Dieses Blog durchsuchen

Donnerstag, 16. Mai 2019

Kommentar: Drohnen raus aus den Denkfabriken - keine Denkverbote!

Berlin, Hamburg (ww) Das German Institute for Defence and Strategic Studies, der neue deutsche Strategie-Think-Tank an der Führungsakademie der Bundeswehr, nahm sich kürzlich des Themas Drohnen an. Nach Einschätzung von Ulrike Franke, Policy Fellow am European Council on Foreign Relations (und mit Thomas Wiegold Begründer des Podcasts Sicherheitshalber),  besitzen 90 bis 100 Länder mittlerweile Militärdrohnen. Rund 30 haben „große Militärdrohnen“ (womit Unmanned Aerial Systems gemeint sein dürften, deren Fluggeräte über 600 Kilo wiegen und über 20 Stunden Flugdauer aufweisen). Etwa ein Dutzend Länder verfügt, so Franke, über bewaffnete Drohnen.
Im Rahmen der Veranstaltung zeigte sich, wie sehr die deutsche Diskussion der Thematik Drohnen einmal mehr hinterher hinkt.
Auf der IDEX2019 präsentierten die Streitkräfte der UAE das Szenario Schwarmangriff mit UAS. (Foto: JPW)
Insbesondere die bewaffneten Versionen scheinen vielen Meinungsträgern hierzulande als Teufelszeug zu gelten, welches man am liebsten ächten würde – man fühlt sich bei der Debatte an den einstigen Kirchenbann der Armbrust erinnert. Auch die Gefahr durch Kleindrohnen brachte man hierzulande meist mit ärgerlichen Flugverspätungen in Verbindung, wie etwa in Gatwick (Dezember 2018) oder jüngst Frankfurt (Mai 2019).
Bekanntermaßen half der Kirchenbann gegen die Armbrust nichts, und auch bei der Drohnen-Thematik erscheint es überfällig, die Denkfabriken zu verlassen. Dies um so mehr, als daß die Bundeswehr seit Auflösung der Heeresflugabwehrtruppe derzeit über kaum eine Möglichkeit verfügt, sich vor der Bedrohung durch Drohnen - insbesondere Klein- und Kleinstdrohnen - zu schützen. Daß mit Hilfe solcher Aufklärungs- und Kampfmittel ganze Bataillone zerschlagen werden können, hat spätestens der Ukraine-Konflikt gezeigt. Dem verlustreichen Raketenangriff auf ukrainische Truppen bei Zelenopillya (11. Juli 2014) gingen Aufklärungsflüge offensichtlich mit Orlan-10-Drohnen voraus. Loiterfähige Kampfdrohnen, die sich in einer Art „Kamikaze-Modus“ auf erkannte Ziele stürzen, zählen ebensowenig zur Zukunftsmusik sondern sind seit Jahren Realität. Die Proliferation dieser Technologie führt überdies dazu, daß Kampfdrohnen selbst durch asymmetrisch operierende Kräfte eingesetzt werden. Erst im Januar 2019 griffen Houthi-Rebellen im Jemen eine Militärparade an und töteten sechs Menschen, darunter einen hochrangigen Nachrichtendienst-Offizier. Der massenhafte Angriff mit Klein- und Kleinstdrohnen – sogenannte Schwarmangriffe – dürfte hierzulande bisher ebenfalls nur in kleineren Expertenzirkeln diskutiert werden. Er zählt aber zweifellos zu den realistischen Bedrohungen auf den Gefechtsfeldern der nahen Zukunft.
Höchste Zeit also, die Drohnendiskussion ohne Denkverbote anzugehen! Ja, wir brauchen eine entsprechende Debatte, wie Streit- und Sicherheitskräfte sich selbst und andere vor Bedrohungen durch UAS bzw. UAV schützen können. Und wir brauchen eine Debatte, wie sich Streitkräfte diese Technologie bei den eigenen Operationen zum Schutz eigener Kräfte zu Nutze machen können – auch bewaffnet.

Jan-Phillipp Weisswange

Mittwoch, 15. Mai 2019

Guerilla-Marketing: Concamo-Cooperation

Schwarzwald (ww) Vor gut einem Jahr kam ConCamo auf den Markt. Das von Matthias Bürgin entwickelte Tarnmuster setzt auf Effekte aus der Wahrnehmungspsychologie, um seine Träger vor feindlicher Aufklärung zu entziehen. Jetzt erreichen uns eindrucksvolle Bilder des „ConCamo Green“ im Gelände.
Bekleidung von UfPro, Ausrüstung von MD Textil und Tasmanian Tiger, Tarnmittel von nonvide, Schuhe von Lowa, Waffen von Heckler&Koch, Optiken und Laser-Licht-Module von I-E-A und Rheinmetall. (Foto: ConCamo)
Wie ConCamo mitteilt, konnte man mehrere namhafte Unternehmen für ein taktisches Fotoshooting gewinnen. Heckler&Koch stellte Handwaffen wie den aktuellen Stand der Sturmgewehre HK433 und G95K zur Verfügung.
 Heckler&Koch HK433 mit Reflexvisier EXPS3-0 und dem Vergrößerungsnachsatz G33 Booster von EoTEch  sowie dem Lasermodul L3 NGAL - alle drei von I-E-A MilOptics bereit gestellt. (Foto: ConCamo) 


Der slowenische Bekleidungsspezialist UfPro und die Ausrüstungshersteller Tasmanian Tiger und MD-Textil, der Tarnmittelspezialist nonvide sowie der Schuhhersteller Lowa statteten die Darsteller entsprechend aus.
HK SFP9-Optical Ready mit Laser-Licht-Modul LLM-PI von Rheinmetall, L3 GPNVG-18 "Quadeye" von I-E-A (Foto: ConCamo)

I-E-A MilOptics aus Nagold stellte Nachtsichttechnologie – darunter die legendäre „Quadeye-Nachtsichtbrille" - sowie Laser-Licht-Module und ein „HMMWV“-Fahrzeug zur Verfügung.

Der "HUMVEE" brachte Bewegung in die Bilder! (Foto: ConCamo)
Und auch Rheinmetall war mit an Bord. Die Experten der Rheinmetall Soldier Electronics in Stockach lieferten das Lasermodul Variable Tactical Aiming Laser (VTAL), das Laser-Lichtmodul LLM-PI für Pistolen und das Scharfschützen-Anbaugerät TAC-Ray Ballistic zu dem Shooting.
Rheinmetall-Lasermodul VTAL am HK G95K (Foto: ConCamo)

Gut zwei Tage drehte und fotografierte das Kamerateam die Darsteller und setzte dabei alle Produkte in Szene. Die Ergebnisse lassen sich auf den Internet-Auftritten und auf den Social-Media-Kanälen der beteiligten Unternehmen betrachten.

www.concamo.com
www.heckler-koch.de
www.i-e-a.de
www.lowa.de
www.md-textil.info
www.nonvide.com
www.rheinmetall-defence.de
www.tasmaniantiger.info
www.ufpro.si
 

Montag, 13. Mai 2019

HKG38 für die Polizei Hessen - Mitteldistanzwaffen in zwei Konfigurationen


Wiesbaden (ww) Die  hessische Polizei hat Heckler&Koch mit der Lieferung von Mitteldistanzwaffen beauftragt. Insgesamt sollen rund 2.000 G38 in einer hessischen Version beschafft werden. Die hessische Polizei führt damit demnächst flächendeckend eine moderne Mitteldistanzwaffe (MDW) im Kaliber 5,56mm x 45 ein. Über das Vorhaben hatte der S&T-Blog bereits berichtet.


Halbautomatisches G38 mit 90-Grad-Sicherung, 14.5"-Lauf, Slim-Line-Handschutz und als MDW Set 1 mit Aimpoint CompM4 (Foto: HK)

Das G38 MDW Hessen verfügt über einen 14.5“-Lauf, einen Slim-Line-Handschutz mit HKey-Schnittstellen und eine halbautomatische Abzugsgruppe mit 90-Grad-Sicherung. Die Waffen werden im Farbton schwarz ausgeliefert.
Die Mitteldistanzwaffen-Sets kommen in zwei Konfigurationen:
Das Mitteldistanzwaffen-Set 1 verfügt über ein Aimpoint  Comp M4-Reflexvisier. Bis zu 1.614 Waffen sollen in dieser Version ausgeliefert werden.
Das Miteldistanzwaffen-Set 2 wird über ein Steiner M5Xi-Zielfernrohr Sondermodell Hessen verfügen. Von dieser Konfigurtaion sollen bis zu 391 Waffen kommen.
HK G38 MDW Set 2 mit Steiner-ZF 5Xi Modell Hessen (Foto: HK)
Zum weiteren Zubehör gehören Waffenleuchten (Streamlight), Vordergriffe sowie Umhängetaschen für Magazine und weitere Ausrüstung. Dazu kommen KFZ-Aufbewahrungsboxen, Prüf-, Mess- und Spezialwerkzeug, Schulungen für technisches Personal sowie Schulungen der Einsatztrainer. Ebenso sind Markierungssysteme Teil des Lieferauftrags.
Die Auslieferung der ersten Mitteldistanzwaffen-Sets ist für Ende 2019 geplant.

Samstag, 11. Mai 2019

Lynx KF41 im neuen Look

Unterlüß (ww) Der Lynx KF41 gehört zu den derzeit modernsten modularen mittelschweren Gefechtsfahrzeugfamilien weltweit. Seine Premiere feierte er auf der Eurosatory 2018. Am 10. Mai 2019 gab Hersteller Rheinmetall der Fachpresse am Standort Unterlüß nun ein aktuelles Update zum Lynx. Dabei trat die Schützenpanzer-Variante mit dem Lance-Turm 2.0 in einer neuen Tarnlackierung in Erscheinung.

Lynx KF41 mit Lance 2.0-Turm in der Lüneburger Heide (Foto: JPW)

In dieser aktuellen Variante kommt Lynx KF41 (KF steht für „Kettenfahrzeug“) demnächst zur Fachmesse IDET 2019 nach Tschechien. In dem deutschen Nachbarstaat  geht er ins Rennen um die Nachfolge für den Schützenpanzer BMP 2. Bis 2026 wollen die tschechischen Streitkräfte ihre 7. Mechanisierte Brigade mit einer modernen Fahrzeugfamilie ausstatten. Bei dem Auswahlverfahren arbeitet Rheinmetall eng mit einigen namhaften tschechischen Unternehmen zusammen.
Derzeit kann eine 30mm- oder 35mm-Maschinenkanone mit Luftsprengpunktfähigkeit eingerüstet werden (Foto: JPW)

Wie Rheinmetall im Zuge seines Pressetermins weiterhin mitteilte, bewirbt sich die vielseitige Plattform darüber hinaus in Australien (Land 400 Phase 3) und den USA (Next Generation Combat Vehicle - Optionally Manned Fighting Vehicle (NGCV-OMFV) als Gefechtsfahrzeug der neuesten Generation. Auch in anderen Staaten bestehe hohes Interesse.
Maschinengewehr RMG762 als Koaxialwaffe, Mission-Pod mit Eurospike an der linken Turmseite, Sensoren des Rundum-Überwachungssystems und die Werfer des Schnellnebelschutzsystems lassen sich hier erkennen. (Foto: JPW)

Lynx lässt sich aufgrund seiner Modularität an unterschiedlichste Nutzeranforderungen anpassen. Weiterhin kann Rheinmetall als international agierendes Systemhaus bei der Umsetzung von Rüstungsvorhaben eng mit der wehrtechnischen Industrie der Partnerländer zusammenarbeiten.

Lynx – Access to the denied Battlefield!
Lynx wurde von Beginn an als modulare Fahrzeugfamilie entwickelt. "Access to the denied Battlefield", lautete der Anspruch Rheinmetalls dabei. In dieser Konsequenz standen Überlebensfähigkeit, Beweglichkeit, Wirksamkeit und Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Lynx  soll sich für alle Operationsarten eignen – von der friedensstabilisierenden Mission bis hin zum hochintensiven Gefecht.
Premiere auf der Eurosatory 2018: Das Lynx KF41 als Schützenpanzer...(Foto: JPW)
Der Schützenpanzer Lynx KF41 bietet bei einem Gewicht von über 40 Tonnen hohe Nutzlast und großes Innenraumvolumen. Er kann neben einer drei Mann starken Besatzung einen bis zu neun Mann starken Schützentrupp aufnehmen.

Der Lynx lässt sich dank seiner modularen Architektur einfach und schnell für andere Einsatzzwecke konfigurieren. Bei der Plattform stehen bis zu 14 Tonnen konfigurierbare Nutzlast zur Verfügung. Neben dem Schützenpanzer sind mehrere Varianten verfügbar: Führungsfahrzeug, Spähpanzer, Pionierpanzer, Gefechtsschadensinstandsetzung oder Sanitätspanzer– und diese sind nur ein Teil der vielseitigen Lynx-Familie. Ein Missionsmodulwechsel lässt sich innerhalb weniger Stunden bewerkstelligen – das führte Rheinmetall bereits der Eurosatory 2018 vor.
...und als Gefechtsstandfahrzeug (Foto: JPW)
Der in der Schützenpanzerversion verbaute Lance-Turm verfügt als Hauptbewaffnung über eine stabilisierte und luftsprengpunktfähige Maschinenkanone, wahlweise im Kaliber 30mm oder 35mm. Damit kann der Lynx Ziele mit hoher Präzision und Wirkung auf bis zu 3.000 Meter – auch aus der Bewegung – hocheffizient bekämpfen. Im Zusammenhang mit dem US-Vorhaben NGCV-OMFV wird derzeit sogar eine 50mm-Maschinenkanone erwogen. Einerseits gibt es US-Entwicklungen wie die XM913, andererseits kann  Rheinmetall bereits eigene Expertise aufweisen - etwa mit der gegen Ende des Kalten Krieges für den Schützenpanzer Marder 2 entwickelten RH503.
Das Laufwerk verfügt über sechs Laufrollen. An der linken Turmseite befindet sich ebenfalls ein Mission-Pod, hier mit Eurospiek-Panzerabwehrlenkflugkörpern bestückt. Der Fahrer sitzt vorne links in der Wanne. (Foto: JPW)

Neben der Koaxialbewaffnung kann das Kommandantenperiskop mit einer weiteren Waffe bis hin zu 40mm x 53 ausgestattet werden. Das verleiht dem Lynx eine "Killer-Killer"-Fähigkeit - Kommandant und Richtschütze können nicht nur unabhängig voneinander beobachten und sich Ziele zuweisen ("Hunter-Killer"), sondern auch eigenständig bekämpfen. Ebenso lassen sich unterschiedliche Panzerabwehrlenkflugkörper sowie weitere Effektoren wie beispielsweise ferngesteuerte Waffenstationen, elektronische Gegenmaßnahmen, Drohnen usw. in den Lance-Turm einrüsten.
Die in Unterlüß gezeigte Schützenpanzer-Konfiguration wies zwei Luken im hinteren Bereich für den Kampf über die Bordwand auf. (Foto: JPW)


Zwei Generatoren versorgen die elektronische Architektur des Lynx mit CANbus, Generic Vehicle Architecture, Integrated Computing System, Land Data Model und Gefechtsführungssystem WINBMS sowie die übrigen elektronischen Geräte mit Energie. 
Der Lynx zeichnet sich durch hohe Beweglichkeit auch in schwerem Gelände aus. Er bietet die neueste Antriebstechnologie mit einer 850 kW (1140 PS) starken Liebherr-Maschine und einem Renk-Getriebe. Das flexible drehstabgefederte Laufwerksystem ermöglicht dem Lynx KF41, bei unterschiedlicher Konfiguration mit Missionsausstattungen und Schutzkits in seiner Fahrzeugklasse höchst beweglich zu bleiben. Wahlweise kann eine Metall- oder eine Gummikette eingesetzt werden.

Lynx im Lufttransport
Auch seine strategische Verlegefähigkeit mit der Antonov AN-124 und der C-17 Globemaster stellte der Lynx KF41 bereits unter Beweis. Wenige Wochen nach seiner Premiere auf der Eurosatory 2018 in Paris absolvierte er seine ersten interkontinentalen Lufttransporte.
Im August 2018 stellte Rheinmetall Lynx im südaustralischen Adelaide auf der Land Forces Conference als Bewerber für das Rüstungsprojekt Land 400 Phase 3 vor. In dessen Rahmen wollen die australischen Streitkräfte bis zu 400 moderne Schützenpanzer in neun verschiedenen Varianten beschaffen, darunter 17  neuartige Räumpanzer (Manouvre Support Vehicles). Ende Februar 2019 hat Rheinmetall sein Angebot  für Land 400 Phase 3 eingereicht.
Lynx KF41 im Lufttransport per Antonov AN-124 (Foto: Rheinmetall)
Das tschechische Ostrava bildete die nächste Etappe der Flugreise. Rheinmetall flog den Lynx KF41 direkt dort ein, um ihn im September 2018 auf den NATO Days zu präsentieren. 210 neue mittelschwere Gefechtsfahrzeuge stehen für die oben erwähnte BMP 2-Nachfolge in Rede. Dieses Projekt stößt auch bei den tschechischen Nachbarstaaten auf hohes Interesse
Aus Tschechien verlegte der Lynx dann nach Washington DC., um im Oktober 2018 an der Fachmesse AUSA  teilzunehmen. Rheinmetall und das U.S.-Unternehmen Raytheon wollen gemeinsam das Rüstungsvorhaben NGCV-OMFV der U.S. Army angehen. Mit diesem Vorhaben möchte die U. S. Army ab 2026 ihre gesamte Bradley-Flotte ablösen – mehrere tausend Fahrzeuge.


www.rheinmetall-defence.de

Dienstag, 30. April 2019

Alles Gute zum Camerone-Tag!

Aubagne (ww) Die Legion Etrangere begeht heute ihren jährlichen Camerone-Tag. Damit erinnert sie an das Gefecht bei Camerone am 30. April 1863 in Mexico, in dessen Rahmen 62 Legionäre und drei Offiziere der französischen Fremdenlegion gegen eine vielfache Übermacht der mexikanischen Streitkräfte  antraten.
Cameronetag 2019: Die Patrouille de France über dem Monument aux Morts in Aubagne (Bild: Legion Etrangere)


Zwar verloren sie dieses Gefecht, ermöglichten durch ihr Opfer aber, daß ein französischer Versorgungskonvoi die eigenen Truppen bei der Belagerung der Stadt Puebla erreichte. Diese konnte rund zwei Wochen später genommen werden.
Der Camerone-Tag gilt als Sinnbild für Opferbereitschaft und Treue und ist der höchste Feiertag der Fremdenlegion. Der Strategie&Technik-Blog wünscht den Kameraden Legionären stets viel Erfolg für ihre Einsätze und stets eine sichere Rückkehr in die Heimat.

Neuer technologischer und taktischer Standard für den Büffel - Niederlande modernisieren Bergepanzer-3-Flotte

Soesterberg/Niederlande, Düsseldorf (ww) Das Königlich niederländische Heer bringt seine Bergepanzer-3-Flotte „Büffel“ auf einen neuen technologischen und taktischen Standard. Ein entsprechender Auftrag wurde am 18. April 2019 an Rheinmetall erteilt. Die Arbeiten beginnen sofort.  Zunächst sollen in einer ersten Phase vier Fahrzeuge kampfwertgesteigert werden. In einer zweiten Phase sollen 21 weitere Fahrzeuge entsprechende Modernisierungsmaßnahmen durchlaufen.
Mit dieser Nutzungsdauerverlängerung wird der NATO-Partner Niederlande die von Rheinmetall entwickelten, auf dem Leopard 2-Fahrgestell basierenden und einsatzbewährten Fahrzeuge zur Unterstützung der Kampftruppenverbände bis 2040 einsetzen. Die ersten Fahrzeuge werden Anfang 2021 an die Koninklijke Landmacht übergeben.
Studie des modernisierten Bergepanzers 3 "Büffel" (Grafik: Rheinmetall)
Die Modernisierungsmaßnahmen werden in Rheinmetall-Standorten in Deutschland und im niederländischen Ede durchgeführt. Sie umfassen eine komplette Grundüberholung der einzelnen Bergepanzer sowie die Umstellung auf ein neues digitales Bedienkonzept, die Einrüstung moderner Sichtmittel, Missionspakete mit ballistischem und Minenschutz sowie die Ausstattung mit neuen Gefechtsfeldbergeeinrichtungen und Universaltrageplattformen. Dazu kommen technische Dokumentation, Ausbildung und weitere Serviceleistungen.
Die niederländischen Streitkräfte erhalten durch die Nutzungsdauerverlängerung einen Bergepanzer der modernsten Konfiguration mit einem signifikanten Fähigkeitszuwachs. Die neuen Schutzmaßnahmen am und im Fahrzeug bieten der Besatzung ein Höchstmaß an Sicherheit vor den Bedrohungen auf den heutigen Gefechtsfeldern. Modernste Sichtmittel sowie digitale Bedienelemente und Führungssysteme unterstützen die Besatzung bei der Auftragserfüllung. Weiterhin steigert die neue Gefechtsfeldbergeeinrichtung den taktischen Einsatzwert. Sie wird  von der Fahrzeugvorderseite an das Heck verlagert. Damit ist es möglich, die gepanzerten Gefechtsfahrzeuge des Königlich Niederländischen Heeres wie Bushmaster, Boxer, Schützenpanzer CV 90, Panzerhaubitze 2000, Brückenleger Leguan, Pionierpanzer Kodiak sowie den Kampfpanzer Leopard 2 im Schadensfall unter Schutz anzukoppeln und in Vorwärtsfahrt mit zügiger Geschwindigkeit vom Gefechtsfeld zu bergen. Weiterhin erhält die modifizierte Version des Bergepanzers 3 Büffel eine flexibel nutzbare Universaltransportplattform auf dem Fahrzeugheck. Hierdurch kann er beispielsweise weitere Ausrüstung zum Bergen anderer Fahrzeuge mitführen. Die neue Ausstattung hat sich bereits im Einsatz bewährt.
Mit diesem Auftrag setzt sich ein neuer Standard für moderne Bergepanzer durch. Erst im Dezember 2018 hatte die Bundeswehr Rheinmetall mit der Modernisierung ihrer Bergepanzer-3-Flotte beauftragt, um sie so an die aktuellen Einsatzszenarien anzupassen. Ähnliche Missionskonfigurationen sind bei dem NATO-Partner Kanada sowie bei den schwedischen Streitkräften in Nutzung.


www.rheinmetall.com

Dienstag, 16. April 2019

Blackhawk T-Series - eine neue Holstergeneration aus Montana

Bozeman, Montana/USA, Mellrichstadt (ww) Blackhawk bringt seine neue Holstergeneration "T-Series" heraus. Die jetzt vorgestellte Baureihe gibt es mit Level 2- und Level 3-Sicherung. Den Deutschlandvertrieb für Behörden und Großkunden übernimmt die Helmut Hofmann GmbH aus Mellrichstadt. Die T-Series bietet mehrere Neuerungen: Zum einen besteht der Holserkörper aus einer Verbindung zweier Kunststoffe, zum anderen kommt ein neues, innen liegendes Entriegelungssystem zum Einsatz und zum dritten verfügen die Holster über eine neue Gürtelhalterung.



Blackhawk T-Series Holster Level 2 (l.) und Level 3 (Foto: JPW)
Dank der "Dual-Shot"-Formtechnologie bestehen die T-Series-Holster aus einem glasfaserkunststoffverstärkten Exoskelett mit einem aus weicherem Kunststoff bestehenden Innenkörper. Das soll zum einen Stabilität bieten, zum anderen die Abnutzung der Waffenbeschichtung bei den Zieh- und Holstervorgängen vermeiden.
Sowohl bei Level 2- als auch bei Level 3-Sicherung schützt ein in den Abzugsbügel greifender Zapfen die geholsterte Waffe vor unberechtigtem Zugriff. Bei den Level-3-Holstern bietet ein federnd gelagerter klappbarer Verschlussbügel zusätzliche Sicherheit. Bei beiden Sicherheitsstufen erfolgt die Entriegelung der Waffe anders als bei Blackhawks populärer Serpa-Baureihe nicht mit dem Abzugsfinger, sondern mit dem Daumen der Schusshand. 


Die ein- bzw- zweiteilige Sicherungstaste liegt auf der zum Körper weisenden Waffenseite und wird beim Ziehen Richtung Waffe gedrückt. (Foto. JPW)
Zieht der Schütze die Waffe, wird sein Daumen beim Ziehvorgang über einen Kanal auf eine gefederte Taste geführt, die er beim Greifen in Richtung Waffe drückt. Hierdurch bewegt sich der Sicherungszapfen aus dem Abzugsbügel der Waffe heraus und gibt diese somit frei. Bei der Level-3-Sicherung ist der Tastenmechanismus zweiteilig ausgeführt. Hier klappt durch einen Druck auf die größere Taste zunächst der Haltebügel nach vorne, zugleich bewegt die größere Taste eine weitere kleinere, die wiederum den Sicherungszapfen aus dem Abzugsbügel bringt. Die Waffe lässt sich somit sofort ziehen. Verbleibt sie aber im Holster bzw. wird nach dem Ziehvorgang wieder ins Holster gebracht, bleibt die Waffe trotz geöffneten Verschlussbügels weiter gegen fremden Zugriff gesichert.
Blackhawk und der Deutschlandimporteur Helmut Hofmann stellten uns je ein Level 2- und Level 3-Testexemplar zur Verfügung. Diese sind für die Modelle Glock 17, 19, 22, 23, 34 und 35 ausgelegt. Darüber hinaus passt auch die Glock 46 einwandfrei. Bei Trockenübungen erwies sich der Ziehvorgang als intuitiv und schnell. Wie bei anderen Systemen auch, gilt natürlich: Vor der Nutzung sollte sich der Waffenträger mit der Konstruktion vertraut machen und den Ziehvorgang üben, um das Muskelgedächtnis daran zu gewöhnen. Beherrscht er das System, ist er in Sekundenbruchteilen feuerbereit.
Auch bei geöffnetem Verschlussbügel bleibt die Waffe im Holster gesichert (Foto: JPW)
Die Gürtelhalterung lässt sich auf Koppel von bis zu 5,5 cm Breite aufschlaufen. Zum Lieferumfang der Holster gehören ein Abstandshalter ("Spacer") einschließlich dreier längerer Schrauben, um den Holsterkörper etwas weiter von der Gürtelhalterung nach außen montieren zu können. Das ist besonders für Einsatzkräfte interessant, die Schutzwesten oder taktische Ausrüstung tragen. Ein weiteres Merkmal: Die T-Series-Modelle zeigen sich mit dem Zubehör der Serpa-Baureihe kompatibel. So lässt sich beispielsweise das Quick-Disconnect-System weiter nutzen.  Blackhawk hat darüber hinaus neues Zubehör, wie etwa ein schlankeres Quick Disconnect System in Arbeit.
Als erste Modelle der T-Series brachte Blackhawk die für die Glock-Pistolen passenden Holster heraus. Es folgen solche für die Smith&Wesson M&P und die SIG P320, nach und nach sollen T-Series-Holster für alle gängigen Waffentypen verfügbar sein. Des weiteren sind Holstermodelle für Pistolen mit montierten taktischen Leuchten (SureFire X300, Streamlight TLR7/8 und TLR 1/2 sowie Glock GTL) bereits in Arbeit.
Wir werden weiter über unsere Langzeit-Erfahrungen mit der neuen T-Serie berichten. Abschließend gilt unser Dank Chuck Buis (Blackhawk) und Alexander Köhler (Helmut Hofmann) für Infos und Testmodelle.
www.blackhawk.com
www.helmuthofmann.de


Donnerstag, 11. April 2019

Kostümkunde/Gearcheck: Fernspäher der Bundeswehr im Beobachtungsversteck

Oberlausitz (ww) Eine schöne Bilderserie stellte kürzlich die Bundeswehr auf ihren sozialen Medien ein - Fernspäher der Luftlandeaufklärungskompanie 260 in der Oberlausitz! Eines davon zeigt das Leben im Beobachtungsversteck.
Fernspäher im Beobachtungsversteck (Foto: Bundeswehr/Christian Vierfuß)
Der Späher trägt die von Herstellern wie Leo Köhler oder Scharrer hergestellte  Einsatzkampfbekleidung für Spezialkräfte im Fünf-Farb-Tarndruck und ein modulares Chest-Rig aus dem Hause Lindnerhof-Taktik. An diesem ist ein schwarzes Glock-Feldmesser angebracht. Die schallgedämpfte Maschinenpistole MP5SD von Heckler&Koch steht griffbereit. Bei dem Funkgerät handelt es sich um das Thales AN/PRC-148 MBITR. Zur Energieversorgung dient die Jenny600S-Brennstoffzelle sowie ein Power-Manager 3G von SFC, die hier beide auf dem Berghaus-Rucksack zu erkennen sind.
Als weitere Bewaffnung dient den Fernspähern das HK G36KA4, erkennbar an der modifizierten Visierschiene und der verstellbaren Schulterstütze. Die Waffen tragen das EoTech-Optikpaket aus EXPS3-0 und Vergrößerungsnachsatz G33, deren Behördenvertrieb in Deustchland von I-E-A übernommen wird. Die 3M-Peltor-Sprechsätze bieten zugleich aktiven Gehörschutz. Die Schutzbrillen stammen von Oakley.
Spähtruppführer (l.) bei der Lageeinweisung (Foto. Bundeswehr/Christian Vierfuß)
Ein weiteres interessantes Detail aus der Bilderserie sind die modifizierte Feldbluse des Spähtruppführers (eventuell von Atlas Taktik?) sowie dessen Schlauchschal von Cypres. Cypres ist natürlich kein Bekleidungshersteller, sondern Weltmarktführer bei Fallschirm-Notauslösungssystemen.
Ursprünglich verfügte die Bundeswehr über drei Fernspähkompanien - eine pro Korps. Dies waren die Fernspähkompanie 100 (Braunschweig, später Celle), 300 (Fritzlar) und die Fernspählehrkompanie 200 in Weingarten (später Pfullendorf). 100 und 300 fielen bereits den ersten Umstrukturierungen in den 1990er Jahren zum Opfer. Zuletzt traf es die FSLK200, die nicht mehr in die Strukturen passte. Heute gibt es Fernspäher in den beiden Luftlandeaufklärungskompanien (jeweils ein Zug) sowie im Kommando Spezialkräfte.
Es bleibt zu hoffen, daß die Bundeswehr wieder eigenständige Fernspähkompanien aufstellt. Die Auflösung der Fernspähtruppe als Augen und Ohren der Korpsebene und Element der strategischen Aufklärung erwies sich letztlich ähnlich weitsichtig wie die Abschaffung der Heeresflugabwehrtruppe.
Glück ab und Horrido an alle ehemaligen und amtierenden Späher!


www.bundeswehr.de
www.traka-fernspaehtruppe.de
www.diekommandos.de

Montag, 8. April 2019

Zu-Gleich: Bundeswehr bestellt 155mm-Geschosse DM121 bei Rheinmetall

Koblenz/Düsseldorf (ww) Die Bundeswehr hat Rheinmetall mit der Lieferung von Artilleriemunition beauftragt. Die Lieferung von über 32.000 Stück der 155mm-Geschosse DM121 soll noch dieses Jahr beginnen.
Die Panzerhaubitze 2000 beim Feuerschlag (Foto: JPW)
Die DM121 lässt sich aus der Panzerhaubitze 2000 auf bis zu 30 Kilometer Reichweite verschießen. Das von Rheinmetall entwickelte wirkmassenoptimierte Geschoss DM121 bringt mehrere Kilogramm Hochleistungssprengstoff auf eine Entfernung von 30 Kilometern mit höchster Präzision sicher ins Ziel. Auf maximale Entfernung schlagen circa 85 Prozent aller Projektile auf der Fläche in der Größe eines Fußballfeldes ein. Aufgrund des Zusammenspiels der hochwertigen Komponenten ist die DM121 in der Lage, mehrere Zentimeter Stahlbeton zu durchschlagen und dahinter kontrolliert umzusetzen. Durch die gewährleistete Funktion im Temperaturbereich von -46°C bis +63°C lässt sich die DM121 weltweit mit konstanter hoher Leistung einsetzen. Der insensitive Sprengstoff erreicht nicht nur eine beachtliche Wirkung im Ziel, sondern gewährleistet auch den Schutz der eigenen Kräfte bei Munitionstreffern oder anderweitigen Vorfällen.
Das Geschoss DM121 (Grafik: Rheinmetall)
Das Sprenggeschoss mit insensitiven Eigenschaften wird auch für Ausbildung und Übung genutzt. Daraus ergibt sich ein jährlicher Verbrauch von einigen tausend Geschossen. Der jetzt geschlossene Rahmenvertrag über die 32.000 DM121-Geschosse hat einen Wert von rund 109 MioEUR (brutto). Es besteht die Option für weitere 11.000 Stück im Wert von rund 37 MioEUR (brutto). Insgesamt hat der Vertrag eine Laufzeit von fünf Jahren. Herstellung und Lieferung der 155-mm-Artilleriemunition erfolgt durch die Rheinmetall Waffe Munition GmbH in Unterlüß/Niedersachsen. Die jetzt beauftragte Lieferung folgt einer ersten 2009 bestellten Charge von 30.000 Geschossen.



Freitag, 5. April 2019

Nicht Fort laufen! Wagt einen Job bei der Volks-Armee! Wer macht beim Bund mit?

Köln/Wolfsburg/Berlin (ww) In Zeiten, in denen es in der Medienwelt mehr auf schnelle bunte Bildchen und viele Klicks denn auf Inhalte ankommt, wollte ich den derzeitigen bundeswehrbezogenen Aufreger eigentlich nicht weiter auswalzen. Dennoch ein kurzer Zwischenruf von meiner Seite - ich hoffe, daß meine Überschrift hierfür provokativ genug ist.
(Screenshot von Instagram)
Was ist geschehen? Mit auf Polygontarn-Plakaten prangenden Slogans "Job Fort" bzw. "Jetzt Job fürs Volk wagen" - "Mach was wirklich zählt" fuhr die stolze Streitmacht am Donnerstag vor den Werkstoren bei Ford in Köln und VW in Wolfsburg auf, wo derzeit einige Tausend Arbeitnehmer um ihre Existenz bangen. Sinn der Aktion: Berufliche Alternativen zur Arbeitslosigkeit aufzeigen.
Nun ist der Kampf um die besten Köpfe eine strategische Herausforderung - seit Aussetzen der Wehrpflicht allzumal. Aber bei aller Kameradschaft: Ich halte solche Aktionen für einer staatsbürgerlichen Armee unwürdig. Was für eine Botschaft trägt denn die teuer beratene Bundeswehr da nach außen? Hurra, die wirtschaftliche Rezession ermöglicht endlich unsere Trendwende Personal?
Der Zweck, höhere Kopfzahlen verbuchen zu können, heiligt nicht alle Mittel. Zudem ist der Dienst als Soldat eine Berufung und kein bloßer Job. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Natürlich darf und soll die Bundeswehr denjenigen, die ihre Arbeit verloren haben, eine Perspektive bieten. Daß meine antiquierten Vorstellungen von Dienst an der Gesellschaft und Ehrenkleid heute kaum noch was gelten, ist mir schon bewusst. Aber es gibt sicherlich andere Wege. Und abgesehen davon:Aus sicherheitspolitischer Sicht halte ich es für aussichtsreicher, aufwuchs- und durchhaltefähige Streitkräfte anders zu organisieren, als auf einen Konjunkturabschwung zu hoffen.
Dies aber nur als kurzer sicherheitspolitischer Impuls von meiner Seite dazu. Im übrigen verweise ich auf die kluge Analyse des Kollegen und Kameraden Sascha Stoltenow, der deutlich mehr und kompetenter in der moderen Medienwelt zu Hause ist, als ich es bin. Sein Beitrag "Mit großer Macht kommt große Verantwortung" lässt sich unter >>>diesem Link auf dem Bendler-Blog<<< nachlesen.
Schönes Wochenende allerseits!