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Donnerstag, 30. Juli 2015

Gipfeltreffen auf dem Hammelburger Lagerberg: 19. Tag der Infanterie


Hammelburg (ww) Erstmals richtete des neue „Ausbildungszentrum Infanterie“ den Tag der Infanterie aus. Denn durch die Umstrukturierung der Bundeswehr gliederte die vormalige Infanterieschule um. Ein tiefer Einschnitt ergab sich dadurch nicht nur im Hinblick auf das Wappen – das goldene „IS“ auf grünem Grund wich einem deutlich moderneren und farbenfroheren Entwurf.
Das neue Wappen ziert die historischen Gebäude. Foto: JPW

Auch im Hinblick auf die Zuständigkeiten gibt es Veränderungen. So zeichnet man inzwischen nicht mehr an der fränkischen Saale, sondern am Rhein für die Weiterentwicklung der Truppengattung verantwortlich. Inzwischen befasst sich die Gruppe Infanterie des Amtes für Heeresentwicklung in Köln damit, wie Jäger, Gebirgsjäger und Fallschirmjäger demnächst ausgebildet, bewaffnet und ausgerüstet werden. Das kompetente Team hat neben seiner eigentlichen umfangreichen Arbeit in der Vergangenheit schon mehrfach eindrucksvolle Tagungen ausgerichtet oder unterstützt, wie etwa die Urban Operations Conference der DWT.
Dieser Umbrüche unbenommen bereicherte in guter Tradition eine Industrieausstellung die diesjährige 19. Ausgabe des Tags der Infanterie. Im folgenden ein paar Eindrücke von der Veranstaltung.
Zu den Premieren gehörte ein von der Firma FFG überarbeiteter Waffenträger Wiesel.
Wiesel DIOK. Foto: JPW
Der verlängerte Weasel DIOK (Demonstratorfahrzeug für optimiertes Kettenlaufwerk) dient als Versuchsträger zur Erprobung neuer Fahrwerkstechnologien.
FFG stellte weiterhin eine Variante des PMMC G5 mit Beobachtungs- und Aufklärungssausstattung 2 der Airbus DS Optronics, Fernlenkbarer Waffenstation Dual Fewas von Dynamit Nobel Defence sowie digitalem Kartenlagetisch von griffity aus.
Im Vordergund der Bedienerplatz der BAA2, davor der digitale Kartenlagetisch, davor die Waffenbedienerplatz. Foto: JPW
FFG sieht einen möglichen Verwendungszweck beispielsweise als JFST oder als Gefechtsstandfahrzeug.

Griffity und Exelis führten diverse Führungsunterstützungslösungen für die moderne Operationführung vor – einschließlich Energieversorgung per SFC-Brennstoffzelle „jenny“. Darunter befanden sich diverse „Military-Apps“, beispielsweise für die taktische Verwundetenversorgung oder Blue-Force-Tracking.

Ein Hingucker waren zudem die elektrogetriebenen Motorräder Zero FX und MMX, die das Quad-Center Diederich liefert.
Firmenchef Rainer Diederich weist in die Zero FX ein. Foto: JPW
Kaum hörbar, beschleunigten sie in wenigen Sekunden von Null auf Hundert.
Neben Heckler&Koch, die ihre gesamte Waffenpalette (einschließlich G36-Varianten!) präsentierten, stellte auch Beretta Defence Technology Sturmgewehre aus, und zwar die Ausführungen A2 und A3 des ARX-160.
Sowohl Rheinmetall als auch Diehl griffen das Thema 40mm-Munition auf. So haben Bundeswehr und niederländische Streitkräfte erst kürzlich die 40mm x 53 DM131 mit der von Rheinmetall vorangetriebenen Airburst-Technologie qualifiziert. Diehl hat sich mit Ripple Effect Systems geteamt, um 40mm-Waffen- und Munitionssysteme zu vermarkten.
Rippel-Werfer mit Diehl 40mm x 46/51 LV/NG. Foto: JPW
Auf dem Tag der Infanterie waren sowohl der (bereits in der Bundeswehr in kleiner Stückzahl eingeführte) Werfer als auch diverse Patronen der neuen 40mm x 46/51 Low Velocity/Next Generation zu sehen.
Die geplante Beschaffung neuer Nachtsichtbrillen seitens der Bundeswehr bildete ein weiteres Thema. Exelis – inzwischen zur Harris Group gehörig – stellte die i-Aware-Nachtsichtgerätefamilie vor, die sich auch mit Soldatensystemen vernetzten lässt. THALES zeigte nicht nur seine Mitbewerberin LUCIE II, sondern auch eine modifizierte Helmhalterung für die bereits genutzte LUCIE. I-E-A war naturgemäß mit den US-Produkten wie der L3 GPNVG am Start. Darüber hinaus sorgte das firmeneigene Geländefahrzeug Polaris MRZR für einen Hingucker – erst Recht mit dem Diehl/Hirtenberger 60-mm-Mörser M6-1000 auf der Ladefläche.
Polaris MRZR mit M6-1000 auf der Ladefläche. Foto: JPW
Die passende Munitionsfamilie dazu war natürlich bei Diehl zu sehen. Aber auch Saab war mit seiner 60mm-Mörsermunition MAPAM angereist, welche sich durch eine verlängerte Reichweite und eine verbesserte Wirkung auszeichnet.
SAAB 60 mm MAPAM. Foto: JPW
Als größere Kaliber ließen sich im Simulator die RGW 90 („Wirkmittel 90) von DND sowie der Kleinflugkörper Enforcer von MBDA schießen.
Der KFK-Enforcer im simulierten Schuss. Foto: JPW
Eine weitere Neuerung im stetig wachsenden Optronikbereich stellte das Rheinmetall Tac-Ray 1500 dar. Es kombiniert die Fähigkeiten von Laser-Licht-Modulen mit einem Laserentfernungsmesser.
Tac-Ray 1500 von Rheinmetall an einem MG3KWS. Foto. JPW
Damit eignet es sich sowohl für Scharfschützen oder Zielfernrohrschützen als auch für Gruppen- und Zugführer. Denn es lassen sich nicht nur Entfernungen sicher ermitteln, sondern auch Ziele zuweisen.

Unmanned Aerial Vehicles eignen sich im abgesessen operierenden Bereich für vielfältige Aufklärungsaufgaben. Air Robot stellte unter anderem ihr neues Modell AR-100B-KL aus. Die Tactics Group kam mit ihrer Skywatch X1-Drohne auf etliche Flugstunden und lieferte im wahrsten Sinne des Wortes einen Überblick über den Tag der Infanterie.
Hexonia-Kampfbekleidung und Helmsystem. Foto: JPW
Hexonia zeigte neben dem aktuellen Stand der Kampfbekleidung des Infanterist der Zukunft – Erweitertes System seine modularen Helmlösungen, die in Verbindung mit OpsCore realisiert werden. Darüber hinaus stellte das Ausbildungszentrum in einer statischen Schau sehr umfangreich die modulare Kampfausstattung „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System“ vor.
Die umfangreiche IdZ-ES-Ausstattung. Foto: JPW
Auch Revision war neben seinen Schießbrillen mit modularen Helmsystemen der „Batlskin-Reihe“ am Start.

Erstmals in Hammelburg vertreten waren die dänischen Ausrüster der Precision Technic Defence. Sie stellten die OSS-Schalldämpfersysteme vor.
Die OSS Suppressors eignen sich für diverse Kaliber und Munitionssorten. Foto: JPW
Diese weisen kein klassisches Kammersystem auf, sondern arbeiten mit turbinenartigen Rollen.

Der Preis für das schneidigste Zelt ging eindeutig an Dengler Vertriebs- und Potenzialberatung. In einem Tipi präsentierte die Firma unter anderem Wasseraufbereitungslösungen von Katadyn und diverse Notrationen - darunter "Emergency Food" von Innova.
Im Tipi hinter dem Boxer gab es etliches für das angenehmere "Leben im Felde" zu sehen. Foto: JPW


Ein umfangreiches weiteres Informationsangebot ergänzte die Industrieausstellung. Der Befehlshaber des NATO-Hauptquartiers Allied Joint Forces Command, General Lothar Domröse, analysierte „unter Drei“ (also nicht zur Weitergabe) die aktuelle sicherheitspolitische Lage. Die neu gestaltete Lehrsammlung Infanterie (die aber wiederum überarbeitet wird und einige Exponate zurückbringen wird), die Mitgliederversammlung des Bundes der Infanterie und natürlich die Gedenkveranstaltung am Infanteriestein ergänzten ebenso das Programm. An allen Tagen boten die Soldaten des Ausbildungszentrums und seiner zugehörigen Einrichtungen in Altenstadt (Fallschirmjäger) und Mittenwald (Gebirgsjäger) etliche statische und dynamische Vorführungen. Über diese beeindruckenden Einblicke in die Welt der Infanterie freuten sich schließlich auch die Besucher am angeschlossenen Tag der offenen Tür. Und natürlich kam die Kameradschaftspflege während der drei Tage langen Veranstaltung auch nicht zu kurz.

Bei den heißen Temperaturen sorgte ein "Speiseeis-Klassiker" für Erfrischung. Foto: OTL i. G. Leonie-Donata von Flunker

Bliebe als Fazit festzuhalten, daß der Tag der Infanterie sich wiederum als wertvolle Plattform zum Gedankenaustausch zwischen Industrie, Infanterie, Beschaffern und weiteren Fachleuten beweisen konnte. Weiter so!

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