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Sonntag, 29. Juni 2014

Eindrucksvolle Beweisführung: 12. Bundesoffene Vergleichsübung der BFE'en

Sankt Augustin (ww) In den späten 1980er Jahren entstanden bei den Bereitschaftspolizeien des Bundes- und der Länder Spezialeinheiten, die auch bei schwierigen polizeilichen Lagen gewalttätige Straftäter beweissichernd und gerichtsverwertbar festnehmen konnten. Vergangene Woche stellten nun 19 Mannschaften solcher Einheiten aus Deutschland, den Niederlanden und Österreich ihr Können unter Beweis. Sie traten zur „12. Bundesoffenen Vergleichsübung der Beweissicherungs-und Festnahmeeinheiten des Bundes und der Länder“ in und um Sankt Augustin herum an.

Überwinden eines Seilstegs. Foto: JPW
Ausrichter der diesjährigen Ausgabe des alle zwei Jahre stattfindenden Wettkampfes war die dort stationierte Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft der Bundespolizei. Sie hatte 2012 die alle zwei Jahre stattfindende fordernde Vergleichsübung gewonnen und stand somit nach guter Sitte in der Pflicht, die Folgeveranstaltung auszurichten. Der S&T-Blog durfte dabei sein.

„Die Vergleichsübung dient als Wettkampf und zum Erfahrungsaustausch“, so der Leiter der Direktion Bundesbereitschaftspolizei, Präsident Friedrich Eichele. „Wir wollen so die Möglichkeit zur Selbsteinschätzung und zur professionellen Weiterentwicklung schaffen, um möglichst `vor die Lage`zu kommen.“
Zehn phantasievolle und vielseitige Stationen hatte die BFHu Sankt Augustin unter ihrem Hundertschaftsführer EPHK Jürgen Gaidas angelegt. Dabei kam es für die Fünf-Mann-Teams nicht nur auf physische Leistungsfähigkeit und körperliche Gewandheit an. Selbstständiges Handeln, Teamgeist, „Köpfchen“ und Merkfähigkeit zählten ebenso zu den Anforderungen.
Ihrer Heimat gemäß benannte die BFHu Sankt Augustin – sie wurde bei der Veranstaltung durch sämtliche andere Partnerverbände an ihrem Standort unterstützt – sämtliche Stationen nach dem „Rheinischen Grundgesetz“. So trug die Startübung den Titel „Et is wie et is“. Sie führte kurz nach der Auftaktveranstaltung - eingeleitet von einer Fallschirmsprungvorführung der GSG 9 (an der Eichele als deren ehemaliger Kommandeur natürlich  als Springer teilnahm) - am 24. Juni 2014 durch die Bonner Rheinauen. Hier standen unter anderem Sudoku-Rätsel, aber auch eine mit Schlauchboot zu überwindende Wasserstrecke auf dem Programm.
Die weiteren Stationen folgten am 25. Juni 2014:
„Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet“ (Unfriedliche demonstrative Aktion/UDA): Dabei mussten vier Teammitglieder unter Atemschutz eine Barrikade räumen, während der fünfte mit dem Mehrzweckeinsatzstock Wurfgeschosse (Tennisbälle) abwehren musste.

Das USK Bayern an der UDA-Station. Foto: JPW

„Jeder Jeck is anders“ (taktisches Fahren): Hier galt es, zu fünft ein besonders hergerichtetes Fahrzeug durch einen Hindernisparcours zu bewegen. Nur der „Kommandant“ hatte dabei Sicht. Die übrigen vier „blinden“ Wettkämpfer bedienten im Wageninneren getrennt voneinander Steuer, Kupplung, Gas und Bremse.

Der Rückwärtsgang des präparierten Fahzeugs funktionierte nur per abgesessener Muskelkraft - hier die BFE Thüringen bei der Teamarbeit. Foto: JPW
„Et kütt wie et kütt“ (Hindernisbahn der GSG 9): Ein höhentauglicher Kletterer musste sich auf einer am Drehleiterkorb einer ausgefahrenen Feuerwehrleiter hängende Fahndungsbilder einprägen. Derweil überwanden seine Kameraden die GSG 9-Hindernisbahn. Zudem wurden ihnen Erste-Hilfe-Maßnahmen und der Verwundetentransport abverlangt. Der Höhenkletterer musste anschließend die identifizierten Personen auf der Hindernisbahn wiedererkennen.

Herz-Lungen-Wiederbelebung durch die BFE Sachsen. Im Vordergrund wartet schon der Verwundete auf seinen Transport. Foto: JPW
Wat wells de maache? (Raumschutz): Das Team verfolgte in diesem Szenario per Hubschrauber ein verdächtiges Fahrzeug. Dieses „stürzte“ dann in den Eschmarer See.

Ein Brandenburger Wettkämpfer beim gewagten Sprung! Foto: JPW
Abweichend vom Auftrag sprang das Team aus dem Drehflügler ins Wasser, „rettete“ zwei DLRG-Puppen, führte Herz-Lungen-Wiederbelebung durch und sicherte aus dem versenkten Fahrzeug Beweismaterial.
Das Team Sachsen-Anhalt meistert die Station am Eschmarer See. Foto: JPW
„Mach et joot, ävver nit ze oft“: In der von der GSG 9 betreuten Station galt es, Verdächtige in einer unübersichtlichen Industrieruine dingfest zu machen.
Die Stationen Et hätt noch immer jotjejange“ (Wohnungsdurchsuchung) und „Et bliev nix wie et wor“ (Amoklage) fanden in der Bundeswehrliegenschaft Köln-Wahn statt. Von dort aus ging es dann zu einer Schießübung („Wat fott es es fott“) ins benachbarte Schießausbildungszentrum II.
Die Abschlussübung „Wat soll der Kwatsch“ bildete dann ein mit Hindernissen gespickter Parcours kreuz und quer durch die Liegenschaft Sankt Augustin. Dabei galt es, wassergefüllte Container zu durchschwimmen, Seilstege zu meistern und auch das Durchqueren des Feuerlöschteiches durfte nicht fehlen.
Die Kolleginnen und Kollegen feuern die dem Feuerlöschteich entstiegenen Wettkämper an. Foto: JPW

Am Schießstand mussten vier Mann ihren fünften Mannschaftskameraden auf einer Trage schultern, so daß dieser mit einer MP5 und Plastiktrainingsmunition Tontauben treffen konnte. Für Fehlschüsse drohten Extra-Laufrunden.
Auf dem Schießstand der Abschlussübung. Foto: JPW
Nach den Strapazen sorgte dann ein zünftiger Abschlussabend für Entspannung. Das Tanzkorps der Dürscheder Mellsäck e. V. brachte kurz vor der Siegerehrung den Saal mit rheinischer Karnevalskultur zum Kochen. Dann endlich verkündete EPHK Gaidas die Ergebnisse. Den Gesamtsieg sicherte sich die BFE Sachsen-Anhalt vor der BFHu Bayreuth und der BFE Schleswig-Holstein.
Dessen ungeachtet waren alle Wettkämpfer mit Feuereifer bei der Sache und stellten somit den eigenen Anspruch an Professionalität und „Esprit de Corps“ eindrucksvoll unter Beweis. „Wir haben hier 19 Sieger“, resümierte EPHK Gaidas denn auch zufrieden die Vergleichsübung.

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