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Dienstag, 11. Juni 2013

Eurocopter X3 - mit 255 Knoten in die Luftfahrtgeschichte

Marignane, Frankreich (ww) Als Eurocopter-Testpilot Hervé Jammayrac am 7. Juni 2013 seinen Hybridhubschrauber X3 landete, warteten bereits die schwarz-weiss-karierte Zielflagge und eine Dusche mit "Champagne Grand Cru 255 kts brut". Denn kurz zuvor erreichte er über der südfranzösischen Stadt Istres mit seiner Maschine eine Geschwindigkeit von 255 Knoten (472 km/h) im stabilen Horizontalflug – und damit eine neue Bestmarke.

Der Hybridhubschrauber Eurocopter X3 (vorne) in Begleitung einer Albatros AL39. Foto: Eurocopter/Alain Ernoult
Der Eurocopter X3 erzielte diesen historischen Meilenstein von 255 Knoten während eines Testflugs von 40 Minuten in einer Höhe von 10.000 Fuß (ca. 3.000 Meter). Wenige Tage zuvor hatte der X3 im Sinkflug bereits die Geschwindigkeit von 263 Knoten (487 km/h) erreicht. Mit diesen beiden Erfolgen übertrifft der Hubschrauber seinen inoffiziellen Geschwindigkeitsrekord.

Der Eurocopter X3 wurde als Technologiedemonstrator für ein modernes und wirtschaftliches Senkrechtstart-Transportsystem (Vertical Takeoff and Landing, VTOL) konzipiert.

Eurocopter X3. Foto: Eurocopter
Er verfügt über zwei RTM 322 Triebwerke, die einen Fünfblatthauptrotor sowie zusätzlich zwei Propeller an den Stutzflügeln antreiben. Diese Triebwerke verfügen dank modernstem Design über eine hohe Antriebskraft und großes Wachstumspotential. Die RTM 322 Variante des X3 basiert auf dem RTM 322 Triebwerk des NH90. Es umfasst eine digitale Steuerung (FADEC), die den Anforderungen des X3 Demonstrators angepasst wurde. Damit kann der X3 die Geschwindigkeit eines turbopropgetriebenen Flächenflugzeugs erreichen und verfügt gleichzeitig über die uneingeschränkten Schwebeflugeigenschaften eines Hubschraubers.

Der X3 wurde in einem sehr kurzen Zeitraum auf Grundlage der Dauphin-Familie von Eurocopter entwickelt. Für die aktuelle Höchstgeschwindigkeit war der Demonstrator mit einer strömungsgünstigen Rotorkopfverkleidung ausgestattet, die direkt auf Werksversuche mit einer Hochgeschwindigkeits-Testversion des Dauphin DGV aus den 1990er Jahren zurückging. Zudem war auch das Fahrwerk des X3 besonders verkleidet. Mit der Dauphin DGV konnte das Eurocopter-Vorgängerunternehmen Aerospatiale bereits 1991 mit 200 Knoten (ca. 370 km/h) einen wichtigen Geschwindigkeitsrekord aufstellen.

Empfang mit Zielflagge und Champagner. Foto: Eurocopter/ A.Pecchi
„Man kann ohne Übertreibung feststellen, dass der X3 gerade bei hohen Geschwindigkeiten in seinem Element ist. Er verhielt sich sowohl bei 255 Knoten als auch bei 263 Knoten genauso wie im übrigen Flugleistungsbereich“, so Jammayrac. „Er zeigte eine ausgezeichnete Stabilität und niedrige Vibrationsentwicklung auch ohne jegliche Schwingungsdämpfung.“ Dominique Fournier, der als Flugversuchsingenieur bei den beiden letzten Meilenstein-Flügen mit an Bord war, betonte die Relevanz der Rekordflüge: „Über die eher symbolische Bedeutung der Rekorde hinaus liefern die derzeitigen Hochgeschwindigkeitstests vor allem auch belastbare Daten. Diese Flüge helfen uns, das Verhalten des Hauptrotors bei hohen Geschwindigkeiten weiter zu untersuchen und die Effizienz der neuen Rotorkopfverkleidung zu ermitteln. Denn die neue strömungsgünstige Verkleidung wird allen Modellen der Eurocopter-Produktpalette zugutekommen.“

Die Maschine am Boden. Foto: Eurocopter/ A.Pecchi

Mit diesen beiden Geschwindigkeits-Meilensteinen hat der X3 seit seinem Jungfernflug im September 2010 140 Flugstunden absolviert. Nachdem der Demonstrator problemlos sein ursprüngliches Geschwindigkeitsziel von 220 Knoten (ca. 407 km/h) erreicht hatte, waren die Vorgaben unter Beibehaltung der Flug-, Beschleunigungs- und Bremseigenschaften sowie einer hervorragenden Manövrierbarkeit stetig erhöht worden. Die aktuellen Ergebnisse von 255 und 263 Knoten bestätigen einmal mehr das Potenzial dieses neuartigen Konzepts.

Eurocopter sieht das innovative X3-Konzept hervorragend für Missionen geeignet, bei denen eine hohe Reichweite, große Geschwindigkeiten sowie Senkrechtstart- und Schwebeflugfähigkeiten zu erschwinglichen Preisen gefragt sind. Das mögliche Einsatzspektrum erstreckt sich von Langstrecken-Such- und Rettungseinsätzen (SAR), Küstenüberwachungs- und Grenzschutzmissionen bis hin zu Passagier- und Shuttle-Flügen für Offshore-Missionen und Städteverbindungen. Durch die Kombination von hohen Reisegeschwindigkeiten und hervorragenden Senkrechtstart- und -landefähigkeiten eignet sich der X3 auch für militärische Missionen wie Spezialkräfteeinsätze, Truppentransporte, CSAR-Einsätze und medizinische Rettungsflüge.

Eurocopter-CEO Guillaume Faury „Eurocopter wird auf Grundlage der X3-Technologien weiterhin die Standards für die Hubschrauber der Zukunft setzen. Damit bieten wir unseren Kunden neue Leistungsmerkmale im Hinblick auf Geschwindigkeit, Reichweite und Einsatzspektrum – und das bei hoher Wirtschaftlichkeit. Die außerordentlichen Erfolge des X3 sind das Ergebnis der Hingabe und der Spitzenleistung unserer Teams. Meine Anerkennung gilt all jenen, die an der Entwicklung des Demonstrators mitgewirkt haben.“


Das zufriedene Eurocopter-Rekordflugteam. Foto: Eurocopter
Die Reife des Hybridkonzepts bestätigten auch die 2012 in den USA durchgeführten Vorführungen für zivile Betreiber, militärische Interessenten und Strafverfolgungsbehörden. Bei einer USA-Tournee mit Schauflügen in vier Bundesstaaten, darunter Texas und Virginia, absolvierte der X3 55 Flugstunden und wurde dabei auch von insgesamt 47 „Gastpiloten“ geflogen.
Nach dem Besuch in den USA, während dessen sich die Zahl der absolvierten Flugstunden mehr als verdoppelte, führte Eurocopter eine eingehende Wartungsinspektion durch, bei der sich die dynamischen Ausrüstungen und Systeme des Hybridhubschraubers als voll einsatzbereit erwiesen.
http://www.eurocopter.com

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