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Montag, 23. März 2015

Wiedersehen in Walhall 9 - erste Eindrücke von IWA und EnforceTac 2015

Nürnberg (ww) Gemäß der nordischen Mythologie versammeln sich die tapfersten Krieger im Jenseits in Walhall, um sich dort Waffenspielen und Geselligkeit hinzugeben. Mindestens ebenso lebhaft ging es im Diesseits in der „taktischen Halle 9“ der IWA&Outdoor Classics 2015 zu – wegen der dort vielfach verkehrenden verwegen-barbarisch anmutenden Besucher scherzhaft auch „Walhall 9“ genannt.
Ob zbV/JTG eine Vorahnung auf die "taktische Halle 9" hatte? Foto: JPW
Doch nicht nur dort ließen sich auf der IWA und der kurz davor erstmals eigenständig durchgeführten Behördenmesse EnforceTac einiges neues für Streit- und Sicherheitskräfte entdecken. Ein erstes Resümee aus Nürnberg.
Zunächst eine nüchterne Feststellung: Der „Streitkräfte und BOS-“ Bereich boomt offensichtlich weiter. Zwar neigt sich das westliche Engagement in Afghanistan dem Ende zu – doch es taten sich neue Krisenherde auf. Zudem tragen Extremisten den Krieg inzwischen auch in die mitteleuropäischen Großstädte. Das erfordert neue sicherheitspolitische und taktische Ansätze, zu denen auch moderne Ausrüstungs- und Bewaffnungskonzepte gehören.

Polizeiausstattung im Kryptek Typhon-Muster am Stand von Precision Technic Defence aus Dänemark. Foto: JPW
Um so wichtiger bleiben Foren, bei denen sich Anwender, Hersteller, Beschaffer und weitere Fachleute informieren und austauschen können. Wohl auch deshalb konnte die diesjährige EnforceTac einen deutlichen Aussteller- und Fachbesucherzuwachs verzeichnen. Ähnliches galt für die IWA&Outdoor Classics, deren Law-Enforcment-Bereich sich bei weitem nicht nur auf die „Walhall 9“ beschränkte.

Praxisorientiertes Training
Zu den Vereinigungen, die sich stetig mit der Modernisierung der taktischen Ausbildung befassen, zählen die Polizeitrainer in Deutschland (PID). Das Team um „Ecko“ Niebergall und Bernd „Poko“ Pokojewski ist stets mit Herzblut dabei, wenn es darum geht, Kolleginnen und Kollegen für die Gefahren „auf der Straße“ zu sensibilisieren. Neben einer umfangreichen Tagung umfasste die PID-Veranstaltung natürlich wieder praxisorientiertes Training, darunter schnelles Reagieren auf plötzliche Bedrohungen.
Bekämpfung einer Bedrohung aus dem Rücken. Fotos: JPW


Handwaffen
Im Pistolenbereich fällt der Trend zu Pistolen mit Schlagbolzenschlössern auf. Die hier bereits vorgestellte HK SFP9 gehörte zu den Gesprächsthemen der Messe. Beretta kommt demnächst mit der APX heraus (die in Nürnberg aber nicht ausgestellt war). Und ein alter Bekannter der Branche, nämlich der österreichische Konstrukteur Wilhelm Bubits, präsentierte seine BB6.


Was wäre eine Waffe von Wilhelm Bubits...
...ohne Anschlaghilfe? Fotos: JPW

Zu den weiteren taktischen Kurzwaffenneuheiten zählte der Neun-Para(!)-Revolver „Sky Marshal“ von Korth.
Korth Sky Marshal mit eigens entwickeltem Speedloader. Foto: JPW

Glock zeigte auf der IWA seine Glock 17 Generation 4 in der Variante „Modular Optic System (MOS)“ mit Schnittstelle für Rotpunktoptik.
Glock 17 Gen 4 MOS. Foto: JPW

Eine korrespondierende höhere mechanische Visierung soll es demnächst dazu geben.

Im Optik-Bereich gehörte das Leupold D-EVO zweifellos zu den Hinguckern. Bei dieser Dual-Use-Optik lassen sich Rotpunktvisier und 6fach-ZF parallel nutzen.
Jim Smith präsentiert die Dual-Enhanced View Optic von Leupold. Foto: JPW
Der Schwede Hakan Spuhr ist in der Szene durch seine praxisorientierte Montagen bekannt. Hierzu zählen Speziallösungen wie diese schwere MG-Optik. Der Dreifach-Magnifier von Aimpoint lässt sich entweder als Vergrößerungsnachsatz für das Kampfvisier (hier das Aimpoint MPS3) oder als separate Beobachtungshilfe nutzen.

Aimpoint MPS3 und 3X-Magnifier auf Spuhr-Montage. Fotos: JPW

Vertieb in Deutschland: Pol-Tec.

Ausrüstung
Die Standards der letzten Jahre bleiben ungebrochen: Modularität und Gewichtsersparnis. Beides vereint die von ehemaligen deutschen Operators gegründete Firma Lindnerhof-Taktik mit seinem Hybrid-Laminat. Dieses innovative Material ist in allen deutschen Tarndrucken gemäß TL (und natürlich auch in anderen Mustern und Farbtönen) lieferbar und zeigt sich nicht nur sehr leicht, sondern auch äußerst stabil und reißfest.

Plattenträger aus Hybridlaminat von Lindnerhof, neue Kampfbekleidung von Arcteryx, alles geliefert von hqg. Foto: JPW
Die Plattenträger der neuesten Generation aus diesem Material verfügen daher auch über kein aufgebrachtes Bandgeflecht, sondern über eingeschnittene PALS-Geflechte zum anbringen aller MOLLE-kompatibler Taschen. Das spart zusätzlich an Gewicht.

Ein weiterer Hingucker der deutschen Gearschmiede: Der stilechte „Badgeholder“, ebenfalls aus dem neuen Hybridlaminat!
Ob so viel Kreativität geht einem das Herz auf! Foto: JPW
Auch andere Ausrüstungsfirmen zeigten praxisorientierte Produkte, darunter Direct Action (Polen) und S.O.D. (Italien), für beide eine Nürnberg-Premiere. An militärischen Tarnmustern dominiert derzeit Multicam. Vermehr kommt aber auch PenCott GreenZone auf.

Fachbesucher interessieren sich immer für durchdachte Detaillösungen, hier bei Direct Action. Foto: JPW
S.O.D. und die ebenfalls für ihre durchdachten Konzepte bekannte slowenische Firma UfPro zeigten darüber hinaus ihre Kollektionen auch in deutschem Flecktarn.
S.O.D. auf der EnforceTac...
...und UfPro auf der IWA. Fotos: JPW
Was ebenfalls anhält ist der Trend, daß auch kleinere Firmen aus dem In- und Ausland auf der IWA am Stand ihrer Kooperationspartner vertreten sind. So bereicherte Matbock mit seinen Produkten, darunter ultraleichte und klein zusammenlegbare Leitern und Tragen, den Auftritt vom Vollsortiment-Ausstatter Tacwrk aus Berlin.
Trage (links) und Leiter von Matbock. Unten mittig die zum Transport verpackten Leiterstufen. Foto: JPW
Am Stand des Materiallieferanten Tactical Trim stellten einige kleinere, aber feine Firmen aus, darunter Projekt Gecko oder Rainbow Design, dessen Wingsuit in Multicam zu den Hinguckern der Halle 9 zählte.
Rainbow Design Wingsuit bei Tactical Trim. Foto: JPW
Zentauron-Schwerlastrucksack mit Tragekraxe. Foto: JPW
Zentauron hatte einen modularen Schwerlastrucksack am Start, Spitzname „Mollemonster“.

Was sonst noch auffiel: Waffenpflege scheint wieder vermehrt ins taktische Bewußtsein zu rücken. Fireclean war letztes Jahr auf der EnforceTac und IWA, dieses Jahr allerdings nur auf der SHOT. Dafür präsentierte Waffen Schumacher aus Krefeld seine neue Waffenpflege. Und aus den USA waren Froglube angereist.
Froglube-Vorstand Larry Lasky, hochdekorierter Captain U.S. Navy und U.S. Navy SEAL, präsentiert das Froglube-Reinigungsset. Foto: JPW
Deren Reinigungsmittel basiert völlig auf Bio-Inhaltsstoffen. Ein praktisches Waffenreinigungsset findet in einer Box in der Größe eines M16-Magazins Platz.

Eine ähnliche Größe weist die „Lightweight Assault Battery“, ein Universal-Akku von Revision, auf – was beweist, daß sich Revision in seinem Sortiment längst nicht nur auf Kopfschutzausstattung wie Schutzbrillen und ballistische Helme beschränkt.


Revision Lightweight Assault Battery. Foto: JPW
Und trotz alledem – was wäre die IWA ohne die vielen Kuriositäten am Rande! Hierzu zählt sicherlich das „IWA-Bingo“.

IWA-Bingo!
Soweit einige erste Eindrücke. In der aktuellen VISIER gibt es einen umfänglichen Artikel und in der Mai-Ausgabe der ES&T wird die inzwischen traditionelle Artikelserie „Taktische Trends“ prominent fortgesetzt.
Am Ende möchte ich es nicht versäumen, ein großes Dankeschön auszusprechen - an alle, die ich wiedertreffen und die ich neu kennenlernen durfte. Der gute Gedankenaustausch vor Ort ist es letztlich, der die Community weiter voranbringt!

In diesem Zusammenhang sei auch gleich auf das nächste Nürnberger Taktische Nachteulen Collegium/Tactical Night owl Council (TNC) verwiesen, welches wieder einmal für den „Tactical Thursday“ am 03.03.2016 projektiert ist. Da sich die Community dieses Jahr ja spätestens im November in Paris auf der MILIPOL trifft, befindet sich zudem ein erstes Auslands-TNC in der Planungsphase. Dazu aber natürlich hier zu gegebener Zeit mehr.

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