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Dienstag, 8. Juli 2014

Neues geschütztes Bergekranfahrzeug für die Bundeswehr

Ehingen (ww) Die Bundeswehr lässt derzeit ein neues geschütztes Berge-Kranfahrzeug entwickeln. Hauptauftragnehmer ist die Liebherr-Werk Ehingen GmbH. Das schwäbische Unternehmen ist Weltmarktführer bei Mobilkranen.
Studie des neuen geschützten Bergekranfahrzeugs. Grafik: Liebherr
Das geschützte Berge-Kranfahrzeug soll zukünftig die neue Generation Geschützter Führungs- und Funktionsfahrzeuge (GFF), geschützte Transportfahrzeuge (GTF), MULTI FSA (Wechselladerfahrzeuge) sowie bereits in Nutzung befindliche Radfahrzeuge unter Schutz des Bedienpersonals bergen und abschleppen können.
Darüber hinaus soll das G-BKF in der Lage sein, taktische Marschbegleitung über größere Entfernungen zu leisten, Instandsetzungs- und Umschlagsunterstützung zu geben sowie Berge-, Abschub- und Nothilfe-Einsätze zu gewährleisten.
 
Seriennahes Kranfahrgestell
Das G-BKF wird auf einem seriennahen 4-achsigen All-Terrain-Kranfahrgestell (8x8x8) realisiert. Trotz seines Gewichtes und seiner Größe ist eine hohe Geländegängigkeit und Wendigkeit durch die großvolumige Einzelbereifung, Allrad-Antrieb und Allrad-Lenkung sichergestellt. Die geschwindigkeitsabhängige Hinterachslenkung mit ihren fünf Lenkprogrammen bietet eine hohe Spurstabilität bei hohen Geschwindigkeiten und höchste Wendigkeit beim Manövrieren.
Durch die Verwendung des eigenen Liebherr-Dieselmotor „D946TI“ mit einer Leistung von 400 kW (544 PS) in Verbindung mit dem ZF TC-Tronic-Getriebe mit Wandler und zwölf Vorwärts- sowie zwei Rückwärtsgängen wird für schweren Abschleppbetrieb genügend Vortrieb sichergestellt.

Hohe Anforderungen beim Insassenschutz
Der besondere Fokus bei der Auftragsvergabe galt dem Insassenschutz. Zur Erfüllung der hohen Anforderungen in diesem Bereich arbeitet die Liebherr-Werk Ehingen GmbH mit dem führenden europäischen Systemhaus für Heerestechnik, der Rheinmetall Defence, für die Anteile geschütztes Fahrerhaus und geschützte Krankabine, zusammen. Um die umfangreiche persönliche Schutzausrüstung der Fahrzeugbesatzung verstauen und die militärische Kommunikationstechnik im Fahrerhaus integrieren zu können, wurde das geschützte Fahrerhaus gegenüber dem Liebherr-Serienfahrerhaus um 250 mm verlängert.
Das geschützte Fahrerhaus wird in einer zweischichtigen Stahl – Schott Bauweise realisiert. Der transparente Schutz ist dahingehend optimiert, dass sowohl der ballistische Schutz als auch die Sichtanforderungen der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) erfüllt werden. Die Qualifikation des Schutzes erfolgt nach STANAG 4569/ AEP 55.
Die ebenfalls geschützte Krankabine wird insbesondere aus Gewichtsgründen mit leichten Schutzverbundmodulen gefertigt. Auf eine Stahlträgerkonstruktion werden die in einer speziellen Bauweise hergestellten Verbundmodule aufgeschraubt.

Variabler Abschlepp- und Bergebetrieb

Im Abschleppbetrieb können Fahrzeuge bis zu einer Belastung von 16 Tonnen auf die Hubbrille des Unterfahrlifts aufgenommen und abgeschleppt werden. Militärfahrzeuge können an STANAG-Ösen mit speziellen Adaptern aufgenommen werden. Umfangreiches Zubehör erlaubt das Abschleppen nahezu aller Bundeswehr-Radfahrzeuge.
Am Fahrzeugheck sind zwei Rotzler Treibmatik-Winden mit  200 kN bzw. 80 kN Zugkraft angebracht. Durch die Verwendung von Umlenkrollen können die Zugkräfte verdoppelt werden. Durch den synchronen Einsatz der beiden Bergewinden, verbunden über ein Steuerpult, ergeben sich vielfältige Variationsmöglichkeiten für unterschiedlichste Bergeeinsätze. Für eine Selbstbergung kann die kleinere Winde mit dem eigenem Kran nach vorne umgesetzt werden. Um einen Havaristen aus schwierigem Gelände bergen zu können, ist das Fahrgestell mit Bergestützen ausgerüstet.
Synchrones Ziehen eines havarierten Fahrzeugs. Grafik: Liebherr
Mit dem Seil der Hubwinde über den eingefahrenen Teleskopausleger und dem Seil der 200 kN starken Bergewinde ist ein synchrones Ziehen möglich. So kann der Havarist bei diesem Bergevorgang etwas angehoben und gleichzeitig zur Abschleppeinrichtung gezogen werden.


Vielseitig einsetzbar
Das G-BKF wird mit einem 20,9 m langen Teleskopausleger ausgerüstet und kann damit Lasten von bis zu 20 t Gewicht schnell und präzise umsetzen. Dadurch ist das G-BKF nicht nur zum Bergen geeignet, sondern kann auch wie ein Mobilkran mittelschwere Kranarbeiten übernehmen. Umfangreiches Zubehör stellt sicher, dass auch Rettungseinsätze gewährleistet werden können.

Sämtliche Steuerungsfunktionen des Kranes, der Abschleppeinrichtung, der beiden Bergewinden und der Bergestützen können sowohl aus der geschützten Position in der Krankabine über den serienmäßigen Kranbedienstand als auch vom Boden aus mittels der Liebherr-Standard-Funkfernbedienung erfolgen.
Bereits in der Entwicklungsphase fließen praktische Erkenntnisse aus den Auslandseinsätzen der Bundeswehr in die Entwicklung ein, so dass beste Voraussetzungen erfüllt sind, um die Leistungsanforderung in der Praxis vollumfänglich zu gewährleisten.
Dem Gedanken nach Familienbildung für zukünftige geschützte Mobilkranfahrzeuge der Bundeswehr soll ebenfalls Rechnung getragen werden. Hierbei wird auf eine größtmögliche Handelsüblichkeit und Marktverfügbarkeit der Komponenten geachtet. Konstruktiv wird zudem die gleiche Bedienung aller Geräte strikt verfolgt. So gibt es keinen Unterschied bei dem Fahrer- und Kranbedienerstand des G-BKF, eines geschützten Kranes oder eines Serienkranes der Liebherr-Werk Ehingen GmbH. Dadurch können der Schulungsaufwand deutlich reduziert und Fehlbedienungen weitgehend ausgeschlossen werden. Wichtig ist, dass die Mannschaft mit dem Gerät vertraut ist und regelmäßig damit arbeitet, um dann bei entsprechendem Bedarf schnell und zielsicher ihre Aufgaben erfüllen zu können.

www.liebherr.com

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