“-Handschutz mit integrierten Befestigungsschienen an der 3-, 6- und 9-Uhr-Position gewährleisten zusätzliche Flexibilität für die Einsatzkonfiguration. FN bietet die Minimi 7.62 auch in einer auf Bundeswehrbedürfnisse abgestimmten Version an.

Die FN Minimi 7.62 in der für die Bundeswehr vorgeschlagene Version mit T.R.-Vorderschaft, Grip-Pod-Sturmgriff, einschiebbarer Schulterstütze und Zieloptik 4x30. Foto: JPW
 

Technische Daten Minimi 7.62

Minimi 7.62
Kaliber
7,62 x 51 mm NATO

Funktionsprinzip, Feuerarten
Zuschießender Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss, Dauerfeuer
Gesamtlänge
versionsabhängig 865 mm (Schulterstütze eingeschoben), 1 000 mm (Schulterstütze ausgezogen), 1 015 mm (feste Schulterstütze)
Rohrlänge und -gewicht
502 mm, 2 160 g
Gewicht
versionsabhängig 8 200 – 8 600 Gramm
Kadenz
700 – 800 Schuss/Minute
Effektive Reichweite
1 000 Meter


„Pilum“ zum „Gladius“
Das Feuerleitvisier „Fire Control Unit (FCU)“ gehört bereits zur modularen Kampfausstattung „Gladius“ der Bundeswehr. Sie soll die deutschen Infanteristen der Zukunft dazu befähigen, 40 x 46 mm Low-Velocity-Granaten punktgenau ins Ziel zu bringen. 
Die zum Bundeswehr-Projekt "Gladius" gehörige Variante der FN FCU-1.5M mit G36-Wechselmagazinschacht einschließlich Halterung für Kabelschalter. Foto: JPW

FN bietet zwei Versionen seiner FCU an, die FCU-1.5 M und die FCU-850N (siehe Tabelle).

Technische Daten der FN FCU-Varianten

FN FCU 850-N
FN FCU-1.5M
Abmessungen
155 mm x 87 mm x 76 mm (gesamt)
155 mm x 87 mm x 76 mm (gesamt)
Gewicht
528 g ohne Batterien
570 g ohne Batterien
Reichweite Laserentfernungsmesser
>900 m
>900 m
Messgenauigkeit
+/- 2 m
+/- 2 m
Laserstrahl
850 nm
1 550 nm
Sichtbarer Laserpointer
Klasse 3B
Klasse 1 (Ausbildung) – Klasse 3B (Einsatz)
Unsichtbarer Laserpointer
Klasse 1M
Klasse 1 (Ausbildung) – Klasse 3B (Einsatz)
Maximaler Visierungswinkel
>40° (>380 m Schussweite)
>40° (>380 m Schussweite)
Ballistikrechner
-       Kann ballistische Eigenschaften von mehr als 50 verschiedenen Munitionssorten speichern und verarbeiten
-       Berücksichtigt und kompensiert den Erhöhungswinkel zum Ziel
Energieversorgung
Zwei CR123-Batterien


Beide Geräte lassen sich ähnlich bedienen. Die FN FCU-1.5M, die die Bundeswehr beschafft, bietet den Vorteil, daß der Laser des Entfernungsmessers augensicher und nicht detektierbar ist.
Der S&T-Blog konnte die FCU in Zutendaal auf dem Stand-Alone-Granatwerfermodul aus der SCAR-Waffenfamilie (Special Operations Command Combat Assault Rifle) erproben. 

FN FCU-1.5M auf Stand-Alone-Granatwerfermodul der SCAR-Familie. Foto: JPW

Dabei fiel die einfache Handhabung auf: Mittels des Kabel-Tastschalters aktiviert der Schütze den Laserstrahl, bringt diesen mittels des rot leuchtenden Absehens im Sichtfenster des Visiers auf das Ziel und lässt den Taster dann los. Das Gerät zeigt jetzt auf dem kleinen Display die ermittelte Entfernung an. Gleichzeitig läuft das Absehen auf den neuen Haltepunkt ein. Der Schütze bringt es erneut auf das Ziel und hält jetzt automatisch die Waffe im erforderlichen Abschusswinkel. Sollte die Waffe verkantet sein, signalisiert das Absehen dem Schützen durch Blinken, die Waffe entsprechend neu auszurichten. Nun muss er nur noch den Abzug betätigen, und die Granate fliegt in Richtung Ziel. Beim S&T-Blog-Testschießen ließen sich auf diese Weise auf knapp über 100 Meter Entfernung sogar manngroße Scheiben treffen
Hohe Präzision und einfache Bedienung sorgen überdies für eine ausgezeichnete Erstschusstrefferwahrscheinlichkeit. So berichteten FN und Teuto-Defence von einem Truppenversuchsschießen.  Dabei traten geübte Granatpistolenschützen mit Leitervisier gegen kurz ausgebildete FCU-Schützen an. Es galt, drei Ziele auf unterschiedliche Distanzen zwischen 100 und 350 Metern zu bekämpfen. Die Leitervisier-Schützen brauchten etwa drei Minuten und acht Schuss Munition – übrigens die gesamte Kampfbeladung eines Bundeswehr-Granatwerferbedieners an 40-mm-Patronen. Die FCU-Schützen benötigten in knapp anderthalb Minuten lediglich drei Granaten. Die FCU ergänzt somit also Wurfspeer „Pilum“ das Kurzschwert Gladius, die Hauptbewaffnung einstigen römischen Legionäre.

Text: Jan-Phillipp Weisswange; weitere Informationen in ES&T 1/2013, S. 111-112

Kommentare:

  1. Hallo,
    bei 40° Neigungswinkel der Waffe dürfte man durch das Reflexvisier doch nichts mehr sehen.
    Wie kann ich mir das vorstellen?

    Gruß

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    Antworten
    1. Inwiefern nichts mehr sehen? Weil die Ziele in diesem Falle weiter entfernt stehen?

      JPW

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  2. Nein, ich meine wegen der Scheibe des Reflexvisiers.
    Bei meinem Docter habe ich bei dem Winkel nur noch auf ein kleines Stück der Scheibe Sicht.
    Und der Schutzbügel des FCU RV's scheint ein ganzes Stück breiter zu seien so das ich mir halt denke das man bei 40° nix mehr von der Scheibe und damit dem Punkt sieht.
    Allerdings ist es auch schwer vorstellbar das FN das übersehen hat also muss es wohl passen.

    Gruß

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