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Sonntag, 3. Juli 2016

40 Jahre IDF-Operation Thunderbolt/Jonathan in Entebbe

Tel Aviv/Israel, Entebbe/Uganda (ww) In der Nacht vom 3. auf den 4. Juli 1976 befreite ein Gefechtsverband der Israel Defense Force (IDF) auf dem Flughafen Entebbe 106 Geiseln aus der Hand palästinensischer Terroristen.
Die Mercedes-Benz-Limousine, mit der der IDF-Gefechtsverband das Herannahen eines hohen ugandischen Funktionärs vortäuschte - ein zentrales Element der Operation. Foto: IDF

Die Operation „Thunderbolt“ – später zur Ehrung des dabei gefallenen Kommandeurs der Spezialeinheit Sayeret Matkal, Jonathan „Yoni“ Netanjahu in Operation „Jonathan“ umbenannt – gehört bis heute zu den herausragenden Beispielen für erfolgreiche Einsätze von Spezialkräften.Immerhin gelang der IDF eine Geiselbefreiung rund 4000 Kilometer von der eigenen Heimat entfernt in feindlichem Umfeld.

In aller Kürze sei hier der Verlauf dargestellt. Am 27. Juni 1976 entführt ein palästinensisches Terroristenkommando (unter Beteiligung der deutschen Terroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann) den Air France Flug 139 von Tel Aviv über Athen (wo vier Terroristen zusteigen) nach Paris. Nach einem Irrflug mit Zwischenlandung in Bengasi/Libyen landet der Airbus A300 am 28. Juni 1976 in Entebbe/Uganda. Der damalige Staatsführer Idi Amin unterstützt das Terroristenkommando.
In Entebbe separieren die Terroristen die israelischen und übrigen Staatsbürger jüdischen Glaubens von den restlichen Passagieren. Diese "Selektion von Entebbe" durch die deutschen Terroristen sorgt seinerzeit in den linksradikalen Kreisen der Bundesrepublik für Entsetzen und eine heftige Kontroverse. Während die nicht-israelischen Passagiere freigelassen werden, verbleibt die Air-France-Crew unter Führung Captains Michel Bacos auf eigenen Willen bei den Geiseln. Die Terroristen fordern die Freilassung von insgesamt 53 Gefangenen im Austausch gegen die Geiseln.
Nachrichtendienstliche Aufklärungsergebnisse, u. a. durch die Befragung der Freigelassenen sowie der Akquise von Bauplänen des Flughafengebäudes, fließen in die Operationsplanung der IDF ein. Auch Oberstleutnant i. BGS Ulrich K. Wegener, Gründungskommandeur der GSG9, trug zu den Aufklärungsergebnissen vor Ort bei. Die beteiligten Einheiten bereiten sich intensiv in einem Nachbau des Flughafens Entebbe auf die Operation Thunderball vor.
Das alte Terminal des Flughafens in dem die Geiseln damals festgehalten wurden. Luftaufnahme von 2009, Blick aus südostwärtiger Richtung. Foto: LTC David Konop, USAF

In der Nacht vom 3. auf den 4. Juli 1976 erreicht der Gefechtsverband ab 23.01 Uhr mit vier Transportflugzeugen C130 Hercules den Flughafen Entebbe. An Bord sind neben den Truppen (35 Sayeret Matkal, 69 Paras, 60 Golani, 20 Medics, Führungs- und Unterstützungspersonal) auch einige Fahrzeuge (eine Mercedes-Limousine, zwei Landrover, vier Transportpanzer BTR-152 und zwei Jeep). Zwei Boeing 707 fungieren als „fliegendes Lazarett“ sowie als fliegende Befehlsstelle.
Ein zentrales Element der Überraschung bildet die schwarze Mercedes-Benz-Limousine. Im Konvoi mit zwei Landrovern soll sie das Herannahen einer hohen ugandischen Delegation zum alten Terminal vortäuschen und die zur Absicherung eingeteilten ugandischen Wachen und Terroristen überrumpeln.
Diese Überraschung gelingt nur teilweise, da es zuvor zu einem Schusswechsel mit ugandischen Wachposten kommt. Dennoch kann der Gefechtsverband schnell das alte Flughafengebäude nehmen, die Terroristen sowie einige ugandische Soldaten niederkämpfen und die dort festgehaltenen Geiseln befreien. Jedoch wird der Kommandeur des in diesem Abschnitt eingesetzten Verbandes, Oberstleutnant Yoni Netanjahu, bereits zu Beginn des Zugriffs so schwer verwundet, daß er ausfällt und später seiner Schussverletzung erliegt.
Ebenso wird das neue Terminal genommen und gesichert und ein Sicherungsring um das Operationsgebiet gelegt. Ab 23.20 Uhr beginnt die Evakuierung. Eine ebenfalls geplante 40 Minuten lange Auftankaktion der Hercules-Maschinen kann entfallen, da Kenia dem Gefechtsverband erlaubt, auf dem Rückflug nach Israel in Nairobi zwischenzulanden. Allerdings zerstören die IDF-Kommandos ugandische Kampfflugzeuge, um eine Verfolgung zu verhindern. Am 4. Juli 1976 um 00.40 Uhr startet die letzte israelische C130 vom Flughafen Entebbe.
Die Bilanz: Sieben Terroristen getötet, etwa 20 ugandische Soldaten gefallen und rund 100 verwundet, Oberstleutnant Netanjahu (ein Bruder des derzeitig amtierenden Ministerpräsidenten und gleichfalls Veteranen Benjamin „Bibi“ Netanhaju) gefallen und drei weitere IDF-Kommandos verwundet, vier Geiseln getötet (drei unbeabsichtigt während des Gefechtes, eine zuvor in ein Krankenhaus verlegte auf Befehl Idi Amins nach der Befreiungsoperation ermordet) und sieben verletzt, 103 Geiseln befreit.
Gedenktafel am alten Terminal Entebbe. (Foto: LTC David Konop, USAF)

Trotz der tragischen Verluste setzte die Operation „Thunderball/Jonathan“ ein viel beachtetes und deutliches Signal der Entschlossenheit im Kampf gegen den Terrorismus.
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Eine detaillierte Analyse der Operation liefert mein Kollege und Kamerad Kaj-Gunnar Sievert in seinem Buch "Kommandounternehmen. Spezialeinheten im weltweiten Einsatz." Hamburg u. a. 1/2004: E. S. Mittler&Sohn.
Eine ausführliche Darstellung in englischer Sprache haben die Kollegen von ynetnews.com zusammengetragen.
Zudem noch ein Link aus Uganda, der ebenfalls in englischer Sprache auch die später durch Yonis damaligen Stellvertreter, Moshe "Muki" Betser, angestoßene Kontroverse um den Einsatz aufgreift und ugandische Zeitzeugen zu Wort kommen lässt: Uganda Media Development Foundation

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