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Dienstag, 30. Juni 2020

Kostümkunde/Gearcheck: Royal Marines Commando Uniform 2020

Plymouth (ww) Die Royal Marine Commandos erhalten im Zuge des Modernisierungsprojektes Future Commando Force neue Kampfuniformen. Die neue Montur basiert auf der Crye-Precision Generation 4-Bekleidung.
Royal Marines Commando mit C8-Sturmgewehr (Foto: Royal Navy)

Die Royal Marines' Commando Uniform 2020 besteht aus Kampfhemd und -hose, Feldhemd und -hose, Dientsjacke und Dienstgürtel. Sie ist leichter, schneller trocknend, reißfester und luftdurchlässiger als die reguläre Bekleidung. Zudem wird die Royal Marines' Commando Uniform 2020 in Multicam ausgeliefert. Damit unterscheiden sich die Marines von den übrigen Streitkräften, deren Bekleidung im ebenfalls von Crye entwickelten Multi Terrain Pattern (MTP) gehalten ist.

Der Schriftzug Royal Marines Commando wird auf beiden Ärmeln getragen, links ist die "White Ensign" in getarnter Ausführung angebracht (Foto: Royal Navy)
Die Beschaffung der neuen Kampfuniform erfolgt über die NATO Support & Procurement Agency.
Mit der ab September 2020 erfolgenden Neuuniformierung soll nicht nur der Einsatzwert erhöht werden. Vielmehr soll sie auch die mit der laufenden Umstrukturierung Future Commando Force erfolgende Rückbesinnung auf die Rolle als amphibische Kommandotruppe äußerlich zum Ausdruck bringen. Das rechteckige Schriftband Royal Marines Commando mir roter Schrift auf Marineblau ist eine Reminiszens an die Rolle der Commandos im Zweiten Weltkrieg - zumal es fast 80 Jahre nach der Operation Collar, des ersten Commando Raids, eingeführt wurde. Ebenso wurde der Fairbairn Sykes-Dolch im Abzeichen der 3 Commando Brigade Royal Marines an das Erscheinungsbild des 1940 ausgegebenen ersten Musters des legendären Kampfmessers angepasst. Weiterhin wird die Zugehörigkeit zur Royal Navy gezeigt: Erstmals seit 1664 tragen die Marines die Seekriegsflagge White Ensign in einer taktisch abgetarnten Variante auf der Uniform.
Unten der veränderte Patch der 3 Commando Brigade mit der stilisierten ersten Form des weltbekannten Kampfmessers (Foto: Royal Navy)
Die taktische Variante der Seekriegsflagge "White Ensign" (Foto: Royal Navy)

Die derzeit erfolgende Umgliederung Future Commando Force gilt als größte Transformation der Royal Marines seit dem Zweiten Weltkrieg. Als vielseitig einsetzbare Elitetruppe der Royal Navy soll sie weltweit von See aus zum Einsatz kommen - egal ob in arktischen, gebirgigen, tropischen Gebieten oder sonstigen Küstenregionen. Der Fokus liegt dabei auf Kommandounternehmen. Die Beschaffung der neuen Uniform gilt daher auch als ein Signal des Modernisierungswillens.
www.royalnavy.mod.uk
www.cryeprecision.com

Sonntag, 28. Juni 2020

Kickstarter-Projekt: The Vickers Machine Gun von Dolf L. Goldsmith

Henderson, Nevada (ww) Gerne leite ich hier einen Hinweis meines Kollegen Dan Shea von Chipotle Publishing, LLC weiter. Über Kickstarter soll ein umfangreiches Buch über das legendäre Vickers-MG veröffentlicht werden.

Die auf Hiram Maxims Konstruktion basierende und von der britischen Firma Vickers von 1912 bis 1968  produzierte Waffe in .303 British diente in den britischen Streitkräften und auch in weiteren Commonwealth-Staaten als Standard-MG.
Der umfangreiche Bildband "The Vickers Machine Gun: Pride of the Emma Gees" stammt aus der Feder von Dolf L. Goldsmith, wobei auch Beiträge von Richard Fisher, Robert G. Segel und Dan Shea einflossen. Dolf hatte bereits in den 1990ern viel beachtete Standardwerke zum Maxim-MG und zum Vickers-MG vorgelegt und seither seine Forschungen fortgesetzt. So ist ein ultimatives Standardwerk mit 840 Seiten Umfang entstanden.
Über Kickstarter werden verschiedene Unterstützungspakete angeboten. Mehr Informationen gibt es hier bei Kickstarter.
Der S&T-Blog wünscht viel Erfolg bei dem Projekt und freut sich auf die Auslieferung im September!
www.smallarmsreview.com

Samstag, 27. Juni 2020

An die Schippe - Pionierpanzer Kodiak

Unterlüß (ww) Die gegenwärtige COVID-19-Lage macht sowohl Journalisten als auch Öffentlichkeitsarbeitern die Arbeit nicht einfacher. Viele Veranstaltungen und Messen müssen ausfallen oder können nur virtuell stattfinden. Mitte Juni ging es allerdings für eine kleine Zahl von Journalisten und Rheinmetallern unter Beachtung der Corona-Schutzmaßnahmen wieder in etwas klassischerer Form „an die Schippe“.

Mittelarmkonzept, Doppelwindenanlage, Räumschild, Leopard-2-Fahrgestell - die wesentlichen Merkmale des Pionierpanzer 3 Kodiak (Foto: JPW)
Und das gleich im wahrsten Sinne des Wortes, denn an seinem Standort Unterlüß stellte Rheinmetall den Pionierpanzer Kodiak vor. Er ist einer der Bewerber um die Nachfolge des Pionierpanzers Dachs.

Ein veritabler Genie-Panzer
Der Kodiak wurde Anfang der 2000er Jahre in enger Abstimmung mit der Schweizer Genietruppe – so nennen die Eidgenossen ihre Pioniere – neu entwickelt und speziell auf die operativen Einsatzbedürfnisse der Pioniere zugeschnitten.

Räumschild und Knickarmbagger hier beim Schlagen einer Bresche in einen Panzerabwehrgraben (Foto: JPW)
Der Kodiak baut auf dem Fahrgestell des Kampfpanzers Leopard 2 auf.  Das gut ausbalancierte Chassis mit seinem 1.100 kW starken Antriebspaket bietet eine hervorragende Mobilität auch in schwerem Gelände.

Das Leopard 2-Fahrgestell sorgt für hohe Beweglichkeit (Foto: JPW)
Der Kodiak hat eine drei Mann starke Besatzung: Fahrer/Bediener, Kommandant und ein weiterer Pionier, der bei Bedarf abgesessen die Arbeiten unterstützt, wie beispielsweise das Anschlagen der Winden. Der Kommandant sitzt in Fahrtrichtung vorne rechts, Fahrer/Bediener vorne links und der dritte Mann hinter dem Fahrerplatz.

Mittelarmkonzept
Herausragendes Merkmal des Kodiak ist sein Mittelarmkonzept. Der in der Mitte der Fahrzeugfront positionierte Ausleger ist das designbestimmende Element dieses Pionierpanzers. Das Mittelarmkonzept bietet den großen Vorteil, dass die Besatzung bei Arbeiten mit dem Ausleger den besseren Überblick behalten kann und das Fahrzeug auch in Engstellen einsetzbar ist. Weiterhin ermöglicht es einen maximalen Arbeitsbereich bei minimaler Abhängigkeit der Fahrzeugausrichtung. Dies vereinfacht und verkürzt den Einsatz und trägt so zum Schutz und zu der Sicherheit der Soldaten bei. Der Knickarmbagger des Kodiak hat ein großes Schaufelvolumen, mit dem er in der Lage ist, pro Stunde rund 200 Kubikmeter schweres Erdreich ohne Umsetzen des Fahrzeugs zu bewegen. Weiterhin kann er Lasten von rund 3,5 Tonnen bei maximaler Reichweite von neun Metern mit seinem Ausleger anheben.

Mit Räumschild...

...und Knickarmbagger...

...entsteht in Minutenschnelle eine Stellung für einen Kampfpanzer (Fotos: JPW)

Im Feld ist auftragsbedingt oftmals ein schneller Wechsel der Baggerwerkzeuge notwendig.  Der Kodiak ist standardmäßig mit zwei zusätzlichen Baggerwerkzeugen ausgerüstet: einem Universalgreifer und einem Betonzertrümmerer. Diese sind auf dem Fahrzeugheck verstaut und können unter Nutzung der Kameraanlage halbautomatisch, unter Schutz gewechselt werden.

Eidgenössischer Geniepanzer Kodiak beim Werkzeugwechsel (Foto: Rheinmetall)
Dieses Wechselkonzept ist bewährt und einsatzerprobt. Über die Schnellwechseleinrichtung können weiterhin zusätzliche pionierspezifische und handelsübliche Werkzeuge angebracht werden.

Räumschild
Der Kodiak verfügt über ein Räumschild mit Schnitt- und Neigungswinkelverstellung, das in der Breite erweiterbar ist. Dieses lässt sich während der Fahrt arretieren, was einen erheblichen Beitrag zur Systemsicherheit darstellt.
Das Rümschild lässt sich sowohl zum Anlegen von Panzersperren nutzen....
...als auch zum Schlagen von Breschen...

...für nachfolgende Kampfpanzer. (Fotos: JPW)

Bei Bedarf lässt sich das Räumschild durch einen Minenpflug ersetzen, so verwenden die niederländischen Streitkräfte z. B. einen Pearson-Pflug.

Niederländischer Kodiak mit Minenpflug (Foto: Rheinmetall)
Die Minenräumausstattung wird durch ein automatisches Minengassenmarkiersystem mit Markierungsstäben ergänzt, die der nachfolgenden Kampftruppe den sicheren Weg durch das Minenfeld zeigen. Sämtliche Wechselwerkzeuge oder Minenräumsysteme lassen sich für den Transport auf Multi-Hakenlift-Wechselpaletten verlasten.

Windenanlage
Die vielseitig einsetzbare Doppelwindenanlage des Kodiak ist mit zwei unabhängig voneinander nutzbaren 9-Tonnen-Spillwinden der Firma Rotzler ausgestattet. Die vergleichsweise leichten Windenseile können schnell und ohne zusätzliche Hilfsmittel oder Werkzeuge von einem Soldaten an ein Objekt herangeführt werden, wodurch der Aufenthalt außerhalb des Kampfraums minimiert wird.

Auseinanderziehen einer Baumsperre (Foto: Rheinmetall)
Dieses wird noch dadurch verstärkt, dass die Winden über einen Freilauf verfügen, d.h. der Kodiak kann mit angeschlagen Seilen zurücksetzen und so die Sicherheitsdistanz einfach erreichen. Der Einsatz von zwei Windenseilen parallel erlaubt es, Objekte wie z.B. Teile einer Sperre oder Barrikade kontrolliert wegzuziehen oder eine Winde zur Eigensicherung – etwa an einer Hanglage – einzusetzen und mit der anderen Winde ein Objekt zu bewegen. Diese Fähigkeiten sind insbesondere in beengten Umgebungen, wie z.B. in urbanem Gelände, vorteilhaft. Beim Einsatz der beiden 9-Tonnen-Winden kann unter Nutzung von Umlenkrollen ein Gewicht von über 60 Tonnen gezogen werden. Hierdurch erübrigt sich die Notwendigkeit zur Nutzung einer schwereren und unhandlicheren Winde bei zugleich minimierten Nutzungskosten.

Ergonomie und Einsatzwert
Sechs Kameras an Ausleger, Räumschild und an Front- und Heckseite unterstützen die aus zwei oder drei Soldaten bestehende Besatzung bei der Fahrt, wie auch die pioniertechnische Aufgabenerfüllung bei Tag und bei eingeschränkter Sicht. Jedes Besatzungsmitglied kann sich jederzeit das für ihn wichtige Kamerabild auf seinem Monitor anzeigen lassen. Hierdurch können die Aufgaben verteilt oder im Team zusammengeführt werden. Die Kameras erlauben es, den Werkzeugwechsel und alle pionierspezifischen Aufgaben unter Panzerschutz durchzuführen. Ein Hilfsaggregat (Auxiliary Power Unit) liefert bei Bedarf die elektrische Energie und versorgt zugleich die Kampfraumkühlanlage.
Der Kodiak eignet sich natürlich auch für Einsätze im Rahmen der Katastrophenhilfe. Erst kürzlich setzten die niederländischen Streitkräfte den PiPz 3 Kodiak zur Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden im deutsch-niederländischen Grenzgebiet ein.
Kodiak unterstützt Löscharbeiten (Foto: Rheinmetall)

Rheinmetall fertigt und vertreibt den AEV 3 Kodiak in einem Konsortium gemeinsam mit der RUAG MRO Schweiz, dem strategischen Technologiepartner der Schweizer Armee. Neben der Schweiz sind derzeit Schweden, die Niederlande sowie Singapur weitere Nutzer, die ihre Kampfpanzer Leopard 2 mit dem Pionierpanzer 3 Kodiak und dem Bergepanzer 3 Büffel unterstützen.

Der BPz 3 Büffel – für Bergung und Instandsetzung
Der Bergepanzer (BPz) 3 Büffel birgt Schadfahrzeuge und unterstützt zudem mit seinem Kran die Instandsetzung im Feld. Der BPz 3 Büffel wurde im Auftrag der Bundeswehr sowie der Niederländischen Streitkräfte von Rheinmetall Landsysteme entwickelt. Der Büffel baut ebenfalls auf Basis des Leopard 2 auf und zeichnet sich durch hohe Beweglichkeit und Schutz aus. Der Ausleger auf der rechten Fahrzeugseite hat einen Arbeitsbereich von bis zu 7,9 Metern und kann Lasten von bis zu 30 Tonnen heben.
Bergepanzer 3 (Foto: JPW)
Auch hier setzt Rheinmetall auf die Zusammenarbeit mit der Firma Rotzler für die Windenanlage. Die spezielle Bergewinde ermöglicht es, auch schwerstverunglückte oder festgefahrene Gefechtsfahrzeuge zu bergen. In der aktuell laufenden Modernisierung für die Bundeswehr wurde die Gefechtsfeldbergeeinrichtung von der Vorderseite ans Fahrzeugheck verlagert. Hierdurch kann der Büffel Schadfahrzeuge unter Schutz ankoppeln und in zügiger Vorwärtsfahrt vom Gefechtsfeld schleppen.
Derzeit sind 200 BPz 3 Büffel in neun Nationen im Einsatz. Darüber hinaus werden über 300 Büffel-Kits als Aufbauten auf dem Varianten der Kampfpanzer Leclerc und dem K1 genutzt. Der BPz 3 Büffel hat seine herausragende Leistungsfähigkeit in diversen Operationen, vom Balkan bis an den Hindukusch, auch im Gefecht, unter Beweis gestellt.



www.rheinmetall.de


Mittwoch, 10. Juni 2020

Sikorsky CH-53K King Stallion absolviert Luftbetankungstests erfolgreich

Cheaspeake Bay/ Ostküste USA (ww) Der schwere Transporthubschrauber CH-53K King Stallion hat erfolgreich mehrere Luftbetankungstests mit dem Tankflugzeug KC-130J Super Hercules des U.S. Marine Corps absolviert. Der mehrstündige Testflug fand bereits Anfang April vor der Ostküste der USA statt.
CH-35K während der Luftbetankung durch ein KC-130J Tankflugzeug (Foto: U.S. Navy)


Bei den Tests zeigte sich, daß insbesondere auch das moderne elektronische Fly-by-Wire-Flugsteuerungssystem der CH-53K die Arbeitsbelastung der Besatzungen bei der Luftbetankung deutlich reduziert.
Die Fähigkeit zur Luftbetankung ist eine wichtige Grundlage für das Zurücklegen von Langstrecken ohne Zwischenlandung und erweitert die Einsatzoptionen der CH-53K deutlich. So sind damit die Verlegung in weit entfernte Einsatzgebiete sowie eine wesentlich längere Einsatzdauer möglich. Mit den jetzt erfolgreich durchgeführten Luftbetankungstests hat der von Sikorsky neuentwickelte Transporthubschrauber aus der CH-53-Familie einen weiteren wichtigen Meilenstein erreicht.
Die Luftbetankung ist darüber hinaus eine wesentliche Fähigkeit, über die auch der neue Schwere Transporthubschrauber (STH) der Bundeswehr verfügen soll. Mit der CH-53K bewirbt sich ein von dem Lockheed Martin-Tochterunternehmen Sikorsky und Rheinmetall geführtes Industrieteam auf diese aktuell laufende Ausschreibung der Bundeswehr.
Die Bundeswehr wird künftig neben dem gleichen bei den Tests eingesetzten Betankungsflugzeug auch über das Transportflugzeug C-130J von Lockheed Martin verfügen. Für den Laderaum der C-130J werden die Luftfrachtpaletten des 463L-Standards genutzt, die auch die CH-53K transportieren kann. Die Verwendung derselben Paletten in Flugzeug und Transporthubschrauber ist ein immenser Vorteil beim Verladen von Material. Die Interoperabilität stärkt weiterhin grundsätzlich die militärische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich: Beide Länder bauen gerade am Standort Évreux eine gemeinsame C-130J/KC-130J Luftfahrzeugflotte auf. Ebenso ist die Interoperabilität mit anderen Transportluftfahrzeugen im europäischen Raum, z.B. dem A400M, durch die Verwendung der gleichen standardisierten Luftfrachtpaletten ein Vorteil in gemeinsamen Missionen.
Die Serienfertigung der CH-53K wurde inzwischen planmäßig am Sikorsky-Standort in Connecticut aufgenommen. Aktuell befinden sich insgesamt 31 Luftfahrzeuge in verschiedenen Produktionsstufen. Die Verlegung des ersten USMC CH-53K Einsatzkontingents ist für 2023/24 vorgesehen.
CH-53K (fliegend) und CH-53G (Foto: Sikorsky)
In Deutschland soll die endgültige Entscheidung über die Vergabe des neuen Transporthubschraubers Anfang 2021 getroffen werden. Die erste Auslieferung der Luftfahrzeuge könnte, wie gefordert, ab 2024 erfolgen, um einen nahtlosen Übergang von der aktuellen CH-53G-Flotte zu ermöglichen, das entsprechende Personal auszubilden und die logistischen Grundlagen für den Betrieb in Deutschland zu schaffen. Zu diesem Zeitpunkt werden die ausgelieferten CH-53K des USMC bereits einsatzbereit sein und die Luftfahrzeugbesatzungen sowie Wartungstechniker würden die Erstausbildung des Bundeswehr Personals durch ihre Erfahrungen entsprechend unterstützen können. Die Aufstellung der STH-Flotte der Bundeswehr und der Übergang von der aktuell genutzten CH-53G soll bis 2032 abgeschlossen sein.


www.lockheedmartin.com
www.rheinmetall.com


Donnerstag, 4. Juni 2020

SIG Sauer vor Umbrüchen - Freude und Leid

Eckernförde, Newington/New Hampshire, USA (ww) Eigentlich wollte ich den neuen Monat mit einer freudigen Meldung zu SIG Sauer beginnen. Erst vor wenigen Tagen hat das Unternehmen der U.S. Army seine Testwaffen für das NGSW-Vorhaben übergeben. Doch Freude und Leid liegen oft eng beieinander. Und so traf die Branche die heutige Nachricht wie ein Paukenschlag: Der traditionsreiche Handwaffenhersteller will seinen deutschen Standort in Eckernförde schließen. Rund 130 Mitarbeiter wären von der Schließung betroffen.
Dunkle Zeiten in Eckernförde am deutschen Standort von SIG Sauer (Foto: JPW)

Zunächst hatte die "Bild"-Zeitung die traurige Nachricht gebracht, verschiedene weitere Medien griffen die Meldung dann auf. So hat SIG Sauer-Geschäftsführer Tim Castagne am 4. Juni 2020 zunächst Betriebsrat und dann die Belegschaft über die wirtschaftlich angespannte Situation des Standortes informiert.
Mehrere Gründe führt das Traditionsunternehmen dafür an, dass die Standortnachteile in Deutschland für SIG Sauer für die Zukunft keine wirtschaftliche Produktion von Sport- und Behördenwaffen mehr erlauben.
So schränke die Gesetzgebung die Nutzung von Sportwaffen immer mehr ein. Weiterhin würden bei der Vergabe von Behördenaufträgen sowohl von der deutschen Polizei als auch von der Bundeswehr einige wenige lokale Produzenten bevorzugt. SIG Sauer hingegen werde wegen seiner internationalen Ausrichtung von den Ausschreibungen systematisch ausgeschlossen. In der Tat stammen die meisten SIG Sauer-Entwicklungen derzeit aus den USA, weshalb sie nicht ITAR-frei sind.
SIG Sauer hat in den letzten Jahren auch in Deutschland einen Law-Enforcement-Bereich aufgebaut, zu den Produkten gehört der SIG MCX Rattler und die subkompakte P365 (Foto: JPW)
Dennoch hätten die Gesellschafter, die L&O Holding, in den letzten Jahren große finanzielle Beiträge zur Stabilisierung des Unternehmens geleistet und das Unternehmen habe drastische Sparmaßnahmen umgesetzt, um das Traditionsunternehmen und die Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Doch zu den vorhandenen Problemen wären noch die aktuellen Auswirkungen der Coronakrise gekommen, die eine Fortführung des Geschäftsbetriebs in Eckernförde wirtschaftlich zusätzlich erheblich belastet hätten.
Deutlich erfreulicher - wie erwähnt - sind die Nachrichten aus dem USA. Dort hat SIG Sauer am 1. Juni 2020 seine Kandidaten für das Next Generation Squad Weapon-Vorhaben der U.S. Army ausgeliefert. Zu den jetzt für die Erprobung übergebenen Komponenten zählen leichte Maschinengewehre SIG Sauer Lightweight Machine Guns (NGSW-AR), Sturmgewehre SIG Sauer Rifles (NGSW-R), Hybridmunition 6.8 SIG Sauer Hybridmunition sowie SIG Sauer Next Generation Schalldämpfer. 

Am 1. Juni 2020 übergab SIG Sauer USA seine NGSW-Testwaffen und -munition an die U.S. Army (Foto: SIG Sauer)
SIG Sauer führt seine Wurzeln auf die thüringische Waffenschmiede J.P. Sauer & Sohn bis ins 18. Jahrhundert zurück und verlegte nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Firmensitz nach Eckernförde. Aus der fruchtbaren Kooperation mit der Schweizerischen Industrie Gesellschaft (SIG) ab den 1970er Jahren entstammen legendäre Produkte wie die P220-Familie. Die P225 diente ab den 1970er Jahren als P6 in etlichen deutschen Polizeibehörden und beim Zoll als Standard-Seitenwaffe.

Die SIG Sauer P6 ist die Polizeiversion der P225 (Foto: JPW)
Bis heute ist SIG Sauer beim BKA (P229) und bei den Spezialeinsatzkommandos Nordrhein-Westfalen (P226) vertreten. Das Gewehrsystem MCX dient unter anderem bei den Landespolizeien Berlin und Schleswig-Holstein als Mitteldistanzwaffe. Auch nach Schließung des Werks in Eckernförde soll die Ersatzteilversorgung für Behörden, Sportschützen und Jäger aufrecht erhalten werden.
Der Leser sehe mir nach, daß ich aus meiner Betroffenheit über die traurigen Nachrichten bezüglich des Traditionsunternehmens keinen Hehl mache. Meine erste Kurzwaffe, die ich mir als schießsporttreibender Student vom Munde abgespart habe, kam aus Eckernförde: Diese im September 1994 erworbene SIG Sauer P226 hat mich auf etlichen Wettkämpfen begleitet, ich nutze sie bis heute und ich halte sie in Ehren.

Mittwoch, 20. Mai 2020

Nächster MGCS-Meilenstein: KMW, Rheinmetall und Nexter mit Studie zur Systemarchitektur beauftragt


Berlin, Paris, München, Versailles, Düsseldorf (ww) Das gemeinsame deutsch-französische Rüstungsvorhaben Main Ground Combat System (MGCS) hat einen weiteren Meilenstein erreicht. So ist zum 20. Mai 2020 aufgrund der Covid-19-Ausnahmesituation postalisch die Studie zur Systemarchitektur beauftragt worden. 

Panzer der Zukunft faszinieren etliche Render-Künstler im Netz (Grafik: unbekannter Autor/Wallpaper Abyss)

Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) aus den beteiligten Firmen Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG (KMW) und Rheinmetall AG auf deutscher sowie Nexter Systems auf französischer Seite soll nun mit einer ersten Studie („System Architecture Definition Study - Part 1/SADS Part 1") für dieses Landkampfsystem der Zukunft beginnen. Ziel dabei ist es, die finalen MGCS-Konzepte der vorangegangenen bilateralen Studienphase zu harmonisieren, weitere Details zu analysieren und eine gemeinsame plattformübergreifende Architektur vorzuschlagen. Die drei Vertragspartner werden dabei mehrere Aspekte verschiedener Konzepte bewerten: die technische Machbarkeit über den gesamten absehbaren Zeitraum des Programms, die Fähigkeit, die Einsatzanforderungen beider Streitkräfte zu erfüllen, Effizienz und Kompatibilität mit den jeweiligen nationalen Führungssystemverbunden (SCORPION in Frankreich und D-LBO in Deutschland). Die Arbeitsanteile dieser SADS Part 1-Studie sollen jeweils zu gleichen Teilen (50:50) auf Deutschland und Frankreich entfallen. Die erste Phase dieser Architekturarbeit soll 18 Monate dauern.
Die Entwicklung des neuen „duellfähigen Landkampfsystems“ steht unter deutscher politischer Führung. Das MGCS soll ab 2035 die Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc beim deutschen bzw. bei dem französischen Heer ablösen. Auf dem deutsch-französischen Ministerratstreffen am 16. Oktober 2019 in Toulouse hatten die Verteidigungsministerinnen beider Länder, Florence Parly und Annegret Kramp-Karrenbauer, ihr Engagement für die Entwicklung des MGCS bekräftigt. Die Vorbereitung zum MGCS startete dann im Dezember 2019 mit der Gründung der ARGE. Der entsprechende Vertrag zwischen den drei Unternehmen und dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnologie und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), das stellvertretend für Deutschland und Frankreich agiert, wurde jetzt am 20. Mai 2020 geschlossen. Er ist der industrielle Startschuss für den ersten Schritt des MGCS-Konzeptes. Die ARGE ist als Gesellschaft nach deutschem Recht in der ersten Phase des Programms der Vertragspartner des öffentlichen Auftraggebers BAAINBw. Die drei Unternehmen sind in der ARGE mit gleichen Teilen vertreten (jeweils 1/3).
www.kmweg.de
www.nexter-group.fr
www.rheinmetall.com

Freitag, 15. Mai 2020

Noch bis Sonntag #Engergyforthefrontline - Tacwrk und 5.11-Charity-Tombola für Einsatzkräfte

Berlin (ww) Gerne weise ich hier auf eine Aktion des taktischen Händlers Tacwrk aus Berlin in Kooperation mit 5.11 hin. Dort läuft noch bis Sonntag unter dem Hashtag #Energyforthefrontline eine Tombola, deren Erlös den Einsatzkräften aus Blaulichtorganisationen und Bundeswehr zu Gute kommt, die derzeit gegen Covid-19 kämpfen.

5.11 Tactical will mit dieser Kampagne 50 Millionen Kcal in Form von 5.11 EnergyPacks an Einsatzkräfte und systemrelevante Einrichtungen in ganz Europa spenden. Ziel der Tacwrk-Tombola ist es nun, die Zahl der essentiellen EnergyPacks zu vervielfachen und kostenlos an Kunden aus dem Behördenbereich und entsprechenden Institutionen zu verteilen.
Ein Tombola-Los kostet einen Euro und kann online über den Tacwrk-Shop bezogen werden. Zu gewinnen gibt es Preise im Wert von 5.000 Euro.

Nähere Informationen zu dem Gewinnspiel, den Teilnahmebedingungen und alternative Teilnahme gibt es im TACWRK Blog . Zu der Aktion selbst geht es hier

Dienstag, 12. Mai 2020

Kostümkunde/Gearcheck: Das Barett kommt in die Bundespolizei zurück

Fuldatal/Potsdam (ww) In der Bundespolizei hält das Barett wieder Einzug. So werden zunächst die geschlossenen Einheiten mit der traditionellen und repräsentativen Kopfbedeckung ausgestattet.
Die jetzt ausgegebenen Barette sind in dunkelblauer Farbe ausgeführt und verfügen über ein Metallemblem, welches den Bundesadler im Mützenstern zeigt. Das Abzeichen wird über dem linken Auge getragen.
Das neue dunkelblaue Barett, hier von Kollegen der Bundespolizeiabteilung Blumberg getragen.
(Foto: Bundesbereitschaftspolizei)
Mit der Umkleidung der Bundespolizei von den grünen auf die blauen Uniformen war das zu Dienst-, Mehrzweck- und Einsatzanzug getragene moosgrüne Barett mit Stoffemblem zunächst entfallen. Stattdessen wurde eine Basecap ausgegeben. Diese ist zwar praktisch (und bleibt vorerst auch im Bestand), aber ohne Zweifel nicht so repräsentativ wie das Barett.
Das Barett hatte im damaligen Bundesgrenzschutz in den frühen 1980er Jahren die bis dahin getragene Bergmütze abgelöst.
Die historischen Kopfbedeckungen: Bergmütze, moosgrünes Barett und das jägergrüne Barett der GSG9. (Foto: JPW)
Zuvor hatte lediglich die Grenzschutzgruppe 9 ein Barett erhalten: Jägergrün und mit dem seinerzeit auch an der Schirmmütze über der Kokarde im Eichenlaubkranz getragenen Bundesadler als Emblem. Die GSG9 der Bundespolizei hat dieses Barett bis heute.
www.bundespolizei.de

Montag, 11. Mai 2020

Fuchs 1A8 KAI und Route Clearance System - neue Kampfmittelabwehrmultiplikatoren für die Bundeswehr

Koblenz (ww) Erst kürzlich hatten wir dem Transportpanzer Fuchs zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum gratuliert. Eine noch verhältnismäßig neue Version läuft derzeit der Truppe zu, nämlich der TPz Fuchs 1A8 Kampfmittelaufklärung und -identifizierung (KAI). Die Auslieferung der Seriensysteme erfolgt derzeit und soll noch 2020 abgeschlossen werden. Das Auftragsvolumen liegt bei einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag.
Der Truppenpanzer Fuchs KAI bei der Kampfmittelaufklärung mit ausgefahrenem Multifunktionsarm.
(Foto: Gerd Benndorf/Bundeswehr)
Das von Rheinmetall neu entwickelte, hoch komplexe und leistungsfähige System soll zum Schutz der Truppe vor  Kampfmitteln, Minen und Sprengfallen (Improvised Explosive Devices, IED) beitragen. Der TPz Fuchs 1A8 KAI hat ein Gefechtsgewicht von 23,5 Tonnen und erreicht dank seiner 320 PS Triebwerksleistung eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Die Besatzung besteht aus vier Soldaten. Dank einer leistungsfähigen Optronik und eines mehrgliedrigen, präzisen und vielseitigen Manipulatorarms mit Hochleistungssensorik können die Kampfmittelabwehrkräfte der Pioniertruppe verdächtige Objekte aus sicherer Entfernung aufklären, markieren, freilegen und identifizieren. Insgesamt sieben Transportpanzer Fuchs in der Variante KAI wurden durch die deutschen Streitkräfte beauftragt, vier sind davon bereits ausgeliefert.
Bei dem Trägerfahrzeug des KAI handelt es sich um die derzeit modernste Ausführung 1A8 des bewährten Transportpanzers. Diese verfügt über einen hohen Schutz gegen Minen und Sprengfallen sowie über moderne Schutzelemente und Minenschutzsitze zur Entkoppelung der Besatzung vom Wannenboden.


Der lange Arm der Kampfmittelbeseitiger
Hervorstehendes Merkmal der Fuchs KAI-Variante ist der bereits erwähnte mehrgliedrige, hochpräzise Manipulatorarm mit über zehn Meter Arbeitsreichweite und hoher Tragkraft von 400 kg. Dieser ermöglicht es den Kampfmittelabwehrkräften, aus dem TPz KAI heraus verdächtige Stellen abstandsfähig zu untersuchen und Kampfmittel sowie Sprengfallen präzise aufzuklären und zu identifizieren.
Der Manipulatorarm kann, neben dem Grundwerkzeug, zwei weitere Werkzeuge aufnehmen. Hierzu zählt zunächst ein Dualsensor. Dabei handelt es sich um die 80-cm-Variante des im Route Clearance System genutzten Sensors. Mit diesem können verdächtige Stellen untersucht und festgestellt werden, ob ein Kampfmittel vergraben wurde.
Überprüfung einer verdächtigen Stelle mittels Dualsensor. Dieser kombiniert einen Metalldetektor mit einem Bodendurchdringungsradar. (Foto: Christian Unger/Bundeswehr)
Weiterhin gibt es eine Toolkamera. Mit diesem am Schwenkneigekopf angebrachtem Gerät lassen sich schwer einsehbare Stellen wie Entwässerungsrohre oder -rinnen, Rand- und Unterseiten von Brücken oder Bereiche hinter Mauern optisch aufklären, um feststellen zu können, ob beispielsweise eine Sprengfalle eingebracht wurde. Zur visuellen Aufklärung verfügt das System über eine leistungsfähige Optronik. Eine neue Optronik-Wisch- und Waschfunktion ermöglicht es, die Aufklärungskameras schnell während des laufenden Einsatzes zu reinigen. Hierdurch erhöht sich die taktische Flexibilität des Systems nochmals.
Die Kameras am Multifunktionsarm dienen zur visuellen Kampfmittelaufklärung und liefern Bilder auch von schlecht einsehbaren Stellen. (Foto: Christian Unger/Bundeswehr) 

Ein weiteres Kernelement des KAI ist sein Water-Air-Spade-System, ein Wasser-Luft-Spaten, welcher mit einem Arbeitsdruck von 400bar wirken kann, sowie ein Reißzahn. Damit können die Kampfmittelabwehrkräfte in Verdachtsfällen ein nicht eindeutig identifizierbares Objekt freilegen. Das Markieren kann sowohl digital im System durch eine eindeutige GPS-Koordinate als auch mit einer optischen Markiereinrichtung für den abgesessenen Fachmann erfolgen.
Mit einem am Manipulatorarm adaptierbaren Personenrettungssystem können zudem im Bedarfsfall Personen aus einem Gefahrenbereich gerettet werden.
Der Fuchs KAI aus Sicht des Kampfmittels (Foto: JPW)
Die deutschen Streitkräfte machen mit dem TPz Fuchs 1A8 KAI einen Quantensprung bei der Kampfmittelabwehr. Er ergänzt die Ausstattung des schweren Kampfmittelabwehrzuges der Bundeswehr und soll Gefahrenstellen aufklären, die vom Route Clearance System (RCS) – ebenfalls anteilig von Rheinmetall entwickelt – nicht erreicht werden. Weiterhin soll der TPz KAI ein vom RCS unabhängig operierendes Kampfmittelaufklärungssystem sein, das Konvoi-begleitend Gefahrenstellen („Vulnerable Points“) aufklärt.

Vier weitere RCS für die Bundeswehr
Rheinmetall hatte erstmals 2011 sieben sogenannte DEU Route Clearance Systeme als Teil des „Schweren Kampfmittelabwehrzuges“ an die Bundeswehr ausgeliefert. Ein Gesamtsystem besteht aus fünf Fahrzeugen, die jeweils für die Aufklärung, Freilegung und Vorbereitung der Beseitigung von Sprengfallen durch Kampfmittelabwehrkräfte sowie für die Führung und den Transport eingesetzt werden.
Fuchs 1A8 Bedienertruppfahrzeug (r.) sowie Multi FSA mit Wiesel-Detektorfahrzeug (Foto: Rheinmetall)
Vom RCS befinden sich derzeit vier weiteren Exemplare als Ergänzungsbeschaffung im Zulauf. Hierzu wurde Rheinmetall im Dezember 2019 beauftragt. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Der Vertrag hat eine Laufzeit von rund vier Jahren.
Rheinmetall wird im Rahmen der beauftragten Arbeiten fünf Transportpanzer Fuchs 1A8 in Bedienertruppfahrzeuge sowie vier Luftlande-Waffenträger Wiesel 1 in Detektorfahrzeuge umrüsten. Im Lieferumfang sind ebenfalls sieben Reserve-Dualsensoren und weitere logistische Anteile enthalten. Bei den Dualsensoren, die eine Schlüsselkomponente des Route Clearance Systems sind, handelt es sich um eine neue, obsoleszenzbereinigte Version.
Wiesel-Detektorfahrzeug mit Bodendurchdringungsradar (Foto: Rheinmetall)
Das ferngesteuerte Kettenfahrzeug Wiesel, das über einen neu entwickelten integrierten Dualsensor mit Bodenradar (Ground Penetrating Radar) sowie Metalldetektor verfügt, übernimmt in dem DEU Route Clearance System die Detektion von Minen und Sprengfallen im zu untersuchenden Straßen- oder Geländeabschnitt.
Als mobiler und hoch geschützter Führungsstand kommt der Fuchs 1A8 Transportpanzer zum Einsatz, der mit Bedienständen für die Fahrsteuerung und Systemen für die Auswertung der Signale des Dualsensors ausgestattet ist.
Das separat durch die Bundeswehr beauftragte Kampfmittel-Verifikationsfahrzeug (sogenannter Manipulator) übernimmt die ferngesteuerte Überprüfung verdächtiger Objekte. Über ein integriertes Videosystem wird dem Bedienpersonal an Bord des Fuchs-Führungsfahrzeugs jederzeit ein direktes Lagebild übermittelt. Das Fahrzeug stammt ursprünglich von der Firma MineWolf.
Zum Transport der Fahrzeuge im DEU Route Clearance System dienen Logistikfahrzeuge vom Typ Multi FSA von Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV).


www.bundeswehr.de
www.rheinmetall.com


Drohnen und Arbeiterinnen - ein Denkanstoß zur Drohnendebatte 2020

Berlin (ww) Die Bundewehr debattiert heute zm Thema Drohnen. Dabei setzt sie auch in den sozialen Medien auf Schwarmintelligenz. Insbesondere geht es um die Frage, ob Unmanned Aerial Vehicles (UAV), also der gemeinhin als "Drohne" bezeichnete fliegende Anteil eines Unmanned Aerial Systems (UAS), bewaffnet werden soll. Damit müsste die Drohne streng genommen in Arbeiterin umbenannt werden, da bei Bienen- und Wespenvölkern die Drohnen ja bekanntermaßen über keinen Stachel verfügen.
Aber soll die Bundeswehr demnächst UAS mit Bewaffnung erhalten? JA! Schon im Taktikunterricht lernt jeder Soldat, daß Sperren ohne Überwachung nicht oder nur eingeschränkt sinnvoll sind. Ähnlich verhält es sich mit UAV. Aufklärung aus der Luft ist sicherlich immer hilfreich, aber aus taktisch-operativer Perspektive nur dann wirklich sinnvoll, wenn gegen aufgeklärte Gegner und gefahren auch schnell gewirkt werden kann. Künftige UAS der Bundeswehr sollten daher zumindest einen Wirkverbund aus bewaffneten und unbewaffneten UAV aufweisen. Also: Es braucht nicht nur Drohnen, sondern auch Arbeiterinnen!

Jan-Phillipp Weisswange

Mittwoch, 6. Mai 2020

Tschechische Armee modernisiert Handwaffen - Rahmenvertrag für CZ

Prag, Uherský Brod (ww) Die tschechischen Streitkräfte haben der einheimischen Waffenschmiede CZ einen Rahmenvertrag zur Lieferung von Handwaffen und Munition erteilt. Das Auftragsvolumen liegt bei bis zu 2,35 Milliarden Tschechischen Kronen (86,7 Millionen Euro). Der Rahmenvertrag sieht die Auslieferung von bis zu 39.000 Handwaffen bis 2025 vor.
Rund 16.000 Sturmgewehre CZ Bren 2 kommen in die Truppe. (Foto: CZ)
„Unser Ziel ist es, die Armee zu modernisieren, aber zugleich auch die tschechische Industrie zu unterstützen und Arbeitsplätze in dieser schwierigen Zeit zu erhalten“, so Verteidigungsminister Lubomír Metnar.
Bei Abruf des vollen Vertragsumfangs könnten rund 16.000 Bren 2-Sturmgewehre, über 21.000 CZ P-10-Pistolen, über 1.600 Anbaugranatwerfer CZ 805 G1 und etwa 100 CZ Scorpion Maschinenpistolen ausgeliefert werden. Bereits in den Jahren 2010 und 2016 hatte CZ die Streitkräfte ihrer Heimat mit rund 40.000 neuen Handwaffen ausgestattet.
 „Die tschechischen Streitkräfte verlangen stets die bestmögliche Ausstattung. Dieser Auftrag zeigt uns, daß wir unseren Job gut machen und hochqualitative und innovative Produkte für die anspruchsvollsten Militär- und Behördenmärkte anbieten“, so Luboš Kovarík, der Vorstandsvorsitzende der CZ-Gruppe.
Auch CZ-Geschäftsführer Ladislav Britanák freut sich über den Auftrag: „Wir fühlen uns geehrt, unsere Streitkräfte als einen unserer historisch wichtigsten Kunden weiter ausstatten zu können. Zugleich sind die tschechischen Streitkräfte auch ein wichtiger Referenzkunde auf dem internationalen Markt. Kovarík und Britanák begrüßten zudem, daß die tschechische Regierung mit dem Auftrag ein wichtiges Zeichen zur Unterstützung der heimischen Industrie und damit auch zur nationalen Sicherheitsvorsorge in Krisenzeiten setze.
Die tschechischen Streitkräfte haben derzeit eine Stärke von 26.000 Berufssoldaten und 11.000 Reservisten. Unter anderem beteiligen sich die tschechischen Streitkräfte an den Einsätzen ISAF und OEF und waren zeitweise auch im Irakkrieg eingesetzt.
CZ mit Sitz in Uherský Brod ist eine Tochtergesellschaft der CZ-Gruppe. Die Firma produziert sowohl Zivil- als auch Dienstwaffen und exportiert in 90 Kundenländer. Streit- und Sicherheitskräfte aus über 40 Staaten nutzen derzeit CZ-Waffen.
Mehr zu CZ demnächst hier und in den einschlägigen Publikationen.

www.czub.cz

Dienstag, 5. Mai 2020

Who dares wins - 40 Jahre SAS-Operation Nimrod in Princes Gate, London

London (ww) Heute vor 40 Jahren, am 5. Mai 1980, beendeten britische SAS-Spezialkräfte eine tagelange Geiselnahme in der iranischen Botschaft London. Die Operation Nimrod dauerte rund 17 Minuten und wurde durch etwa 50 Angehörige der B Squadron 22nd SAS Regiment durchgeführt.

Angehörige des Blue Team bei der Annäherung über die Balkone der Vorderseite (Foto: Archiv)
Während der Operation wurden 19 von 20 Geiseln gerettet. Eine Geisel wurde von Terroristen erschossen, zwei weitere wurden verletzt. Auch fünf der der sechs Geiselnehmer wurden getötet, ein SAS-Truppführer wurde verwundet. Die erfolgreiche Operation Nimrod erlangte weltweit Berühmtheit - nicht zuletzt da sie von zahlreichen Medien live dokumentiert wurde und sich somit vor den Augen der Weltöffentlichkeit abspielte. 
Die Geiselnahme in London South Kensington hatte am 30. April begonnen. Sechs Terroristen einer separatistischen iranischen Bewegung namens "Demokratisch-revolutionäre Front für die Befreiung Arabistans" waren gegen 11.30 Uhr Ortszeit in die Botschaft eingedrungen.

Princes Gate SW7 (Aufnahme aus 2017)...
Die Vorderseite der iranischen Botschaft (Aufnahme aus 2017, JPW)

Dabei hatten die mit Pistolen, Maschinenpistolen und Handgranaten bewaffneten Männer den zum Schutz der Vertretung eingeteilten Polizeibeamten Trevor Lock überwältigt. Insgesamt nahmen sie 26 Personen als Geiseln.
In den folgenden Tagen zogen sich die Verhandlungen zur Beendigung der Botschaftsbesetzung hin. Immerhin gelang es den Verhandlern der Metropolitan Police, die Freilassung von fünf Geiseln zu erreichen. Parallel dazu bereitete sich die B Squadron auf einen möglichen Einsatz vor. Zur Einsatzplanung wurde unter anderem ein Kartonmodell des Botschaftsgebäudes erstellt.
Das Modell der Botschaft aus Karton (Foto: JPW)
Die Lage spitzte sich am sechsten Tag der Besetzung zu, als das angesichts mangelnder Verhandlungserfolge zunehmend nervösere Terroristenkommando den Pressesprecher der Botschaft, Abbas Lavasani, erschoss. Das Special Air Sevice Regiment wurde damit beauftragt, sich zum Sturm auf die Botschaft vorzubereiten. Die hierzu vorgesehenen Kräfte gingen um etwa 17.00 in ihre Bereitschaftsstellungen. Um 19.07 Uhr ging das Kommando vor Ort von der Polizei auf das Militär über. Um 19:23 begann die Operation Nimrod.
Zwei taktische Elemente, Red Team („Romeo“) und Blue Team (“Bravo“), waren zum Sturm auf die Botschaft vorgesehen. Vom Dach aus sollte ein Ablenkungstrupp das Oberlicht sprengen und das Red Team die oberen Teile des Gebäudes nehmen, während sich das Blue Team auf Erdgeschoss, Keller und ersten Stock konzentrieren sollte.

Blick aus den Princes Gardens auf die Rückseite der Gebäude, die iranische Botschaft ist rechts zu erkennen.
(Aufnahme aus 2017, JPW)
Beide Elemente würden sich dann im ersten Stock treffen. Insgesamt sollten 30 – 35 Mann in die Botschaft eindringen. Dazu kamen weitere Deckungstrupps (mit Tränengas- und Rauchkörpern) an Gebäudefront und Rückseite, Scharfschützen, eine Aufnahmegruppe für die Geiseln an der Rückseite des Gebäudes, das Führungselement und Reserven.
Auf das Codewort „London Bridge“ seilten sich mehrere Trupps des Red Teams vom Dach der Botschaft ab und drangen über die Hinterseite des Gebäudes in die oberen Stockwerke ein. Dabei verfing sich der Gruppenführer in den Seilen und erlitt schwere Brandverletzungen, da die Gardinen im Gebäude durch Tränengasgranaten Feuer gefangen hatten. Er konnte durch eine zweite Welle aus seiner mißlichen Lage befreit werden und setzte kämpfte weiter.
Red Team auf dem Balkon auf der Rückseite des Gebäudes beim Eindringen in den zweiten Stock (Foto: Archiv)
Das Blue Team drang an der Gebäudevorderseite nach Zugangssprengung (wobei sich die Sprengmittelmenge nach der bewährten Formel „P für Plenty“ richtete ) über die Balkone der Nachbargebäude in den ersten Stock ein. Zeitgleich nahmen weitere Bravo-Trupps Erdgeschoss und Keller der Botschaft über die Hinterseite des Gebäudes.
Angehörige des Blue Team dringen über das Erdgeschoss auf der Gebäuderückseite in die Botschaft ein (Foto: Archiv)
Im Inneren hatte Police Constable Trevor Lock bei Angriffsbeginn seinerseits einen Terroristen niedergerungen, um ihn an Gegenwehr zu hindern. Lock war es gelungen, seinen 38er Revolver während der gesamten Zeit vor den Geiselnehmern verborgen zu halten. Der niedergerungene Terrorist wurde von eindringenden SAS-Kräften eliminiert.
Während der Befreiungsoperation feuerte einer der Terroristen auf die Geiseln. Dabei kam der Botschaftsangehörige Ali Akbar Samadzadeh ums Leben, zwei weitere Geiseln wurden verletzt. Die SAS-Sturmtrupps erschossen bei ihrem Angriff insgesamt fünf Terroristen, unter anderem einen, der sich mit einer Handgranate unter die zu Evakuierenden gemischt hatte.
Teile der Counter-Terror-Ausstattung, wie sie bei Operation Nimrod genutzt wurde (rechts im Schaukasten). Primärwaffe der Einsatzkräfte in der Botschaft war die Heckler&Koch MP5, Sekundärwaffe die FN Browning High Power (Foto: JPW)
Alle befreiten Geiseln wurden über die Hinterseite des Gebäudes in den Garten geleitet, fixiert und identifiziert. Im Garten konnte auch der sechste Terrorist festgenommen werden, der sich unter den Geiseln versteckt hatte.
Bis heute gehört die Operation Nimrod zu den am meisten beachteten Waffentaten gegen den internationalen Terrorismus. Who Dares Wins!

 

Freitag, 1. Mai 2020

Kostümkunde/Gearcheck: Arktis-Ausstattung der russischen Spezialkräfte

Nagurskaja (ww) Über die spektakuläre Luftlandeübung der russischen  Streitkräfte über der Basis Nagurskaja in Alexandraland hatten wir ja erst kürzlich berichtet. In den sozialen Medien ist einiges Bild- und Videomaterial dazu aufgetaucht.
Russischer Operator mit Aimpoint auf AK in neuer Winterkampfbekleidung. Rechts an der Schulterstütze erkennt man die abgesetzte Sauerstoffmaske (Foto: Verteidigungsministerium Russland)

Die Spezialkräfte, die den Absprung aus 10.000 Metern Höhe durchführten, gehörten offenbar verschiedenen Einheiten der Streitkräfte und des FSB an.
Dieser Operator gehört dem Abzeichen nach offenbar einer Fallschirmgruppe der FSB-Spezialeinheit Wympel (erkennbar am "B" sowie Schild und Schwert) an (Foto: Verteidigungsministerium Russland)

Wie berichtet, wurde ein neues Fallschirmsystem getestet. Dieses stammt von der Fallschirmfabrik Polyot aus Iwanowo.

Der den Berichten zu Folge neue Flächenfallschirm (Foto: Verteidigungsministerium Russland)
Erst im März 2020 hatte der russische Präsident Wladimir Putin das Unternehmen besucht. Bereits im November war am Unternehmenssitz ein Denkmal für den Erfinder des russischen Rucksackfallschirmsystems Gleb Kotelnikow enthüllt worden.
Freifaller nach der landung. Kälteschutzbekleidung von Gruppa99. An der rechten Körperseite erkennt man das Sauerstoffsystem (Foto: Verteidigungsministerium Russland)
Schon auf den ersten Bildern der Übung war die neue Kälteschutzbekleidung in einem Wintertarnschema aufgefallen. Diese wiederum kommt von der Gruppa 99, einer Tochterfirma des Konzern Kalalschnikow.
Kälteschutzbekleidung von Gruppa99 (Foto: Verteidigungsminsiterium Russland)
 Im Rahmen eines fachlich-kollegialen Austauschs während der IDEX 2019 am Kalaschnikow-Stand war ich bereits auf die taktischen Tüftler mit militärisch-taktischen Hintergrund aufmerksam geworden. Die Gruppa99 bietet ein durchdachtes und solides komplettes Bekleidungs- und Ausrüstungssystem an.
Stand der Gruppa 99 auf der IDEX 2019 (Foto: JPW)

Was weiterhin auffällt ist der Mix aus russischen Waffen - namentlich AK-12 -  teilweise mit westlichem Peripheriegerät. Die übrige Üb-Truppe trug hingegen konventionellere Bekleidung und Bewaffnung.
Skiebewegliche Einheiten der "Linie" (Foto: Verteidigungsministerium Russland)

 Immerhin gibt es auch eine Wintertarnausführung des kleinpunktigen russischen Tarnschemas.
Fazit: Geardoes sind global!

www.ivparachute.ru
www.gruppa99.com
www.kalashnikovconcern.ru