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Freitag, 15. November 2019

Task Force Barrakuda - niederländische MARSOF-Kampfschwimmer operieren erfolgreich gegen somalische Piraten

Rotterdam (ww) Mehrere niederländische Kampfschwimmer-Kameraden des Korps Mariniers  haben kürzlich hohe Tapferkeitsauszeichnungen für eine Kommandoaktion gegen Piraten erhalten. Das Verdienstkreuz (Kruis van Verdienste) erhielten die Mariniers  Sergeenats Dennis, Alex und Theo sowie der Mariniers-Sergeant-Major Harm.
Niederländische Kampfschimmer des Korps Mariniers in ihrem Element (Foto: MoD NLD) 
Der Einsatz der  auf der Fregatte HMS Zuiderkruis eingeschifften Task Force Barrakuda (NLD MARSOF) fand bereits im Jahr 2011 im Rahmen der Operation Atalanta vor der Küste Somalias statt. Dabei wurden im Rahmen zweier Kommandoaktionen mehrere Piratenschiffe fahruntüchtig gemacht, ohne sie zu versenken. Da die Boote längere Zeit ausfielen, ging die Zahl der Überfälle auf die zivile Schifffahrt deutlich zurück.
Die Verleihungszeremonie fand in Rotterdam statt (Foto: MoD NLD)
Die Froschmänner Dennis, Alex, Theo und Harm erhielten das Verdienstkreuz für ihr mutiges und strategisches  Handeln bei verdeckten Sabotageaktionen gegen Piratenschiffe. Dennis und Alex hatten sich freiwillig gemeldet, um ein von Piraten entführtes Fischereifahrzeug, das als Mutterschiff für Piraterie eingesetzt wurde, zu sabotieren. Neben rund 20 bewaffneten Piraten waren auch zwölf iranische Besatzungsmitglieder als Geiseln an Bord. Das Ziel lag in der Nähe eines Piratenlagers und eines weiteren Piratenschiffes. Die Annäherung erfolgte mit einem Unterwasser-Scooter. Alex steuerte das Fahrzeug, während Dennis das Anbringen der Sprengladung übernahm. Beides gestaltete sich wegen des starken Wellenganges als sehr schwierig, zudem bestand eine ständige Gefahr der Erkennung. Doch auch als der Atemluftvorrat knapp wurde, ließen sich die Männer nicht beirren und platzierten die Sprengladung schließlich. Anschließend ging es zum Sammelpunkt zurück, wo sie von den Festrumpfschlauchbooten der HMS Zuiderkruis aufgenommen wurden. Auf der Rückfahrt konnte man einen Lichtblitz an der Stelle des Piratenschiffs beobachten. Dieses lag am nächsten Tag beschädigt am Strand.
Die Ministerin verlieh persönlich das Kruis van Verdienste...(Foto: MoD NLD)
Harm und Theo übernahmen einen Tag nach der erfolgreichen ersten Operation eine neue Kampfschwimmeraktion. Wie bei der vorherigen Mission ging es darum, einen Sprengsatz am Kiel eines Piratenschiffes vor der somalischen Küste zu platzieren. Die Mariniers  mussten dabei einkalkulieren, dass die Piraten sehr wachsam waren.  Es befanden sich mindestens drei Wachen an Bord, die regelmäßig die Wasseroberfläche ableuchteten. Theo steuerte den Unterwasserscooter dieses Mal auf einer Alternativroute. Harm übernahm als Teamleiter das Platzieren und Aktivieren der Sprengladung. Vor Ort mussten die Froschmänner improvisieren, da die Ladung nicht an den geplanten Ort passte. Das Problem wurde gelöst und bei der Rückkehr zum Abholpunkt erfolgt die Explosion. Als Reaktion darauf eröffneten die Piraten das Feuer in Richtung der Mariniers, ohne sie jedoch zu treffen. Aufgrund der Aktion konnte das Piratenschiff lange Zeit nicht eingesetzt werden.
Neben den vier eingesetzten Froschmännern erhielten weitere drei Mariniers das Ehrenzeichen für Verdienste in Silber (Ereteken voor Verdienste in Zilver): Luitenant-kolonel der mariniers Oscar, Majoor der mariniers Nando und Sergeant-majoor van de mariniers Marcel . Sie waren maßgeblich an der Einsatzplanung und -führung  beteiligt.
...und das Ereteken voor Verdienste in Zilver. (Foto: MoD NLD)
Die niederländische Verteidigungsministerin Ank Bijleveld würdigte im Rahmen der Verleihungszeremonie die Kommandoakion der Task Force Barrakuda  als eine der schwierigsten maritimen Spezialoperationen der Niederlande seit dem Zweiten Weltkrieg. Sowohl unter als auch über Wasser hätten zahlreiche Gefahren gedroht.
Der Strategie und Technik-Blog gratuliert den niederländischen Kameraden in allerschärfster Form zu ihren herrlichen Waffentaten und wünscht allezeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Dienstag, 5. November 2019

Carl Gustaf M4 - Saab und Raytheon testen lenkbare Munition

Karlskoga, Sierra Blance (ww) Saab Defense und Raytheon haben eine erste Testserie der neuen lenkbaren Munition für die schultergestützte Mehrzweckwaffe Carl Gustaf M4 erfolgreich durchgeführt. Damit könnte demnächst ein zusätzlicher Effektor die schon jetzt umfangreiche Munitionspalette der schultergestützten Waffe ergänzen.
Der M4-Lenkflugkörper nach dem Abschuss (Foto: Saab)
Wie die Unternehem am 31. Oktober 2019 mitteilten, fanden die Versuche mit dem Semiaktiven Laser-Steuerungssystem im September und Oktober in Karlskoga/Schweden und Sierra Blance/Texas statt. Saab und Raytheon kooperieren seit 2017 gemeinsam an dem Vorhaben der neuen lenkbaren Munition. Die soll sich aus beengten Umgebungen heraus auch gegen bewegliche Ziele einsetzen lassen und eine Reichweite von rund 2.000 Metern und mehr haben.
In Karlskoga wurden drei der neuen Lenkflugkörper verschossen - zwei gegen statische und einer gegen ein bewegliches Ziel. Letzterer traf im Semi-Active Laser-Guidance-Verfahren  ein sich mit 25 km/h bewegendes Ziel in der Größe eines Geländewagens auf eine Entfernung von 1.800 Metern. Weiterhin präsentierten die Unternehmen andere mögliche Suchkopftechnologien wie beispielsweise abbildender Infrarot-Suchkopf als weitere mögliche Optionen für die neue Munition. Ebenso wurden dynamische Versuche mit Gefechtsköpfen gegen verschiedene Ziele durchgeführt.
Richt- und Ladeschütze mit der CGM4 (Foto: Saab)
Die Ende der 1940er Jahre entwickelte „Carl Gustaf“ im Kaliber 84 mm ist bei über 40 Nationen im Einsatz. Saab Defence hat im Oktober 2014 die neueste Generation Carl Gustaf M4 vorgestellt. Dank der umfangreichen Munitionspalette, die sich aus dem mit Feuerleitvisieren bestückbarem Werfer verschießen lässt, eignet sich die „CGM4“ für nahezu alle Zielszenarien. Die US-Streitkräfte haben bereits die Carl Gustaf Generation 3 als "M3 Multi-Role Anti Armor Anti Personnel Weapon System (MAAWS)" im Einsatz und führen die CGM4 als M3E1 ein. Weiterhin forderten sie eine neue lenkbare Munitionssorte. Diese verleiht der vielseitigen schultergestützten Waffe noch mehr taktische Flexibilität.


www.saabgroup.com
www.raytheon.com

Freitag, 1. November 2019

Legendärer Leo - 40 Jahre Kampfpanzer Leopard 2

München (ww) Rund 40 Jahre seit Einführung des ersten Leopard 2 hat der Generalunternehmer für diesen bewährten Kampfpanzer, Krauss-Maffei  Wegmann (KMW), am 29. Oktober 2019 die ersten Exemplare der derzeit modernsten Versionen an Dänemark und Deutschland übergeben.
Der Leopard 2A7V für die Bundeswehr (Foto: KMW)...
Frank Haun, Vorsitzender der Geschäftsführung von KMW, überreichte dem Botschafter des   Königreichs Dänemark, Friis Arne Petersen, und dem Parlamentarischen Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung, Dr. Peter Tauber, die symbolischen Schlüssel der beiden ersten Fahrzeugsysteme.
...und für Dänemark (Foto: KMW)
Beide Nationen erhalten vergleichbare Varianten des Leopard 2A7-Kampfpanzers. Die Dänische Armee wird bis  2022 insgesamt 44 Leopard 2A7 erhalten. Der  deutschen Bundeswehr werden 104 Leopard 2A7V bis 2023 zulaufen.



V für "Verbessert"
Als ehemaliger schwerer Panzeraufklärer und "Leo-Mann" (der Leopard 2A4 war in meiner aktiven Zeit 1991-1993 unser Arbeitspferd) gestatte mir der geneigte Leser zum Sachstand Leopard 2 noch einige ausführlichere Informationen.
Die durch die „Friedensdividende“ stark gebeutelte deutsche Panzertruppe soll wieder von 225 auf 328 Kampfpanzer aufwachsen (2125 Leopard 2 besaß sie einst). Derzeit befinden sich die Leopard 2-Varianten A5 (1995, neues Panzerungskonzept, elektrische statt hydraulischer Waffennachführanlage), A6 (ab 2001; längere Rheinmetall-Glattrohrkanone L55 statt der zuvor genutzten L44), A6M (ab 2004, verbesserter Minenschutz) und A7 im Bestand. Die jetzt nochmals verbesserte Version heißt zunächst A7V (V = „Verbessert“). Befinden sich alle Kampfpanzer auf diesem Niveau, soll das „V“ wieder entfallen. Eine kleine Reminiszenz am Rande: „A7V“ lautete auch die Tarnbezeichnung des ersten deutschen Panzers. Sie leitete sich von der für die Entwicklung zuständigen „Abteilung 7 Verkehrswesen (A7V)“ des Allgemeinen Kriegsdepartements im preußischen Kriegsministerium ab. Die Entwicklung startete im November 1916, der erste Fronteinsatz erfolgte am 21. März 1918. Ob die Namensgleichheit gewollt ist, erscheint angesichts des Traditionsverständnisses der derzeitigen Bundeswehrführung eher fraglich. Sie ist dafür um so schöner.
Leopard 2A6 der Bundeswehr bei einer Gefechtsübung (Foto: Bundeswehr/Mandt)
Insgesamt will die Bundeswehr 68 von 100 im April 2015 von der Industrie zurückgekauften Leopard 2A4, 16 Leopard 2A6 aus niederländischen Beständen und 20 Leopard 2A7 auf den Konstruktionsstand A7V bringen. Die übrigen 32 Stück der 100 zurückgekauften Leopard 2A4 sollen als Ausgangsbasis für diverse Unterstützungsfahrzeuge dienen. Hierzu zählen die neue Gefechtsfeldbrücke, ein neuer Pionierpanzer und weitere, noch genauer zu definierende Umbauten. Jedenfalls sollen alle Familienfahrzeuge aus Gründen der besseren Logistik auf Leopard 2-Basis kommen.
Leopard 2A7 der Bundeswehr (Foto: Bundeswehr)
Bereits zur Ausstattung des A7 gehört das Führungs- und Waffeneinsatzsystem Kampftruppe „IFIS“ (Integriertes Führungs- und Informationssystem), welches den Leopard 2 A7 in den Führungsverbund einbindet. Zur Aufklärung verfügt er über modernste Sichtmittel, insbesondere erhielt der Kommandant das neue Attica-Wärmebildgerät von Airbus DS Optronics für sein Rundumblick-Periskop Peri R17A3. Eine verbesserte digitale Bordverständigungsanlage sowie eine moderne Brandunterdrückungsanlage bilden weitere Merkmale.
Einen wesentlichen Fähigkeitszuwachs stellt zudem die Möglichkeit zum Verschießen der neuen, im Patronenlager programmierbaren Munitionssorte 120 x 570 mm HE Temp DM11 von Rheinmetall dar. Diese kann entweder mit Aufschlagzünder arbeiten – also beispielsweise Breschen schlagen, oder mit programmierbarer Verzögerung Ziele nach Durchschlagen einer Deckung bekämpfen. Ebenso lässt sie sich mit programmierbarem Luftsprengpunkt („Air Burst“) verwenden. Hier detoniert der Gefechtskopf vor und über dem anvisierten Ziel.
Die programmierbare Panzerpatrone DM11 (Foto: Rheinmetall)
Im Rahmen der Modernisierung zum 2A7V behebt die Industrie – darunter KMW als Generalunternehmer, MTU, Renk, Rheinmetall und weitere Unternehmen – an den älteren Baureihen sofern noch notwendig die Obsoleszenzen am Feuerleitrechner und am Rechnerbediengerät, rüstet den neuen augensicheren Laserentfernungsmesser ein und integriert das neue Wärmebildgerät. Weiterhin erhalten die 68 zu modernisierenden Leopard 2A4 die neue Rheinmetall-Waffenanlage des Typs L55A1. Diese Kampfpanzer verfügen dann waffenseitig bereits über die technischen Voraussetzungen, die nächste Generation panzerbrechender Munition im höheren Druckbereich verschießen zu können.
Leopard 2A7 im Gelände (Foto: KMW)
Alle A7V erhalten eine verbesserte Energie- und Kampfraumkühlanlage (EKKA) mit einem Kühlaggregat, welches bei gleicher Leistung und Abmessungen eine ABC-Schutzbelüftungsanlage aufweist. Zudem erhält der Panzer eine weitere Kühlanlage für den Fahrerraum. Die EKKA stellt weiterhin sicher, dass das Waffensystem ohne laufendes Haupttriebwerk voll einsatzfähig bleibt. Ein neues Fahrernachtsichtgerät mit Wärmebildanteil für Vorwärts- und Rückwärtsfahrt steigert wiederum die Nachtkampffähigkeit nochmals. Der Fahrgestellbug erhält ein zusätzliches Schutzmodul. Ebenso lassen sich im Bedarfsfall schnell Zusatzpanzerungselemente für den Rundumschutz montieren. Generalüberholte und modernisierte Motoren, neue Antriebsstränge und ein neues Seitenvorgelege mit neuem Übersetzungsverhältnis erhöhen die Mobilität. Dabei steht insbesondere die schnelle Beschleunigung im Vordergrund, mit der sich im Gelände „schnelle Sprünge“ ermöglichen lassen.
Zwei vorgezogene Serienfahrzeuge auf Basis des A7 machen den Anfang der Modernisierung. Sie werden nach dem Zulauf Ende 2019 die Nachweisführung und die Einsatzprüfung durchlaufen. Als nächste Welle kommen die A7V auf Basis der A6 im Jahr 2020. Daran schließen sich die kampfwertgesteigerten ehemaligen 2A4 an. Den Abschluss bilden die übrigen 18 ehemaligen 2A7er. Auf diese Weise bleiben sie als derzeit modernste Variante möglichst lange in der Truppe.
Trotz des im Vergleich zum A7 nochmals moderneren Rüststandes schöpft die Bundeswehr nicht das gesamte Potential an Verbesserungen aus. Denn weder der Finanzrahmen noch der vorgesehene Zeitplan sollen gefährdet werden. „Mit dem Maßnahmenpaket wird letztlich der Investitionsstau der letzten 15 Jahre abgebaut und der KPz Leopard 2 auf einen soliden und spürbar leistungsgesteigerten Stand gebracht, ohne allerdings wieder den gleichen Vorsprung zu vergleichbaren Systemen zu erhalten, wie seinerzeit bei Einführung in den 1980er Jahren“, so lautet die nüchterne Analyse der zuständigen Abteilung im Amt für Heeresentwicklung. Klar erscheint aber schon jetzt, dass der Leopard2A7V nur ein weiterer Zwischenschritt zu einer völlig neuen Plattform bleibt – dem Main Ground Combat System (MGCS).

Legendärer Leo
Der deutsche Leopard 2 gehört ohne Zweifel zu den Spitzenreitern moderner Kampfpanzer. Im Oktober 1979 offiziell eingeführt, entstanden bisher einschließlich Lizenzbauten rund 3500 Exemplare, davon 2125 „Leos“ für die Bundeswehr. Der größte Teil davon (1800 Stück) lief in München beim Generalunternehmer Krauss-Maffei (heute Krauss-Maffei Wegmann/KMW und Teil des deutsche-französischen Gemeinschaftsunternehmens KNDS) von den Bändern. Darüber hinaus entstand ein weiterer großer Teil der Flotte an der Küste: Die Krupp Maschinenbau Kiel (MaK; heute Rheinmetall Landsysteme) fertigte 977 Leopard 2 vor allem für die Bundeswehr und die niederländischen Streitkräfte. 345 Exemplare entstanden wiederum in schweizerischer Wertarbeit. So rüstete Oerlikon Contraves (die Panzerbausparte gehört heute zum RUAG-Konzern) die eidgenössische Panzertruppe mit dem „Panzer 87“, einer Lizenzversion des Leopard 2, aus.
Der Verfasser auf dem Leopard 2A4 - Reserveoffizierlehrgang im November 1992 in Munster (Foto: JPW)

Derzeit nutzen neben der Bundeswehr noch die Streitkräfte 17 weiterer Nationen den Leopard 2. Neben Deutschland gehören Chile, Dänemark, Finnland, Griechenland, Indonesien, Kanada, Katar, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Singapur, Spanien und die Türkei dem Kreis der „Leopard 2-Benutzer (LEOBEN) an. Im Dezember 2018 bestellte zudem Ungarn bei KMW 44 neu gefertigte Leopard 2A7+ und wird sich damit als 19. Mitglied in die LEOBEN-Staaten einreihen.

www.kmweg.de

Dienstag, 22. Oktober 2019

Australisches Schützenpanzerprojekt Land 400 Phase 3 - erster Schritt zur Erprobungsphase

Canberra (ww) Das australische Verteidigungsministerium hat den nächsten Schritt im Schützenpanzerprojekt Land 400 Phase 3 getan. Wie das Verteidigungsministerium am 22. Oktober 2019 mitteilte, wurden Hanwha Defense Australia und Rheinmetall Defence Australia  damit beauftragt, in die Erprobungsphase (Risk Mitigation Activity, RMA) für den neuen Schützenpanzer zu gehen.
Mit dem Vorhaben Land 400 Phase 3 wollen die australischen Streitkräfte ihre alten M113-Transportpanzer durch moderne Schützenpanzer ablösen (Foto: MoD Australia)
Die australische Verteidigungsministerin, Senator the Hon Linda Reynolds CSC, betonte die Bedeutung des Projektes: „Dieses Vorhaben ist eine signifikante Investition in die Fähigkeiten des Heeres. Es wird die Sicherheit unserer Soldaten erhöhen, ihre Kampfkraft steigern und unsere Beschaffungen des Boxer Radspähpanzers im Rahmen von Land 400 Phase 2 ergänzen.“
Im Rahmen des LAND 400 Phase 3 RMA-Vertrags wird das Commonwealth of Australia eine umfassende technische und programmbezogene Bewertung der beiden verbliebenen Bieter über einen Zeitraum von 24 Monaten vornehmen. Die Fahrzeuge werden von Angehörigen der australischen Streitkräfte bedient und in australischem Gelände unter extremen Bedingungen getestet. Dabei werden Wirksamkeit, Transportfähigkeit, Mobilität, Truppentauglichkeit bewertet sowie Explosions- und ballistische Tests durchgeführt. Parallel dazu wird das Commonwealth in einer strukturierten Bewertungsphase mit den beiden Bietern zusammenarbeiten, um technische Leistungsfähigkeit, Aufwuchsfähigkeit, Preis-Leistungs-Verhältnis und nationale Wirtschaftlichkeit zu optimieren.
Prototyp des Hanwha AS21 Redback auf der ADEX 2019 (Foto: AAG_th auf Twitter) 

Hanwha hat Mitte Oktober auf der koreanischen Fachmesse ADEX den Prototypen seines Bewerbers, des AS21 Redback vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine stark modernisierte Version des Schützenpanzers K21, welcher sich seit 2009 bei den koreanischen Streitkräften in Nutzung befindet. Der AS21 Redback erreicht bei einem Gewicht von 42 Tonnen eine Geschwindigkeit von 65 km/h und eine Reichweite von 520 km. Zu den drei Mann Stammbesatzung kann er bis zu acht Mann im hinteren Kampfraum transportieren. Dazu verfügt er über den neuen, von der australischen Firma Electro Optic Systems entwickelten T2000-Turm, in den auch Elbit seine Erfahrung mit Führungs- und Informationsystemen einbringt. Als Hauptwaffe sind eine Maschinenkanone (25 mm – 50mm), als Sekundärbewaffnung ein Koaxial-MG (5,56 mm x 45 oder 7,62 mm x 51) vorgesehen. Dazu kommen Starter für Panzerabwehrlenkflugkörper (Javelin oder Spike) sowie eine fernbedienbare Waffenstation.
Rheinmetall bewirbt sich mit einer Version des Schützenpanzers Lynx KF41 an Land 400 Phase 3. Wie das Unternehmen mitteilt, umfasst der jetzt unterzeichnete Vertrag mit dem australischen Verteidigungsministerium unter anderem die Lieferung von drei Lynx KF41-Erprobungsmustern. Der Auftragswert beträgt rund 50 MioAUD (rund 30 MioEUR). Mit dem gesamten Vorhaben Land 400 Phase 3 verbindet sich im Erfolgsfalle ein Auftragsvolumen von 15 Milliarden AUD (9,5 MrdEUR).
Lynx KF41 (Foto: Rheinmetall)
Lynx KF41 ist ein netzwerkfähiger und hochgeschützter Schützenpanzer der nächsten Generation. Das modulare Fahrzeug verfügt in der Schützenpanzerversion über den digitalen Lance-Turm von Rheinmetall mit elektronischer Architektur, welcher auch im Boxer 8x8 CRV verwendet wird. Dies ermöglicht den Besatzungen den Zugriff auf Sensorsysteme, moderne automatische Ortungs- und Zielfunktionen und eine waffenintegrierte Kampfführung in einer netzwerkfähigen Plattform.
Gary Stewart, Geschäftsführer der Rheinmetall Defence Australia, teilte mit, dass die drei jetzt für RMA-Tests in Australien vorgesehen Lynx KF 41-Schützenpanzer bedeutende australische industrielle Anteile enthalten werden: „Entwicklung, Integration und Tests der Lynx KF41-Fahrzeuge werden ab dem nächsten Jahr auch während der Erprobungsphase im neuen Military Vehicle Centre of Excellence (MILVEHCOE) in Australien stattfinden, um die RMA-Tests zu unterstützen", sagte Stewart.
Wichtige Fahrzeugelemente des Lynx KF41 werden ebenfalls in Australien von dort ansässigen Unternehmen entwickelt und hergestellt. Hierzu zählen die Lichtmaschine (Milspec in Albury), das Fahrwerk (Supashock in Adelaide) und Kabel (Cablex in Melbourne).
 „Sollte Rheinmetall den Auftrag zur Serienfertigung im Projekt LAND 400 Phase 3 erhalten, wird die Lynx KF41-Flotte in Rheinmetalls MILVEHCOE in Redbank und südwestlich von Brisbane gefertigt“, sagte Stewart.
Rheinmetall knüpft bereits in Australien ein australisches Industrienetzwerk für Land 400, das industrielle Fähigkeiten aufbaut. Vor Ort entstehen Entwicklungs- und Fertigungskompetenzen in den Bereichen Elektrooptik, Waffensysteme, Feuerleit- und Sensorsysteme, Turmfertigung, Variantenentwicklung und -fertigung, Integration, Schutzsysteme, Simulation, Ausbildung und Flottenbetreuung.


www.hanwha-defense.co.kr
www.rheinmetall-defence.com

Montag, 21. Oktober 2019

Waffensystem RM277 - General Dynamics Bewerber für das NGSW-Vorhaben

St. Petersburg, FL/USA (ww) Auf der AUSA 2019 hat General Dynamics Ordnance and Tactical Systems seinen Ansatz für das Vorhaben Next Generation Squad Weapon der U.S. Army präsentiert. GD OTS schlägt sein Waffensystem RM277 vor und hat sich hierfür mit dem Munitionshersteller True Velocity und dem Schalldämpferspezialisten Delta P Design zusammengetan.
RM277-AR - man beachte die 45-Grad-Notvisierung an der rechten Waffenseite (Foto: GD-OTS)
Das RM277-Waffensystem ist um die True Velocity-Patrone 277 TVCM herum entwickelt. Es fällt zunächst durch sein Bullpup-Design auf, was die Waffen sehr kompakt macht. Das RM277-Sturmgewehr (RM277-Rifle) als auch das RM277-leichte Maschinengewehr (RM277-Automatic Rifle) fallen sehr ähnlich aus und lassen sich identisch bedienen.

Die RM277-Rifle (Foto: GD-OTS)
Es handelt sich um magazingeladene, luftgekühlte kombinierte Gas- und Rückstoßlader mit Rückstoßmittelung. Sie arbeiten nach dem 2012 patentierten und bereits beim General Dynamics Lightweight Medium Machine Gun angewendeten Short Recoil Impulse Averaging-Funktionsprinzip. Dank dieser Rückstoßmittelung mit kurzem Rücklauf sollen sich die Waffen auch bei Dauerfeuer gut im Ziel halten lassen und auch auf große Reichweiten präzises Feuer ermöglichen.

Die RM277 Automatic Rifle verfügt über einen längeren Lauf und ein Zweibein (Foto: GD-OTS)
Ein weiteres interessantes technisches Detail: Einzelfeuer erfolgt im aufschießenden, Dauerfeuer im zuschießenden Modus. Das erinnert an legendäre Spezialwaffen wie das Fallschirmjägergewehr FG42 oder das Stoner 63.
Kernstück des Systems bildet die eingangs erwähnte Laborierung 277 TVCM. Sie trägt ausschreibungskonform das von der U.S. Army geforderte 6.8-Mehrzweckgeschoss.

Die 277 TVCM verfügt über eine Hülse aus Kompositmaterial (Foto: GD-OTS)
Die Hülse besteht weitgehend aus neuartigem und 100prozentig wiederverwertbarem Kompositmaterial. Die Komposithülse soll Patronenlager und Verschlusskopf von der Wärmeübertragung isolieren, was den Verschleiß des Waffensystems verringert. Ein effizienteres Abbrennverhalten des verdichteten Treibladungspulvers soll zu geringeren Standardabweichungen, höheren Geschossgeschwindigkeiten, gleichbleibender Präzision und niedrigeren Mündungssignaturen führen. Weiterhin enthält die Munition keine gesundheitsschädlichen Schwermetalle.
Das Bullpup-Design macht die Waffen äußerst führig (Foto: GD-OTS)
Komposithülse und verdichtetes Treibladungspulver tragen überdies zu einer Gewichtsersparnis von 30 bis 40 Prozent gegenüber klassischer Munition mit Messinghülse bei. Das wirkt sich nicht nur bei der Kampfbeladung des Soldaten aus, sondern erleichtert die logistischen Prozesse überhaupt. Zudem ließe sich die Munition dank "signifikant reduzierter Produktionsflächen" bei Bedarf sogar im Einsatzgebiet herstellen.

Vielen Dank an dieser Stelle an GD-OTS für die zur Verfügung gestellten Informationen und Bilder!

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Besuch am Bodensee - aktueller Stand des Landshut-Projektes

Vor 42 Jahren, in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1977, befreite die GSG 9 die nach Mogadischu entführte Lufthansa-Maschine Landshut. In der „Operation Feuerzauber“ stellte die Bundesrepublik Deutschland unmißverständlich unter Beweis, daß sie sich als Rechtsstaat nicht durch den Terrorismus erpressen lässt.
Besuch am Bodensee: An der Steuerbordseite der Landshut (Foto: JPW)
  Ich hatte hier auf dem Blog mehrfach über Feuerzauber 1977 berichtet, ebenso über die aus meiner Sicht richtige Entscheidung, die zwischenzeitlich nach Brasilien verkaufte  legendäre Maschine zurück nach Deutschland zu holen. Hierfür hatte sich seinerzeit der damalige SPD-Vorsitzende und Außenminister Sigmar Gabriel eingesetzt. Am 23. September 2019 landete die Landshut im Lufttransport letztlich in Friedrichshafen. In einem separaten Museumsbau soll sie demnächst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.


Spuren von Feuerzauber 1977: Der Künstliche Horizont und das Trimmrad für das Seitenruder aus der Landshut (Foto: JPW)

Vor einigen Wochen ermöglichte mir das Dornier-Museum Friedrichshafen dankenswerterweise einen Blick „hinter die Kulissen“ auf die Landshut. Ich gebe zu, ich hatte einen Klos im Hals, als ich die Maschine, über die ich so viel gelesen und später berichtet hatte, dort im Original stehen sah.
Blick ins Cockpit der Landshut (Foto: JPW)

Die kuratorische Projektleiterin, Dr. Barbara Wagner, stand ebenfalls für ein langes und anregendes Gespräch zur Verfügung. Seit Landung der Landshut erfolgten umfangreiche konzeptionelle Arbeiten, wie die künftige Ausstellung zu gestalten sei. Das Landshut-Team des Dornier-Museums sprach  mit anderen Museen, Organisationen, Dienststellen und recherchierte umfangreich. Derzeit wird das Ausstellungskonzept erstellt, bevor dann die weiteren Arbeiten beginnen.
Dr. Barbara Wagner und dem Landshut-Team kommt es besonders darauf an, mit dem Projekt nicht nur die eigentliche Entführung und Befreiung zu behandeln. Vielmehr soll vor allem der Opfer des Terrorismus gedacht werden. Weiterhin soll auch die Geschichte der Landshut selbst Berücksichtigung finden, da ihr Flugzeugleben nach Feuerzauber ja noch eine ganze Weile weiterging.
Die Tragflächen sind separat gelagert (Foto: JPW)
Durchaus stand nach meiner Meinung die Landshut lange Zeit symbolisch für die verblassende Erinnerung an diese Epoche deutscher Geschichte, die sich bisweilen sogar in einer verharmlosenden Verklärung der damaligen Täter, jedenfalls aber einem Vergessen der Opfer äußert. Deshalb ist es richtig und wichtig, daß es mit dem Projekt weiter vorangeht.
Ich wünsche dem Landshut-Team des Dornier-Museums viel Erfolg dabei.
Gerne weise ich auch nochmals auf die Möglichkeit der Spende hin:

Dornier Stiftung für Luft- und Raumfahrt
Stichwort: LANDSHUT
Commerzbank Konstanz
IBAN DE87 6904 0045 0276 6780 00
BIC COBADEFFXXX

www.die-landshut.de

Sonntag, 13. Oktober 2019

System Sturmgewehr Bundeswehr - Beschaffungsentscheidung 2020 erwartet

Berlin/Koblenz (ww/wg) Die Beschaffungsentscheidung zum neuen System Sturmgewehr Bundeswehr wird nach derzeitigem Zeitplan im 2. Quartal 2020 erwartet. Am 21. April 2017 begann die europaweite Ausschreibung der G36-Nachfolge. Etwa 120.000 Sturmgewehre und entsprechendes Zubehör will die Bundeswehr beschaffen. Nach ursprünglicher Planung sollten die Verträge im ersten Halbjahr 2019 geschlossen werden. Der Auftragswert wurde zunächst auf 245 Millionen Euro geschätzt.
Soviel ist ziemlich sicher: Das G11 kommt derzeit als neues System Sturmgewehr Bundeswehr nicht in Frage (Foto: JPW)

Über potentielle Bewerber hüllen sich sowohl Bundeswehr als auch Industrie aus nachvollziehbaren vergaberechtlichen Gründen in Schweigen. Bekannt ist, daß SIG Sauer (SIG MCX) und Rheinmetall/Steyr (RS556) aus unterschiedlichen Gründen nicht an dem Auswahlverfahren teilnahmen. Nach Medienberichten sind (in alphabetischer Reihenfolge)jedenfalls C.G. Haenel und Heckler&Koch mit an Bord. Es gilt als wahrscheinlich,  daß Haenel mit dem MK556 und Heckler&Koch mit dem HK416 und dem HK433 ins Rennen gehen.
Im Oktober 2018 wurde bekannt, daß alle eingereichten Waffen die geforderten Kriterien nicht erfüllten. Den Herstellern wurde eine Frist bis zum Februar 2019 für Nacharbeiten eingeräumt.
Die Erprobungen der nachgebesserten Waffen sollten nach modifizierter Planung im Herbst 2019 abgeschlossen werden. Über die Ergebnisse herrscht - aus bereits genannten Gründen nachvollziehbar - derzeit Stillschweigen. Das BAAINBw teilte ES&T allerdings auf Nachfrage mit, daß "nach aktuellem Zeitplan mit einer abschließenden Beschaffungsentscheidung nach der Zustimmung des deutschen Bundestages im 2. Quartal 2020 gerechnet werden kann." Daraus lässt sich zumindestes schließen, daß mindestens eine Bewerberwaffe die geforderten Kriterien erfüllt haben könnte.

Montag, 7. Oktober 2019

Hilti-Style - innovative Schießtechniken dank seitlicher Sturmgriffmontage

Hammelburg (ww) Beim Betrachten des Bundeswehr-Videos über den Vergleich MG5 gegen MG3 fiel mir ungefähr bei der Minute 4:04 eine nach meiner Kenntnis bis dato bei der Bundeswehr noch nicht veröffentlichte Schießtechnik auf. Kern bildet die Montage des Sturmgriffs an der Waffenseite der Nicht-Schusshand. Für diese Schießtechnik gibt es tatsächlich seit dem 11. April 2008 eine griffige (aber bisher weitgehend unbekannte) Bezeichnung, nämlich „Hilti-Style“.
Die Hilti-Style-Schießtechnik mit dem MG5 - Screenshot aus dem Bundeswehr-Video MG5 vs MG3




Aus Spaß wird Ernst
Der Hilti-Style steht für eine innovative Konfiguration moderner Handwaffen und Anbauteile sowie daraus abgeleiteter Schießtechniken. Die Idee des Hilti-Styles entstand – wie so oft – eher zufällig. Einige Bundeswehr-Reservistenkameraden (Namen sind dem Verfasser bekannt, zudem gehörte er selbst zu dieser Runde) diskutierten an jenem 11. April 2008 - zeitnah vor einem DVAg-Schießen - über Sinn und Unsinn von Vordergriffen bei Sturmgewehren. (Ich gebe zu, ich war nie ein Befürworter dieser Bauteile). Dabei wurde gelegentlich die große Ähnlichkeit dieser Anbauteile mit Bohrhammergriffen betont, woraus wiederum die Idee entstand, den Sturmgriff nicht unter den Handschutz, sondern seitlich daran zu montieren. Schnell entstand auch ein Name für diese Konfiguration: „Hilti-Style“- Montage – in Anlehnung an eine berühmte Schlagbohrmaschinenfirma.
Nach anfänglicher Heiterkeit konnte das Team allerdings zahlreiche sinnvolle Aspekte der Hilti-Style-Konfiguration identifizieren und Schießtechniken daraus ableiten. Diese sollen hier zur Diskussion gestellt werden.


Ergonomischer Anschlag
Seit Jahrzehnten werden bei schweren Bohrhämmern die Vordergriffe seitlich montiert. Dies gewährleistet hohe Ergonomie auch bei längeren Arbeiten. Die Hilti-Style-Konfiguration ermöglicht einen stabilen Anschlag in vielen taktischen Situationen. Nachteil: Sie erfordert eine gewisse Umgewöhnung.


Problemloses Auflegen des Vorderschaftes
Mein wesentlicher Kritikpunkt an Sturmgriffen ist mit der Hilti-Style-Konfiguration eliminiert: Sitzt der Sturmgriff nicht unter dem, sondern an der Seite des Handschutzes, lässt  sich die Waffe relativ problemlos und stabil auflegen. Lagebedingtes schnelles präzises Einzelfeuer aus einer Deckung heraus ist damit einfacher möglich.


Schnelle Transition von Lang- auf Kurzwaffe
Da die schussschwache Hand den Vordergriff umfasst, lässt sich damit auch die Langwaffe besser und schneller aus dem Weg bringen. Das wiederum erleichtert und beschleunigt die Transition auf die Kurzwaffe.

Vorteil für AK- und SIG-Systeme
Für Rechtshänder ergibt sich aus der Hilti-Style-Konfiguration ein weiterer Vorteil in bezug auf AK- und SIG-Systeme. Diese haben den Durchladehebel auf der rechten Waffenseite angebracht. Da beim Hilti-Style der linke Arm am Vordergriff bleibt, können die Fertigladetechniken mit der rechten Hand durchgeführt werden, wobei die Waffe im Ziel bleibt. Auch beim G36 lässt sich diese Technik anwenden, da dessen Durchladehebel beidseitig bedienbar ist. Ich gebe aber zu, daß ich Anhänger der Dogmatik bleibe, die schussstarke Hand während der Waffenmanipulationen am Griffstück zu behalten.


Fazit
Der „Hilti-Style“ mag auf den ersten Blick erheiternd erscheinen. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich allerdings zahlreiche Vorteile. Die wesentliche Herausforderung ist ein intensives Training. Inwieweit sie sich in der Praxis bewähren wird, müssen weitere Tests zeigen. Eines steht jetzt schon fest: Setzt sich der „Hilti-Style“ durch, könnte dies die taktische Schießausbildung ergänzen.


Jan-Phillipp Weisswange

Samstag, 5. Oktober 2019

HK369 - modulares Mehrfachschussgerät im Kaliber 40mm x 46

Oberndorf (ww) Heckler&Koch arbeitet an einem Mehrfach-Granatwerfer HK369 im Kaliber 40mm x 46 Low Velocity (LV, 75 m/s) für polizeiliche und militärische Anwendungen.
HK369, linke Waffenseite (Grafik: HK)

Bei der Entwicklung der mehrschüssigen Waffe liegt der Schwerpunkt der Entwicklung auf Modularität und Ergonomie. Die ersten Bilder der Konzeptstudie zeigen eine beidseitig bedienbare Waffe mit Trommelmagazin, integrierter STANAG4694-Schiene auf der Gehäuseoberseite, einschiebbarer Schulterstütze und Abzug mit Sicherungsklinke.
HK369, rechte Waffenseite (Grafik: HK)

Die Bezeichnung HK369 ergibt sich aus dem neuen HK-Nummernschlüssel: Erste Ziffer die Gerätegeneration, zweite Ziffer die Kennzahl für Granatwerfer und die dritte Ziffer für das Kaliber 40mm. Nach Auskunft Heckler&Kochs soll die Waffe 2022 serienverfügbar sein.
www.heckler-koch.de

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Lynx KF41 - Raubkatze aus Rock City bewirbt sich für US-Rüstungsprojekt OMFV

Düsseldorf, Detroit, Michigan/USA (ww) Eine Raubkatze aus Rock City rockt das Optionally Manned Fighting Vehicle (OMFV)-Projekt der U.S. Army: Rheinmetall und Raytheon gründeten in der „Rock City“ Detroit das Gemeinschaftsunternehmen Raytheon Rheinmetall Land Systems LLC. Dieses reichte am 1. Oktober 2019 seine Bewerbung mit dem Lynx ("Luchs")  KF41 um die Nachfolge des Schützenpanzers Bradley M2 ein.
Lynx KF41 im Gelände (Foto: Rheinmetall)
Das OMFV soll ab 2026 in Serie gehen, bis zu 4.000 Fahrzeuge stehen in Rede. Das neue Gefechtsfahrzeug wird entsprechend den Anforderungen der US-Army für den Kampf im urbanen Umfeld ebenso wie auch in schwerem Gelände optimiert. Die US-Streitkräfte messen dem Projekt OMFV höchste Modernisierungspriorität bei.
Raytheon und Rheinmetall hatten sich 2018 zusammengeschlossen, um Lynx für den OMFV-Wettbewerb der U.S. Army anzubieten sowie eine Reihe weiterer gemeinsamer Projekte voranzutreiben. Lynx ist ein modulares gepanzertes Kampffahrzeugsystem der nächsten Generation, das von Rheinmetall entwickelt wurde, um den kritischen Herausforderungen künftiger militärischer Szenarien überlegen entgegenzutreten. Das Kettenfahrzeug verfügt über hohes Aufwuchspotential zur Unterstützung neuer Technologien über seine gesamte Lebensdauer und zeichnet sich gleichzeitig durch niedrigere Lebenszykluskosten aus.
Die Raytheon-Technologie, die für den Lynx vorgesehen ist, umfasst vor allem fortschrittliche Waffensysteme des Unternehmens, wie den Lenkflugkörper TOW, ein aktives Schutzsystem, Sichtsysteme der dritten Generation, das unbemannte Flugsystem Coyote sowie auch Systeme zur Abwehr von Cyber-Bedrohungen.
Das OMFV soll im Falle eines Auftragserfolgs in den USA gebaut werden. So gewann Raytheon Rheinmetall Land Systems den Hersteller Textron Systems für das Team Lynx. Textron Systems soll dann die Fahrgestelle produzieren und die Fahrzeugintegration vornehmen.
Rheinmetall bewirbt sich mit dem Lynx KF41 auch in Kampffahrzeugprojekten weiterer Staaten, darunter in Australien (Land 400 Phase 3) und in Tschechien.
www.rheinmetall.com
www.raytheon.com
https://lynxifv.com/

Montag, 30. September 2019

Bewegung bei der Bundeswehr-Bekleidung - Konzepte für AOA und MOBAST

Köln (ww) Es tut sich was bei der Bundeswehr-Bekleidung! Mitte September veranstalteten der Förderkreis Heer und das Amt für Heeresentwicklung das Symposium Überlegenheit – Anspruch für künftige Landstreitkräfte.  Am Rande der gelungenen Veranstaltung zeigte die zuständige Abteilung zwei Hingucker, die nicht nur das Herz der aktiven Kameraden und Reservisten, sondern auch der Geardos höher schlagen lassen.
Zum einen war die neue Panzerkombination, Tropen zu sehen. Der einteilige Overall verfügt über ein neues Taschenkonzept.


An den Oberarmen, auf der Brust, an der Seite sowie auf ober- und Unterschenkeln finden sich Verstaumöglichkeiten für die persönliche Ausrüstung. Weiterhin sind die Knie verstärkt worden und ein Koppel oder Rigger-Belt lässt sich einschlaufen.
Eine zweite Figurine zeigte das Konzept der „Auftragsorientierten Ausstattung (AOA)“. Sie besteht aus dem Kampfbekleidungssatz Streitkräfte, der je nach Ausschreibung  in den derzeitigen Tarndrucken der Bundeswehr verfügbar gemacht werden soll.
Dabei kommen vor allem Fünf-Farb-Tarndruck, Drei-Farb-Tarndruck (auf den Bildern zu sehen) oder Multi-Tarndruck in Frage, während Winter-Tarndruck und Wüsten-Tarndruck wohl eher die Ausnahme bilden dürften. Weiterhin gehört zur AOA die Modulare Ballistische Schutz- und Trageausstattung (MOBAST). Sie gliedert sich nach dem vorgestellten Konzept in modular bestückbaren Plattenträger, Gefechtsgurt und Taschensatz.


Zum „Ballistischen Schutz Kopf“ gehören ein neuer Gefechtshelm mit komfortabler Innenaustattung (eine Kombination aus Pads und Netz), der sich zudem in Verbindung mit einem aktiven Gehörschutz tragen lässt und der über Schnittstellen Nachtsichtbrillen und anderes Gerät aufnehmen kann.  
Fazit: Die Vorarbeit ist geleistet und sieht vielversprechend aus! Jetzt bleibt zu hoffen, daß die Beschaffungsverfahren in Schwung kommen.

Donnerstag, 26. September 2019

Starker Streifen - Rambo 5 Last Blood mit Pohl-Force

Burscheid/Leverkusen/Hollywood (ww) Einen besonderen Kino-Event durfte ich neulich miterleben. Der Messerdesigner Dietmar Pohl von Pohl-Force lud ins Kinopolis Leverkusen zu „Rambo 5 – Last Blood“.



Für Dietmar Pohl schloss sich mit diesem Streifen ein Lebenskreis. Denn er designte die im Film von Sylvester Stallone als John Rambo verwendeten Messer. Die Original-Prachtstücke  waren denn auch bei dem Event zu sehen. Grund genug also für Dietmar, um mit Familie, Freunden und Fans zu feiern.


Dietmar Pohl mit Sly Stallone - Gäste des Pohl-Force-Events erhielten eine Autogrammkarte sowie den limitierten Patch (Foto: JPW)
Es gibt nur verhältnismäßig wenige Menschen, die ihre Passion zum Beruf machen können.  1983 gelang es dem damals 16 Jahre alten Messerenthusiasten, eines der im Streifen „Rambo 1 - First Blood“(1982) genutzten, von Jimmy Lile entworfenen Original-Schneidwerkzeuge für seine Sammlung zu ersteigern. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften ging Pohl anschließend in die Solinger Messerindustrie und designte über 60 Schneidwerkzeuge. Regelmäßig pflegte er den Austausch mit Legenden, wie etwa  Conrad Ben Baker, der die Messer  für die Spezialkräfte der MACV-SOG  entwickelte, oder Rex Applegate, dem Nahkampfexperten  vom Office for Strategic Studies (OSS). Ebenso veröffentlichte er drei Fachbücher und etliche Artikel zum Thema Messer, bevor er sich schließlich mit „Pohl-Force“ selbstständig machte. Daß zwei seiner Messer nun als „Nebendarsteller“ bei Rambo 5 auftraten, gehört zweifellos zu den Höhepunkten in Dietmar Pohls bisherigem Schaffen.
Dietmar Pohl zeigte einige der Messer, die am Last-Blood-Set verwendet wurden. (Foto: JPW)
Starker Streifen (ACHTUNG SPOILER!!!)
Als ich die pseudointellektuellen Verrisse in den Medien las ahnte ich bereits, daß ich gut unterhalten werden würde. Doch Rambo 5 ist mehr als die cineastische Gewaltorgie, zu der ihn viele Kolleginnen und Kollegen herabwürdigen. Tatsächlich ist der neue (und angeblich letzte) Film um die von David Morrell 1972 in dem Roman „First Blood“ geschaffene Figur des traumatisierten Vietnam- Veteranen John Rambo neben dem ersten Teil ein durchaus ernsthafter Streifen. Augenzwinkernde Szenen wie das legendäre „blaue Licht“ (Rambo III) fehlen ebenso wie das massenweise Niedermähen ganzer gegnerischer Großverbände im vierten und aus meiner Sicht schwächsten Teil der Saga.
Das Pohl-Force Movie-Knife MK8 - rechts als Trickmesser (Foto: JPW)
Der Film steckt voller Anspielungen auf zeitgeistige Konflikte zwischen „alten weißen Männern“ und der jungen Generation. Doch diese Kritik wirkt niemals aufdringlich und schon gar nicht besserwisserisch oder herablassend. So taucht in der Anfangsszene John Rambo in Gestalt eines  bereits nichtrauchenden Marlboro-Mans auf. Er hat sich als bewährter Fährtenleser den Rettungstrupps angeschlossen, die nach drei vermissten Wanderern suchen. Eine junge Frau kann Rambo vor Naturgewalten retten. Demgegenüber ignoriert ein naiver Nerd Rambos Rat und bleibt folglich auf der Strecke – worunter der Veteran erkennbar leidet. Und als die Ziehtochter des Vietnam-Kämpfers – sie ist entgegen der Bitte ihres Ziehvaters und ihrer Großmutter nach Mexico gereist, um ihren leiblichen Vater zu besuchen und danach in die Fänge eines brutalen Drogen- und Menschenhändlerclans geraten – in seinen Armen sterbend ihren Fehler bedauert, entgegnet dieser nur „Du hast alles richtig gemacht.“


Das Movie-Knife MK-9 "Heartstopper" als ungeschärftes Metallmesser (vorne), Trickmesser und Gummimesser (hinten). (Foto: JPW)
Das mit Waffen gespickte Höhlensystem, welches Rambo unter seiner elterlichen Farm angelegt hat, ist mehr als nur ein effekthascherischer Altweißmänner-Preppertraum. Vielmehr ist es als Reminiszenz an den Vietnam-Krieg, aber durch seine zahlreichen Gänge und Windungen gepaart mit heimeliger Einrichtung noch mehr als Symbolbild für den psychischen Zustand des Veteranen zu verstehen. Daß Rambo darin In einem furiosen Fallenjagd-Finale nicht nur etliche Gegner  eliminiert, sondern das ganze Tunnelsystem am Ende eigenhändig explodieren lässt, symbolisiert seine Befreiung aus dem selbstgewählten Exil unter der Erde. Und am Ende zeigt er dem Erzfeind, wo das Herz am rechten Fleck sitzt – wenn zugegebenermaßen auch auf wenig reformpädagogische Weise. Fazit. Grandioses Lichtspieltheater!



Für Jäger und Sammler (KEIN SPOILER MEHR):
In den nächsten Monaten wird Pohl-Force die Rambo V-Messermodelle MK-8 und MK-9 in streng limitierten Auflagen auf den Markt bringen. Insgesamt wird es nur 800 Exemplare geben. Vorbestellungen sind nicht möglich. Mehr Informationen unter www.movieknife.com


www.pohlforce.de
www.rambo.movie

Neue Laborierungen aus Lüttich - FN Herstal stellt neue Munitionssorten vor

Lüttich (ww) FN Herstal hat vier neue Munitionssorten auf den Markt gebracht.  Die neuen Laborierungen zeigte das belgische Unternehmen erstmals auf der DSEI 2019.
Die PERMAX und die PROPASS passen sich in die bisherige Palette ein (Foto: FN Herstal)
Zwei neue Munitionssorten kommen im Kaliber 5,56 mm x 45. Die FN PERMAX 556 EPR ist eine „Enhanced Performance Round“, eine Patrone mit verbesserter Leistung. Die Geschosskonstruktion besteht aus einem gehärteten Stahlpenetrator und einem Messingmantel. So soll das Projektil gerade im Hinblick auf das urbane Gefechtsfeld eine bessere Durchschlagsleistung durch Windschutzscheiben, Karosserien, Verglasung oder Mauerwerk bieten und dann höhere Wirkung ins Ziel bringen und den Gegner so kampfunfähig machen. Ebenso erfüllt die neue Munition die künftigen Anforderungen im Hinblick auf „Green Ammunition“, also schadstoffarme Munition.
Die neue FN PROPASS 556 AP ist eine panzerbrechende Patrone (Armor Piercing) mit Wolframcarbid-Kern. Sie durchschlägt gepanzerte Ziele oder auch Schutzaufbauten des NIJ- Levels IV. Beide neuen Patronen sind mit den NATO-Standards kompatibel und lassen sich aus für das Kaliber 5,56 x 45 mm eingerichtete Waffen verschießen. Zudem wurden sie für die Nutzung aus FN Herstals FN SCAR-L und FN SCAR-SC-Familie sowie dem FN MINIMI 556 qualifiziert . FN Herstal knüpft mit seinen neuen Munitionssorten  an seine Expertise als Konstrukteur der Laborierung SS109 an, welche 1980 durch die NATO als zweites Standardkaliber standardisiert wurde.
Während sich Streitkräfte bei der 5,56 x 45 mm mehr Leistung wünschen, sind sie im Bereich schwererer Handwaffenkaliber wie .50 BMG (12,7 x 99 mm) eher auf der Suche nach schwächeren Patronensorten. So sollen sich die .50-Waffen für die Ausbildung auch auf kleineren Übungsplätzen und Schießanlagen einsetzen lassen, ohne hohe Sicherheitsbereiche einhalten zu müssen oder allzuviel Abnutzung zu erzeugen.  Hierfür bietet FN Herstal ab sofort die FN ARIA .50 RR mit verringerter Reichweite (Reduced Range) sowie die ARIA-T .50 RR-T mit verringerter Reichweite und Leuchtspur (Tracer) an.  
Die neuen ARIA-Patronen (Foto: FN Herstal)


Die Höchstschussweite beträgt 3.500 Meter. Beide Munitionssorten lassen sich auch auf Standortschießanlagen einsetzen, die nur bis zum Kaliber 7,62 x 51 mm ausgelegt sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Patronen aus .50er-Waffen einsetzen lassen, ohne diese vorher neu auf die RR-Laborierungen einschießen zu müssen. Für Maschinengewehre gibt es gegurtete Munition, bei der auf vier RR eine RR-T folgt. Sowohl die FN ARIA .50 RR als auch die FN ARIA-T .50 RR-T sind mit allen .50BMG-Waffen kompatibel und für die FN Herstal-eigenen schweren Maschinengewehre FN M2 HB-QCB und FN M3M qualifiziert.
www.fnherstal.com

Mittwoch, 18. September 2019

Downselection Down Under : Hanwha Redback und Rheinmetall Lynx KF41 nehmen nächstes Zwischenziel bei Land 400 Phase 3

Melbourne (ww) Das australische Schützenpanzerprogramm Land 400 Phase 3 geht in die nächste Runde. Im März hatte die Angebotsfrist geendet, jetzt hat die australische Regierung zwei von vier Bewerbern in die engere Auswahl genommen: Der Hanwha Redback und der Rheinmetall Lynx KF41 treten in der Erprobungsphase (Risk Mitigation Activity, RMA) an.
Konzept des Hanwha Redback (Grafik: Hanwha)
Rheinmetall Lynx KF41 im Gelände (Foto: Rheinmetall)
Beide Bewerber verfügen als Schützenpanzer der nächsten Generation  über ähnliche grundsätzliche Leistungsparameter: Bemannter Turm, drei Mann Besatzung und bis zu acht Mann Absitzstärke, Reichweite rund 500 km, Hauptbewaffnung 30mm-Maschinenkanone, moderne Schutzkomponenten und Netzwerkfähigkeit. Australische Medien melden, dass beiden Bewerbern eine verlängerte Frist von zwölf statt sechs Monaten gegeben wird, um die Testfahrzeuge in der „Vehicle Mobilisation Period“ der RMA entsprechend der Vorgaben zu konfigurieren.
Im Rahmen des Projekts Land 400 Phase 3 sucht die australische Armee ein entsprechend leistungsfähiges und hochgeschütztes Infanteriekampffahrzeug, um gegnerische Kräfte auch bei höchsten Bedrohungslagen bezwingen zu können. Der neue Schützenpanzer soll die bisher genutzte M113-Familie ablösen, eine Absitzstärke von sechs Mann bieten und – eine Kernforderung – im Hinblick auf die strategische und taktische Beweglichkeit mit dem Kampfpanzer M1 mithalten können.
Neben den 232 Schützenpanzern sind 17 Manoeuvre Support Vehicle gefordert. Dabei handelt es sich um einen durchsetzungsfähigen Begleitpionierpanzer, welcher einerseits feindliche Hindernisse beseitigen und andererseits beim Bau eigener Feldbefestigungen unterstützen soll. Dazu kommen sieben weitere Varianten: Führungsfahrzeug (21), Vorgeschobener Beobachter/Joint Fire Support (19), Pioniererkunder (9), Sanitätsfahrzeug (24), Instandsetzungsfahrzeug (25), Bergepanzer (22), Pionierpanzer (31). Vier weitere mögliche Varianten sind Mörserträger (15), Mörsermunitionstransporter (25) Logistikfahrzeug (27) und ein amphibisches Gefechtsfahrzeug (50). Mit dem Vorhaben verbindet sich ein Gesamtauftragsvolumen von rund 15 Milliarden Australischen Dollar (ca. 9,5 MrdEUR).
Rheinmetall teilte in einer Pressemitteilung mit, dass das Unternehmen für die bevorstehende Programmphase drei Lynx Schützenpanzer (Infantry Fighting Vehicle, IFV) liefern wird, die an den RMA-Erprobungen in Australien teilnehmen werden. Im Erfolgsfall wird die Lynx IFV-Flotte in Rheinmetalls neuem Military Vehicle Centre of Excellence (MILVEHCOE) bei Brisbane im Bundesstaat Queensland gefertigt. Hierzu knüpft Rheinmetall bereits ein australisches Industrienetzwerk. Zudem will man auf die Erfahrungen mit der Modularität des Boxer Combat Reconnaissance Vehicle (Land 400 Phase 2) zurückgreifen, um im Erfolgsfalle eine „voll integrierte gepanzerte Fahrzeugflotte für die Australian Defence Force“ bereitstellen zu können.
www.hanwha-defense.co.kr
www.rheinmetall-com

Dienstag, 17. September 2019

Bundespolizei-Fliegergruppe: Torsten Hallmann folgt Thomas Helbig

Sankt Augustin-Hangelar (ww) Die Bundespolizei-Fliegergruppe steht unter neuer Leitung. In Vertretung des Präsidenten des Bundespolizeipräsidiums, Dr. Dieter Romann, übergab Vizepräsidentin Ulrike Meuser die Leitung der „Pirole“ von Vizepräsident Thomas Helbig an den Leitenden Polizeidirektor Torsten Hallmann.
Rund 230 Gäste aus dem In- und Ausland, aus Politik, Polizei, Verwaltung und Wirtschaft waren dazu nach Sankt Augustin-Hangelar gekommen, um ihre Verbundenheit zum Bundespolizei-Flugdienst zum Ausdruck zu bringen.
Leitender Polizeidirektor Thorsten Hallmann (l.) überreicht das Abschiedsgeschenk an Vizepräsident Thomas Helbig (r.) (Foto: JPW)
Hallmann wird der siebte Leiter der Bundespolizei-Fliegergruppe. Er trat 1987 in den damaligen Bundesgrenzschutz ein und begann seine Fliegerkarriere kurz nach der erfolgreichen Laufbahnprüfung für den gehobenen Dienst. Er bewährte sich in verschiedensten Funktionen, davon bereits in den letzten 30 Monaten als kommissarischer Leiter der Bundespolizei-Fliegergruppe.
Thomas Helbig wird der Bundespolizei freilich erhalten bleiben. Er ist seit Oktober 2017 Vizepräsident der von Präsident Olaf Lindner geführten Bundespolizeidirektion 11, in der alle Spezialkräfte der Bundespolizei - und damit auch der Bundespolizei-Flugdienst - zusammengefasst sind. Lindner betonte in seinem Grußwort, daß es zwischen Helbig und ihm in vielen Jahren der guten Zusammenarbeit nur zu einem Disput gekommen sei, der freilich bis heute anhalte: Nämlich die Frage, ob die schönste Verwendung in der Bundespolizei die des Kommandeurs GSG9 oder die des Leiters der Fliegergruppe sei. Auch den neuen Leiter  würdigte Lindner als erfahrene Flieger-Führungspersönlichkeit. „Mit Torsten Hallmann kann man Pferde stehlen.“
In seiner Dankesrede sprach Thomas Helbig einige ihm wichtige Aspekte an: So ersetze moderne Technik wie die Digitalisierung keineswegs das menschliche fliegerische Können, auf das es im Bundespolizei-Flugdienst besonders ankäme, um auch schwierige Lagen zu meistern. Zweitens solle die Flotte in absehbarer Zeit erneuert werden, ein Transporthubschrauberkonzept der Bundespolizei sei auf den Weg gebracht. Weiterhin gab er zu bedenken, daß die derzeitigen Tarifregelungen nicht mehr zeitgemäß seien, um gutes Personal zu gewinnen und zu halten.


Die derzeitigen Hubschraubermuster des Bundespolizei-Flugdienstes (Foto: JPW)

Die Bundespolizei-Fliegergruppe gehört mit derzeit 93 Hubschraubern zu den weltweit größten Polizei-Flugdienstorganisationen ihrer Art und ist in Deutschland nach der Lufthansa der zweitgrößte Betreiber ziviler Luftfahrzeuge. Erst kürzlich konnte sie den 1.000sten gebauten Super-Puma in ihre Flotte aufnehmen. Er gehört zur vier Maschinen, die demnächst für das Havariekommando bereitstehen. Hierfür entstanden im Bundespolizei-Flugdienst weitere Planstellen. Ein ähnliches Modell wird für die Fähigkeit Waldbrandbekämpfung erwogen.
Die 1.000ste Super Puma im Hangar in Hangelar
Die Bundespolizei-Fliegergruppe mit Sitz in Sankt Augustin bei Bonn ist als Dienststelle seit dem 1. August 2017 unmittelbar der Bundespolizeidirektion 11 in Berlin unterstellt. Ihr nachgeordnet sind die vier Bundespolizei-Fliegerstaffeln in Oberschleißheim bei München, Fuldatal bei Kassel, Blumberg bei Berlin und Fuhlendorf bei Hamburg, der Luftfahrtbetrieb, der Instandhaltungsbetrieb und die Luftfahrerschule für den Polizeidienst. Die Dienststelle verfügt derzeit über ca. 890 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit den vier Bundespolizei-Fliegerstaffeln und der Fliegenden Staffel des Luftfahrtbetriebes - den operativen Dienststellen des Bundespolizei-Flugdienstes - und an weiteren sieben Stützpunkten permanent vorgehaltenen Polizeihubschraubern werden die gesetzlichen bundespolizeilichen Alltagsaufgaben bewältigt. Dies beinhaltet die Überwachung der Grenzen und der Anlagen der Deutschen Bahn, ergänzt um eine ebenfalls »Rund-um-die-Uhr«-Bereitschaft von Transporthubschraubern für kurzfristige polizeiliche Lagen, für die Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei und für Einsätze im Rahmen der technischen Not- und Katastrophenhilfe.
Der S&T-Blog gratuliert zum Kommandeurswechsel und wünscht Vorgänger und neuem amtierendem Leiter – beide Flieger mit Leib und Seele - viel Freude und Fortune in den neuen Verwendungen und „Hals- und Beinbruch“ sowie many happy landings!


www.bundespolizei.de

Sonntag, 15. September 2019

Starker Auftritt im Schwarzwald - H145M und Diederich Polaris Ground Support Vehicle beim 7. KSK Symposium Rüstung

Schwarzwald (ww) Starker Auftritt im Schwarzwald: Auf dem 7. KSK-Symposium Rüstung  demonstrierten Airbus Helicopters und die Rainer Diederich GmbH das Zusammenspiel ihrer Systeme H145M und H145M Ground Support Vehicle auf MRZR.
Eine Packkiste für Rotorblätter wird aufgegabelt (Foto: JPW)
Airbus flog dazu eines der derzeit vorhandenen zwei H145M-Erprobungsmuster ein. Dabei handelt es sich um eine neue Version mit Fünfblatt-Hauptrotor. Dieser bietet zwei wesentliche Vorteile. Erstens senkt er die Vibrationen und zweitens erhöht er die Nutzlast der Maschine um effektiv 150 Kilogramm.



Die Blätter des neuen Hauptrotorsystems lassen sich weiterhin in Richtung Heck falten, so daß sich die Maschine beispielsweise  auf Schiffen als Bordhubschrauber verwenden lässt. Weiter Verbesserungen des H145M: Eine autonome, volldigitale Triebwerksregelung  (FADEC) sowie ein geringeres Leergewicht. Für ältere H145-Maschinen wird es ein entsprechendes Upgrade-Kit geben.
Die Zulassung des Luftfahrzeugtyps läuft derzeit, die Auslieferung der ersten Maschinen wird für Sommer 2020 erwartet.
Die Maschine nach der Landung (Foto: JPW)
An der gelandeten Maschine  brachten Techniker innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums an beiden Helikopterseiten die Halterungen für Waffenpods an. Die auf der Steuerbordseite wurde mit dem FN Herstal Heavy Machine Gun Pod HMP400, die auf der Backbordseite mit dem Waffenpod für die 70mm-Raketen FZ231 aus dem Hause Thales bestückt. Dazu kam das Wescam MX-15-Sensorsystem am Bug. Das Ganze dauerte keine 30 Minuten.

Eine wesentliche Rolle bei den Arbeiten  übernahm das H145M Ground Support Vehicle der Rainer Diederich GmbH.

Der FN Herstal HMP400-Waffenpod wird an die Maschine herangefahren (Foto: JPW)
Es basiert auf dem bewährten Polaris MRZR und lässt sich wahlweise mit einen Gabelstabler oder einem kleinen Lastenkran an der Fahrzeugfront ausstatten.

Das H145M Ground Support Vehicle mit Ladekran (Foto: JPW)
Ebenso ist es mit einem 28V-Bodenstromaggregat ausgestattet und kann dank seiner Schleppvorrichtung und Kupplungssystemen Maschinen auf dem Flugfeld „an den Haken“ nehmen.
Rund 30 Minuten nach der Landung: Am Bug befindet sich jetzt das Wescam-Sensorsystem, an der Backbordseite der Pod für die 70mm-Raketen (Foto: JPW)



www.airbus-helicopters.com
www.quadcenter.net

Samstag, 14. September 2019

Im Dienste ihrer Majestät - HK modernisiert britisches SA80-Sturmgewehr

London/Nottingham/Oberndorf (ww) Großauftrag aus Großbritannien: Heckler&Koch modernisiert im Rahmen des Equip to Fight-Programms der britischen Armee das Standardgewehr SA80 zur Version SA80A3.
Britischer Fallschirmjäger mit Virtus-Kampfausstattung und SA80A3 (Foto: MoD UK)
Die Modernisierung umfasst unter anderem einen neuen Sturmgriff, ein verbessertes Gehäuseoberteil, zusätzliche Sicherheitsfunktionen sowie Maßnahmen zur Gewichtsreduzierung des Sturmgewehrs. Die Modifizierungen wird Heckler & Koch im Werk in Oberndorf am Neckar durchführen, die Systemmontage erfolgt bei der britischen Tochtergesellschaft Nottingham Small Arms Facility (NSAF) in Großbritannien. Hierfür legt der nun geschlossene Drei-Jahres-Vertrag mit einem Gesamtvolumen von über 15 Mio. Brit. Pfund den Grundstein. Darüber hinaus enthält der Vertrag die Option für das Upgrade zusätzlicher SA80-Sturmgewehre  sowie eine zweijährige Vertragsverlängerung in Höhe von etwa 50 Mio. Brit. Pfund.
Wie berichtet, hatten sich die Briten im April 2018 dazu entschieden, beim SA80 alias L85 zu bleiben und es weiter zur Version SA80A3 bzw. L85A3 zu modernisieren. Die ursprünglich von der Royal Small Arms Factory Enfield hergestellte Bullpup-Waffe war bereits von Heckler&Koch kampfwertgesteigert worden.
Im Vereinigten Königreich experimentierte man schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit Bullpup-Waffen. Das von Stephen Kenneth Janson entwickelte EM2 (rechts im Bild) kam 1951 in sehr geringen Stückzahlen in die Truppe. Die auch als „Rifle No.9Mk1“ oder „Janson-Rifle“ bekannte Waffe verfügte bereits über eine Optik und verschoss eine nach heutiger Lesart „Mittelkaliberpatrone“ bezeichnete Kurzpatrone, nämlich die .280 British (7 x 43 mm; es wurde auch mit anderen Laborierungen experimentiert).
Britische Bullpups: SA80A2/L85A2, XL60 und EM-2 (v. l. n. r.; Foto: MoD UK)

Es folgte dann in den 1970er Jahren eine weitere Bullpup-Entwicklung in Form des XL60-Waffensystems (Mitte). Diese auch als L64/65 bezeichneten Gewehre waren auf die Patrone 4,85 x 49 mm ausgelegt. Eingeführt wurde dann die nächste Bullpup-Generation, die SA80 („Small Arms of the Eighties“) im Kaliber 5,56 x 45 mm. Sie kam als L85A1 in die Truppe. Die Waffenfamilie erwies sich im Kampfeinsatz als störanfällig, weshalb ab dem Jahr 2000 durch Heckler&Koch die erste größere Kampfwertsteigerung – de facto handelte es sich um ein umfangreiches Redesign – zur derzeit genutzten Version L85A2 erfolgte (links).
Der jetzt erteilte Auftrag zur SA80A3-Kampfwertsteigerung läuft zunächst über drei Jahre.
Das SA80A3 fällt als erstes durch seine erdbraune Cerakote-Beschichtung (Flat Dark Earth) auf. Diese soll vor Witterungseinflüssen und Abnutzung schützen und die Tarnwirkung sowohl im sichtbaren als auch im Infrarot-Spektrum verbessern.
SA80A3, linke Waffenseite (Foto: JPW)
Nahtlos ineinander übergehende STANAG 4694-Schienen oben auf Gehäuse und Handschutz erlauben die Montage unterschiedlicher Visierungen, Vor- bzw. Nachsatzgeräte und weiteren Zubehörs. Der Handschutz verfügt ebenfalls über eine weitere STANAG 4694-Schienen auf der 6-Uhr-Position und HKey-Schittstellen auf der 3- und der 9-Uhr Position.

SA80A3, rechte Waffenseite. Der Patch gehört nicht zur Kampfwertsteigerungsmaßnahme (Foto: JPW)

Er lässt sich dank eines neuen Befestigungssystems schnell abnehmen und erlaubt es dem Lauf, frei zu schwingen. Das soll die Präzision erhöhen und Einsatzreichweiten von rund 300 Metern ermöglichen.


www.heckler-koch.de