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Freitag, 15. November 2019

Task Force Barrakuda - niederländische MARSOF-Kampfschwimmer operieren erfolgreich gegen somalische Piraten

Rotterdam (ww) Mehrere niederländische Kampfschwimmer-Kameraden des Korps Mariniers  haben kürzlich hohe Tapferkeitsauszeichnungen für eine Kommandoaktion gegen Piraten erhalten. Das Verdienstkreuz (Kruis van Verdienste) erhielten die Mariniers  Sergeenats Dennis, Alex und Theo sowie der Mariniers-Sergeant-Major Harm.
Niederländische Kampfschimmer des Korps Mariniers in ihrem Element (Foto: MoD NLD) 
Der Einsatz der  auf der Fregatte HMS Zuiderkruis eingeschifften Task Force Barrakuda (NLD MARSOF) fand bereits im Jahr 2011 im Rahmen der Operation Atalanta vor der Küste Somalias statt. Dabei wurden im Rahmen zweier Kommandoaktionen mehrere Piratenschiffe fahruntüchtig gemacht, ohne sie zu versenken. Da die Boote längere Zeit ausfielen, ging die Zahl der Überfälle auf die zivile Schifffahrt deutlich zurück.
Die Verleihungszeremonie fand in Rotterdam statt (Foto: MoD NLD)
Die Froschmänner Dennis, Alex, Theo und Harm erhielten das Verdienstkreuz für ihr mutiges und strategisches  Handeln bei verdeckten Sabotageaktionen gegen Piratenschiffe. Dennis und Alex hatten sich freiwillig gemeldet, um ein von Piraten entführtes Fischereifahrzeug, das als Mutterschiff für Piraterie eingesetzt wurde, zu sabotieren. Neben rund 20 bewaffneten Piraten waren auch zwölf iranische Besatzungsmitglieder als Geiseln an Bord. Das Ziel lag in der Nähe eines Piratenlagers und eines weiteren Piratenschiffes. Die Annäherung erfolgte mit einem Unterwasser-Scooter. Alex steuerte das Fahrzeug, während Dennis das Anbringen der Sprengladung übernahm. Beides gestaltete sich wegen des starken Wellenganges als sehr schwierig, zudem bestand eine ständige Gefahr der Erkennung. Doch auch als der Atemluftvorrat knapp wurde, ließen sich die Männer nicht beirren und platzierten die Sprengladung schließlich. Anschließend ging es zum Sammelpunkt zurück, wo sie von den Festrumpfschlauchbooten der HMS Zuiderkruis aufgenommen wurden. Auf der Rückfahrt konnte man einen Lichtblitz an der Stelle des Piratenschiffs beobachten. Dieses lag am nächsten Tag beschädigt am Strand.
Die Ministerin verlieh persönlich das Kruis van Verdienste...(Foto: MoD NLD)
Harm und Theo übernahmen einen Tag nach der erfolgreichen ersten Operation eine neue Kampfschwimmeraktion. Wie bei der vorherigen Mission ging es darum, einen Sprengsatz am Kiel eines Piratenschiffes vor der somalischen Küste zu platzieren. Die Mariniers  mussten dabei einkalkulieren, dass die Piraten sehr wachsam waren.  Es befanden sich mindestens drei Wachen an Bord, die regelmäßig die Wasseroberfläche ableuchteten. Theo steuerte den Unterwasserscooter dieses Mal auf einer Alternativroute. Harm übernahm als Teamleiter das Platzieren und Aktivieren der Sprengladung. Vor Ort mussten die Froschmänner improvisieren, da die Ladung nicht an den geplanten Ort passte. Das Problem wurde gelöst und bei der Rückkehr zum Abholpunkt erfolgt die Explosion. Als Reaktion darauf eröffneten die Piraten das Feuer in Richtung der Mariniers, ohne sie jedoch zu treffen. Aufgrund der Aktion konnte das Piratenschiff lange Zeit nicht eingesetzt werden.
Neben den vier eingesetzten Froschmännern erhielten weitere drei Mariniers das Ehrenzeichen für Verdienste in Silber (Ereteken voor Verdienste in Zilver): Luitenant-kolonel der mariniers Oscar, Majoor der mariniers Nando und Sergeant-majoor van de mariniers Marcel . Sie waren maßgeblich an der Einsatzplanung und -führung  beteiligt.
...und das Ereteken voor Verdienste in Zilver. (Foto: MoD NLD)
Die niederländische Verteidigungsministerin Ank Bijleveld würdigte im Rahmen der Verleihungszeremonie die Kommandoakion der Task Force Barrakuda  als eine der schwierigsten maritimen Spezialoperationen der Niederlande seit dem Zweiten Weltkrieg. Sowohl unter als auch über Wasser hätten zahlreiche Gefahren gedroht.
Der Strategie und Technik-Blog gratuliert den niederländischen Kameraden in allerschärfster Form zu ihren herrlichen Waffentaten und wünscht allezeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Dienstag, 5. November 2019

Carl Gustaf M4 - Saab und Raytheon testen lenkbare Munition

Karlskoga, Sierra Blance (ww) Saab Defense und Raytheon haben eine erste Testserie der neuen lenkbaren Munition für die schultergestützte Mehrzweckwaffe Carl Gustaf M4 erfolgreich durchgeführt. Damit könnte demnächst ein zusätzlicher Effektor die schon jetzt umfangreiche Munitionspalette der schultergestützten Waffe ergänzen.
Der M4-Lenkflugkörper nach dem Abschuss (Foto: Saab)
Wie die Unternehem am 31. Oktober 2019 mitteilten, fanden die Versuche mit dem Semiaktiven Laser-Steuerungssystem im September und Oktober in Karlskoga/Schweden und Sierra Blance/Texas statt. Saab und Raytheon kooperieren seit 2017 gemeinsam an dem Vorhaben der neuen lenkbaren Munition. Die soll sich aus beengten Umgebungen heraus auch gegen bewegliche Ziele einsetzen lassen und eine Reichweite von rund 2.000 Metern und mehr haben.
In Karlskoga wurden drei der neuen Lenkflugkörper verschossen - zwei gegen statische und einer gegen ein bewegliches Ziel. Letzterer traf im Semi-Active Laser-Guidance-Verfahren  ein sich mit 25 km/h bewegendes Ziel in der Größe eines Geländewagens auf eine Entfernung von 1.800 Metern. Weiterhin präsentierten die Unternehmen andere mögliche Suchkopftechnologien wie beispielsweise abbildender Infrarot-Suchkopf als weitere mögliche Optionen für die neue Munition. Ebenso wurden dynamische Versuche mit Gefechtsköpfen gegen verschiedene Ziele durchgeführt.
Richt- und Ladeschütze mit der CGM4 (Foto: Saab)
Die Ende der 1940er Jahre entwickelte „Carl Gustaf“ im Kaliber 84 mm ist bei über 40 Nationen im Einsatz. Saab Defence hat im Oktober 2014 die neueste Generation Carl Gustaf M4 vorgestellt. Dank der umfangreichen Munitionspalette, die sich aus dem mit Feuerleitvisieren bestückbarem Werfer verschießen lässt, eignet sich die „CGM4“ für nahezu alle Zielszenarien. Die US-Streitkräfte haben bereits die Carl Gustaf Generation 3 als "M3 Multi-Role Anti Armor Anti Personnel Weapon System (MAAWS)" im Einsatz und führen die CGM4 als M3E1 ein. Weiterhin forderten sie eine neue lenkbare Munitionssorte. Diese verleiht der vielseitigen schultergestützten Waffe noch mehr taktische Flexibilität.


www.saabgroup.com
www.raytheon.com

Freitag, 1. November 2019

Legendärer Leo - 40 Jahre Kampfpanzer Leopard 2

München (ww) Rund 40 Jahre seit Einführung des ersten Leopard 2 hat der Generalunternehmer für diesen bewährten Kampfpanzer, Krauss-Maffei  Wegmann (KMW), am 29. Oktober 2019 die ersten Exemplare der derzeit modernsten Versionen an Dänemark und Deutschland übergeben.
Der Leopard 2A7V für die Bundeswehr (Foto: KMW)...
Frank Haun, Vorsitzender der Geschäftsführung von KMW, überreichte dem Botschafter des   Königreichs Dänemark, Friis Arne Petersen, und dem Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung, Dr. Peter Tauber, die symbolischen Schlüssel der beiden ersten Fahrzeugsysteme.
...und für Dänemark (Foto: KMW)
Beide Nationen erhalten vergleichbare Varianten des Leopard 2A7-Kampfpanzers. Die Dänische Armee wird bis  2022 insgesamt 44 Leopard 2A7 erhalten. Der  deutschen Bundeswehr werden 104 Leopard 2A7V bis 2023 zulaufen.



V für "Verbessert"
Als ehemaliger schwerer Panzeraufklärer und "Leo-Mann" (der Leopard 2A4 war in meiner aktiven Zeit 1991-1993 unser Arbeitspferd) gestatte mir der geneigte Leser zum Sachstand Leopard 2 noch einige ausführlichere Informationen.
Die durch die „Friedensdividende“ stark gebeutelte deutsche Panzertruppe soll wieder von 225 auf 328 Kampfpanzer aufwachsen (2125 Leopard 2 besaß sie einst). Derzeit befinden sich die Leopard 2-Varianten A5 (1995, neues Panzerungskonzept, elektrische statt hydraulischer Waffennachführanlage), A6 (ab 2001; längere Rheinmetall-Glattrohrkanone L55 statt der zuvor genutzten L44), A6M (ab 2004, verbesserter Minenschutz) und A7 im Bestand. Die jetzt nochmals verbesserte Version heißt zunächst A7V (V = „Verbessert“). Befinden sich alle Kampfpanzer auf diesem Niveau, soll das „V“ wieder entfallen. Eine kleine Reminiszenz am Rande: „A7V“ lautete auch die Tarnbezeichnung des ersten deutschen Panzers. Sie leitete sich von der für die Entwicklung zuständigen „Abteilung 7 Verkehrswesen (A7V)“ des Allgemeinen Kriegsdepartements im preußischen Kriegsministerium ab. Die Entwicklung startete im November 1916, der erste Fronteinsatz erfolgte am 21. März 1918. Ob die Namensgleichheit gewollt ist, erscheint angesichts des Traditionsverständnisses der derzeitigen Bundeswehrführung eher fraglich. Sie ist dafür um so schöner.
Leopard 2A6 der Bundeswehr bei einer Gefechtsübung (Foto: Bundeswehr/Mandt)
Insgesamt will die Bundeswehr 68 von 100 im April 2015 von der Industrie zurückgekauften Leopard 2A4, 16 Leopard 2A6 aus niederländischen Beständen und 20 Leopard 2A7 auf den Konstruktionsstand A7V bringen. Die übrigen 32 Stück der 100 zurückgekauften Leopard 2A4 sollen als Ausgangsbasis für diverse Unterstützungsfahrzeuge dienen. Hierzu zählen die neue Gefechtsfeldbrücke, ein neuer Pionierpanzer und weitere, noch genauer zu definierende Umbauten. Jedenfalls sollen alle Familienfahrzeuge aus Gründen der besseren Logistik auf Leopard 2-Basis kommen.
Leopard 2A7 der Bundeswehr (Foto: Bundeswehr)
Bereits zur Ausstattung des A7 gehört das Führungs- und Waffeneinsatzsystem Kampftruppe „IFIS“ (Integriertes Führungs- und Informationssystem), welches den Leopard 2 A7 in den Führungsverbund einbindet. Zur Aufklärung verfügt er über modernste Sichtmittel, insbesondere erhielt der Kommandant das neue Attica-Wärmebildgerät von Airbus DS Optronics für sein Rundumblick-Periskop Peri R17A3. Eine verbesserte digitale Bordverständigungsanlage sowie eine moderne Brandunterdrückungsanlage bilden weitere Merkmale.
Einen wesentlichen Fähigkeitszuwachs stellt zudem die Möglichkeit zum Verschießen der neuen, im Patronenlager programmierbaren Munitionssorte 120 x 570 mm HE Temp DM11 von Rheinmetall dar. Diese kann entweder mit Aufschlagzünder arbeiten – also beispielsweise Breschen schlagen, oder mit programmierbarer Verzögerung Ziele nach Durchschlagen einer Deckung bekämpfen. Ebenso lässt sie sich mit programmierbarem Luftsprengpunkt („Air Burst“) verwenden. Hier detoniert der Gefechtskopf vor und über dem anvisierten Ziel.
Die programmierbare Panzerpatrone DM11 (Foto: Rheinmetall)
Im Rahmen der Modernisierung zum 2A7V behebt die Industrie – darunter KMW als Generalunternehmer, MTU, Renk, Rheinmetall und weitere Unternehmen – an den älteren Baureihen sofern noch notwendig die Obsoleszenzen am Feuerleitrechner und am Rechnerbediengerät, rüstet den neuen augensicheren Laserentfernungsmesser ein und integriert das neue Wärmebildgerät. Weiterhin erhalten die 68 zu modernisierenden Leopard 2A4 die neue Rheinmetall-Waffenanlage des Typs L55A1. Diese Kampfpanzer verfügen dann waffenseitig bereits über die technischen Voraussetzungen, die nächste Generation panzerbrechender Munition im höheren Druckbereich verschießen zu können.
Leopard 2A7 im Gelände (Foto: KMW)
Alle A7V erhalten eine verbesserte Energie- und Kampfraumkühlanlage (EKKA) mit einem Kühlaggregat, welches bei gleicher Leistung und Abmessungen eine ABC-Schutzbelüftungsanlage aufweist. Zudem erhält der Panzer eine weitere Kühlanlage für den Fahrerraum. Die EKKA stellt weiterhin sicher, dass das Waffensystem ohne laufendes Haupttriebwerk voll einsatzfähig bleibt. Ein neues Fahrernachtsichtgerät mit Wärmebildanteil für Vorwärts- und Rückwärtsfahrt steigert wiederum die Nachtkampffähigkeit nochmals. Der Fahrgestellbug erhält ein zusätzliches Schutzmodul. Ebenso lassen sich im Bedarfsfall schnell Zusatzpanzerungselemente für den Rundumschutz montieren. Generalüberholte und modernisierte Motoren, neue Antriebsstränge und ein neues Seitenvorgelege mit neuem Übersetzungsverhältnis erhöhen die Mobilität. Dabei steht insbesondere die schnelle Beschleunigung im Vordergrund, mit der sich im Gelände „schnelle Sprünge“ ermöglichen lassen.
Zwei vorgezogene Serienfahrzeuge auf Basis des A7 machen den Anfang der Modernisierung. Sie werden nach dem Zulauf Ende 2019 die Nachweisführung und die Einsatzprüfung durchlaufen. Als nächste Welle kommen die A7V auf Basis der A6 im Jahr 2020. Daran schließen sich die kampfwertgesteigerten ehemaligen 2A4 an. Den Abschluss bilden die übrigen 18 ehemaligen 2A7er. Auf diese Weise bleiben sie als derzeit modernste Variante möglichst lange in der Truppe.
Trotz des im Vergleich zum A7 nochmals moderneren Rüststandes schöpft die Bundeswehr nicht das gesamte Potential an Verbesserungen aus. Denn weder der Finanzrahmen noch der vorgesehene Zeitplan sollen gefährdet werden. „Mit dem Maßnahmenpaket wird letztlich der Investitionsstau der letzten 15 Jahre abgebaut und der KPz Leopard 2 auf einen soliden und spürbar leistungsgesteigerten Stand gebracht, ohne allerdings wieder den gleichen Vorsprung zu vergleichbaren Systemen zu erhalten, wie seinerzeit bei Einführung in den 1980er Jahren“, so lautet die nüchterne Analyse der zuständigen Abteilung im Amt für Heeresentwicklung. Klar erscheint aber schon jetzt, dass der Leopard2A7V nur ein weiterer Zwischenschritt zu einer völlig neuen Plattform bleibt – dem Main Ground Combat System (MGCS).

Legendärer Leo
Der deutsche Leopard 2 gehört ohne Zweifel zu den Spitzenreitern moderner Kampfpanzer. Im Oktober 1979 offiziell eingeführt, entstanden bisher einschließlich Lizenzbauten rund 3500 Exemplare, davon 2125 „Leos“ für die Bundeswehr. Der größte Teil davon (1800 Stück) lief in München beim Generalunternehmer Krauss-Maffei (heute Krauss-Maffei Wegmann/KMW und Teil des deutsche-französischen Gemeinschaftsunternehmens KNDS) von den Bändern. Darüber hinaus entstand ein weiterer großer Teil der Flotte an der Küste: Die Krupp Maschinenbau Kiel (MaK; heute Rheinmetall Landsysteme) fertigte 977 Leopard 2 vor allem für die Bundeswehr und die niederländischen Streitkräfte. 345 Exemplare entstanden wiederum in schweizerischer Wertarbeit. So rüstete Oerlikon Contraves (die Panzerbausparte gehört heute zum RUAG-Konzern) die eidgenössische Panzertruppe mit dem „Panzer 87“, einer Lizenzversion des Leopard 2, aus.
Der Verfasser auf dem Leopard 2A4 - Reserveoffizierlehrgang im November 1992 in Munster (Foto: JPW)

Derzeit nutzen neben der Bundeswehr noch die Streitkräfte 17 weiterer Nationen den Leopard 2. Neben Deutschland gehören Chile, Dänemark, Finnland, Griechenland, Indonesien, Kanada, Katar, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Singapur, Spanien und die Türkei dem Kreis der „Leopard 2-Benutzer (LEOBEN) an. Im Dezember 2018 bestellte zudem Ungarn bei KMW 44 neu gefertigte Leopard 2A7+ und wird sich damit als 19. Mitglied in die LEOBEN-Staaten einreihen.

www.kmweg.de