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Mittwoch, 20. Mai 2020

Nächster MGCS-Meilenstein: KMW, Rheinmetall und Nexter mit Studie zur Systemarchitektur beauftragt


Berlin, Paris, München, Versailles, Düsseldorf (ww) Das gemeinsame deutsch-französische Rüstungsvorhaben Main Ground Combat System (MGCS) hat einen weiteren Meilenstein erreicht. So ist zum 20. Mai 2020 aufgrund der Covid-19-Ausnahmesituation postalisch die Studie zur Systemarchitektur beauftragt worden. 

Panzer der Zukunft faszinieren etliche Render-Künstler im Netz (Grafik: unbekannter Autor/Wallpaper Abyss)

Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) aus den beteiligten Firmen Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG (KMW) und Rheinmetall AG auf deutscher sowie Nexter Systems auf französischer Seite soll nun mit einer ersten Studie („System Architecture Definition Study - Part 1/SADS Part 1") für dieses Landkampfsystem der Zukunft beginnen. Ziel dabei ist es, die finalen MGCS-Konzepte der vorangegangenen bilateralen Studienphase zu harmonisieren, weitere Details zu analysieren und eine gemeinsame plattformübergreifende Architektur vorzuschlagen. Die drei Vertragspartner werden dabei mehrere Aspekte verschiedener Konzepte bewerten: die technische Machbarkeit über den gesamten absehbaren Zeitraum des Programms, die Fähigkeit, die Einsatzanforderungen beider Streitkräfte zu erfüllen, Effizienz und Kompatibilität mit den jeweiligen nationalen Führungssystemverbunden (SCORPION in Frankreich und D-LBO in Deutschland). Die Arbeitsanteile dieser SADS Part 1-Studie sollen jeweils zu gleichen Teilen (50:50) auf Deutschland und Frankreich entfallen. Die erste Phase dieser Architekturarbeit soll 18 Monate dauern.
Die Entwicklung des neuen „duellfähigen Landkampfsystems“ steht unter deutscher politischer Führung. Das MGCS soll ab 2035 die Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc beim deutschen bzw. bei dem französischen Heer ablösen. Auf dem deutsch-französischen Ministerratstreffen am 16. Oktober 2019 in Toulouse hatten die Verteidigungsministerinnen beider Länder, Florence Parly und Annegret Kramp-Karrenbauer, ihr Engagement für die Entwicklung des MGCS bekräftigt. Die Vorbereitung zum MGCS startete dann im Dezember 2019 mit der Gründung der ARGE. Der entsprechende Vertrag zwischen den drei Unternehmen und dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnologie und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), das stellvertretend für Deutschland und Frankreich agiert, wurde jetzt am 20. Mai 2020 geschlossen. Er ist der industrielle Startschuss für den ersten Schritt des MGCS-Konzeptes. Die ARGE ist als Gesellschaft nach deutschem Recht in der ersten Phase des Programms der Vertragspartner des öffentlichen Auftraggebers BAAINBw. Die drei Unternehmen sind in der ARGE mit gleichen Teilen vertreten (jeweils 1/3).
www.kmweg.de
www.nexter-group.fr
www.rheinmetall.com

Freitag, 15. Mai 2020

Noch bis Sonntag #Engergyforthefrontline - Tacwrk und 5.11-Charity-Tombola für Einsatzkräfte

Berlin (ww) Gerne weise ich hier auf eine Aktion des taktischen Händlers Tacwrk aus Berlin in Kooperation mit 5.11 hin. Dort läuft noch bis Sonntag unter dem Hashtag #Energyforthefrontline eine Tombola, deren Erlös den Einsatzkräften aus Blaulichtorganisationen und Bundeswehr zu Gute kommt, die derzeit gegen Covid-19 kämpfen.

5.11 Tactical will mit dieser Kampagne 50 Millionen Kcal in Form von 5.11 EnergyPacks an Einsatzkräfte und systemrelevante Einrichtungen in ganz Europa spenden. Ziel der Tacwrk-Tombola ist es nun, die Zahl der essentiellen EnergyPacks zu vervielfachen und kostenlos an Kunden aus dem Behördenbereich und entsprechenden Institutionen zu verteilen.
Ein Tombola-Los kostet einen Euro und kann online über den Tacwrk-Shop bezogen werden. Zu gewinnen gibt es Preise im Wert von 5.000 Euro.

Nähere Informationen zu dem Gewinnspiel, den Teilnahmebedingungen und alternative Teilnahme gibt es im TACWRK Blog . Zu der Aktion selbst geht es hier

Dienstag, 12. Mai 2020

Kostümkunde/Gearcheck: Das Barett kommt in die Bundespolizei zurück

Fuldatal/Potsdam (ww) In der Bundespolizei hält das Barett wieder Einzug. So werden zunächst die geschlossenen Einheiten mit der traditionellen und repräsentativen Kopfbedeckung ausgestattet.
Die jetzt ausgegebenen Barette sind in dunkelblauer Farbe ausgeführt und verfügen über ein Metallemblem, welches den Bundesadler im Mützenstern zeigt. Das Abzeichen wird über dem linken Auge getragen.
Das neue dunkelblaue Barett, hier von Kollegen der Bundespolizeiabteilung Blumberg getragen.
(Foto: Bundesbereitschaftspolizei)
Mit der Umkleidung der Bundespolizei von den grünen auf die blauen Uniformen war das zu Dienst-, Mehrzweck- und Einsatzanzug getragene moosgrüne Barett mit Stoffemblem zunächst entfallen. Stattdessen wurde eine Basecap ausgegeben. Diese ist zwar praktisch (und bleibt vorerst auch im Bestand), aber ohne Zweifel nicht so repräsentativ wie das Barett.
Das Barett hatte im damaligen Bundesgrenzschutz in den frühen 1980er Jahren die bis dahin getragene Bergmütze abgelöst.
Die historischen Kopfbedeckungen: Bergmütze, moosgrünes Barett und das jägergrüne Barett der GSG9. (Foto: JPW)
Zuvor hatte lediglich die Grenzschutzgruppe 9 ein Barett erhalten: Jägergrün und mit dem seinerzeit auch an der Schirmmütze über der Kokarde im Eichenlaubkranz getragenen Bundesadler als Emblem. Die GSG9 der Bundespolizei hat dieses Barett bis heute.
www.bundespolizei.de

Montag, 11. Mai 2020

Fuchs 1A8 KAI und Route Clearance System - neue Kampfmittelabwehrmultiplikatoren für die Bundeswehr

Koblenz (ww) Erst kürzlich hatten wir dem Transportpanzer Fuchs zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum gratuliert. Eine noch verhältnismäßig neue Version läuft derzeit der Truppe zu, nämlich der TPz Fuchs 1A8 Kampfmittelaufklärung und -identifizierung (KAI). Die Auslieferung der Seriensysteme erfolgt derzeit und soll noch 2020 abgeschlossen werden. Das Auftragsvolumen liegt bei einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag.
Der Truppenpanzer Fuchs KAI bei der Kampfmittelaufklärung mit ausgefahrenem Multifunktionsarm.
(Foto: Gerd Benndorf/Bundeswehr)
Das von Rheinmetall neu entwickelte, hoch komplexe und leistungsfähige System soll zum Schutz der Truppe vor  Kampfmitteln, Minen und Sprengfallen (Improvised Explosive Devices, IED) beitragen. Der TPz Fuchs 1A8 KAI hat ein Gefechtsgewicht von 23,5 Tonnen und erreicht dank seiner 320 PS Triebwerksleistung eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Die Besatzung besteht aus vier Soldaten. Dank einer leistungsfähigen Optronik und eines mehrgliedrigen, präzisen und vielseitigen Manipulatorarms mit Hochleistungssensorik können die Kampfmittelabwehrkräfte der Pioniertruppe verdächtige Objekte aus sicherer Entfernung aufklären, markieren, freilegen und identifizieren. Insgesamt sieben Transportpanzer Fuchs in der Variante KAI wurden durch die deutschen Streitkräfte beauftragt, vier sind davon bereits ausgeliefert.
Bei dem Trägerfahrzeug des KAI handelt es sich um die derzeit modernste Ausführung 1A8 des bewährten Transportpanzers. Diese verfügt über einen hohen Schutz gegen Minen und Sprengfallen sowie über moderne Schutzelemente und Minenschutzsitze zur Entkoppelung der Besatzung vom Wannenboden.


Der lange Arm der Kampfmittelbeseitiger
Hervorstehendes Merkmal der Fuchs KAI-Variante ist der bereits erwähnte mehrgliedrige, hochpräzise Manipulatorarm mit über zehn Meter Arbeitsreichweite und hoher Tragkraft von 400 kg. Dieser ermöglicht es den Kampfmittelabwehrkräften, aus dem TPz KAI heraus verdächtige Stellen abstandsfähig zu untersuchen und Kampfmittel sowie Sprengfallen präzise aufzuklären und zu identifizieren.
Der Manipulatorarm kann, neben dem Grundwerkzeug, zwei weitere Werkzeuge aufnehmen. Hierzu zählt zunächst ein Dualsensor. Dabei handelt es sich um die 80-cm-Variante des im Route Clearance System genutzten Sensors. Mit diesem können verdächtige Stellen untersucht und festgestellt werden, ob ein Kampfmittel vergraben wurde.
Überprüfung einer verdächtigen Stelle mittels Dualsensor. Dieser kombiniert einen Metalldetektor mit einem Bodendurchdringungsradar. (Foto: Christian Unger/Bundeswehr)
Weiterhin gibt es eine Toolkamera. Mit diesem am Schwenkneigekopf angebrachtem Gerät lassen sich schwer einsehbare Stellen wie Entwässerungsrohre oder -rinnen, Rand- und Unterseiten von Brücken oder Bereiche hinter Mauern optisch aufklären, um feststellen zu können, ob beispielsweise eine Sprengfalle eingebracht wurde. Zur visuellen Aufklärung verfügt das System über eine leistungsfähige Optronik. Eine neue Optronik-Wisch- und Waschfunktion ermöglicht es, die Aufklärungskameras schnell während des laufenden Einsatzes zu reinigen. Hierdurch erhöht sich die taktische Flexibilität des Systems nochmals.
Die Kameras am Multifunktionsarm dienen zur visuellen Kampfmittelaufklärung und liefern Bilder auch von schlecht einsehbaren Stellen. (Foto: Christian Unger/Bundeswehr) 

Ein weiteres Kernelement des KAI ist sein Water-Air-Spade-System, ein Wasser-Luft-Spaten, welcher mit einem Arbeitsdruck von 400bar wirken kann, sowie ein Reißzahn. Damit können die Kampfmittelabwehrkräfte in Verdachtsfällen ein nicht eindeutig identifizierbares Objekt freilegen. Das Markieren kann sowohl digital im System durch eine eindeutige GPS-Koordinate als auch mit einer optischen Markiereinrichtung für den abgesessenen Fachmann erfolgen.
Mit einem am Manipulatorarm adaptierbaren Personenrettungssystem können zudem im Bedarfsfall Personen aus einem Gefahrenbereich gerettet werden.
Der Fuchs KAI aus Sicht des Kampfmittels (Foto: JPW)
Die deutschen Streitkräfte machen mit dem TPz Fuchs 1A8 KAI einen Quantensprung bei der Kampfmittelabwehr. Er ergänzt die Ausstattung des schweren Kampfmittelabwehrzuges der Bundeswehr und soll Gefahrenstellen aufklären, die vom Route Clearance System (RCS) – ebenfalls anteilig von Rheinmetall entwickelt – nicht erreicht werden. Weiterhin soll der TPz KAI ein vom RCS unabhängig operierendes Kampfmittelaufklärungssystem sein, das Konvoi-begleitend Gefahrenstellen („Vulnerable Points“) aufklärt.

Vier weitere RCS für die Bundeswehr
Rheinmetall hatte erstmals 2011 sieben sogenannte DEU Route Clearance Systeme als Teil des „Schweren Kampfmittelabwehrzuges“ an die Bundeswehr ausgeliefert. Ein Gesamtsystem besteht aus fünf Fahrzeugen, die jeweils für die Aufklärung, Freilegung und Vorbereitung der Beseitigung von Sprengfallen durch Kampfmittelabwehrkräfte sowie für die Führung und den Transport eingesetzt werden.
Fuchs 1A8 Bedienertruppfahrzeug (r.) sowie Multi FSA mit Wiesel-Detektorfahrzeug (Foto: Rheinmetall)
Vom RCS befinden sich derzeit vier weiteren Exemplare als Ergänzungsbeschaffung im Zulauf. Hierzu wurde Rheinmetall im Dezember 2019 beauftragt. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Der Vertrag hat eine Laufzeit von rund vier Jahren.
Rheinmetall wird im Rahmen der beauftragten Arbeiten fünf Transportpanzer Fuchs 1A8 in Bedienertruppfahrzeuge sowie vier Luftlande-Waffenträger Wiesel 1 in Detektorfahrzeuge umrüsten. Im Lieferumfang sind ebenfalls sieben Reserve-Dualsensoren und weitere logistische Anteile enthalten. Bei den Dualsensoren, die eine Schlüsselkomponente des Route Clearance Systems sind, handelt es sich um eine neue, obsoleszenzbereinigte Version.
Wiesel-Detektorfahrzeug mit Bodendurchdringungsradar (Foto: Rheinmetall)
Das ferngesteuerte Kettenfahrzeug Wiesel, das über einen neu entwickelten integrierten Dualsensor mit Bodenradar (Ground Penetrating Radar) sowie Metalldetektor verfügt, übernimmt in dem DEU Route Clearance System die Detektion von Minen und Sprengfallen im zu untersuchenden Straßen- oder Geländeabschnitt.
Als mobiler und hoch geschützter Führungsstand kommt der Fuchs 1A8 Transportpanzer zum Einsatz, der mit Bedienständen für die Fahrsteuerung und Systemen für die Auswertung der Signale des Dualsensors ausgestattet ist.
Das separat durch die Bundeswehr beauftragte Kampfmittel-Verifikationsfahrzeug (sogenannter Manipulator) übernimmt die ferngesteuerte Überprüfung verdächtiger Objekte. Über ein integriertes Videosystem wird dem Bedienpersonal an Bord des Fuchs-Führungsfahrzeugs jederzeit ein direktes Lagebild übermittelt. Das Fahrzeug stammt ursprünglich von der Firma MineWolf.
Zum Transport der Fahrzeuge im DEU Route Clearance System dienen Logistikfahrzeuge vom Typ Multi FSA von Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV).


www.bundeswehr.de
www.rheinmetall.com


Drohnen und Arbeiterinnen - ein Denkanstoß zur Drohnendebatte 2020

Berlin (ww) Die Bundewehr debattiert heute zm Thema Drohnen. Dabei setzt sie auch in den sozialen Medien auf Schwarmintelligenz. Insbesondere geht es um die Frage, ob Unmanned Aerial Vehicles (UAV), also der gemeinhin als "Drohne" bezeichnete fliegende Anteil eines Unmanned Aerial Systems (UAS), bewaffnet werden soll. Damit müsste die Drohne streng genommen in Arbeiterin umbenannt werden, da bei Bienen- und Wespenvölkern die Drohnen ja bekanntermaßen über keinen Stachel verfügen.
Aber soll die Bundeswehr demnächst UAS mit Bewaffnung erhalten? JA! Schon im Taktikunterricht lernt jeder Soldat, daß Sperren ohne Überwachung nicht oder nur eingeschränkt sinnvoll sind. Ähnlich verhält es sich mit UAV. Aufklärung aus der Luft ist sicherlich immer hilfreich, aber aus taktisch-operativer Perspektive nur dann wirklich sinnvoll, wenn gegen aufgeklärte Gegner und gefahren auch schnell gewirkt werden kann. Künftige UAS der Bundeswehr sollten daher zumindest einen Wirkverbund aus bewaffneten und unbewaffneten UAV aufweisen. Also: Es braucht nicht nur Drohnen, sondern auch Arbeiterinnen!

Jan-Phillipp Weisswange

Mittwoch, 6. Mai 2020

Tschechische Armee modernisiert Handwaffen - Rahmenvertrag für CZ

Prag, Uherský Brod (ww) Die tschechischen Streitkräfte haben der einheimischen Waffenschmiede CZ einen Rahmenvertrag zur Lieferung von Handwaffen und Munition erteilt. Das Auftragsvolumen liegt bei bis zu 2,35 Milliarden Tschechischen Kronen (86,7 Millionen Euro). Der Rahmenvertrag sieht die Auslieferung von bis zu 39.000 Handwaffen bis 2025 vor.
Rund 16.000 Sturmgewehre CZ Bren 2 kommen in die Truppe. (Foto: CZ)
„Unser Ziel ist es, die Armee zu modernisieren, aber zugleich auch die tschechische Industrie zu unterstützen und Arbeitsplätze in dieser schwierigen Zeit zu erhalten“, so Verteidigungsminister Lubomír Metnar.
Bei Abruf des vollen Vertragsumfangs könnten rund 16.000 Bren 2-Sturmgewehre, über 21.000 CZ P-10-Pistolen, über 1.600 Anbaugranatwerfer CZ 805 G1 und etwa 100 CZ Scorpion Maschinenpistolen ausgeliefert werden. Bereits in den Jahren 2010 und 2016 hatte CZ die Streitkräfte ihrer Heimat mit rund 40.000 neuen Handwaffen ausgestattet.
 „Die tschechischen Streitkräfte verlangen stets die bestmögliche Ausstattung. Dieser Auftrag zeigt uns, daß wir unseren Job gut machen und hochqualitative und innovative Produkte für die anspruchsvollsten Militär- und Behördenmärkte anbieten“, so Luboš Kovarík, der Vorstandsvorsitzende der CZ-Gruppe.
Auch CZ-Geschäftsführer Ladislav Britanák freut sich über den Auftrag: „Wir fühlen uns geehrt, unsere Streitkräfte als einen unserer historisch wichtigsten Kunden weiter ausstatten zu können. Zugleich sind die tschechischen Streitkräfte auch ein wichtiger Referenzkunde auf dem internationalen Markt. Kovarík und Britanák begrüßten zudem, daß die tschechische Regierung mit dem Auftrag ein wichtiges Zeichen zur Unterstützung der heimischen Industrie und damit auch zur nationalen Sicherheitsvorsorge in Krisenzeiten setze.
Die tschechischen Streitkräfte haben derzeit eine Stärke von 26.000 Berufssoldaten und 11.000 Reservisten. Unter anderem beteiligen sich die tschechischen Streitkräfte an den Einsätzen ISAF und OEF und waren zeitweise auch im Irakkrieg eingesetzt.
CZ mit Sitz in Uherský Brod ist eine Tochtergesellschaft der CZ-Gruppe. Die Firma produziert sowohl Zivil- als auch Dienstwaffen und exportiert in 90 Kundenländer. Streit- und Sicherheitskräfte aus über 40 Staaten nutzen derzeit CZ-Waffen.
Mehr zu CZ demnächst hier und in den einschlägigen Publikationen.

www.czub.cz

Dienstag, 5. Mai 2020

Who dares wins - 40 Jahre SAS-Operation Nimrod in Princes Gate, London

London (ww) Heute vor 40 Jahren, am 5. Mai 1980, beendeten britische SAS-Spezialkräfte eine tagelange Geiselnahme in der iranischen Botschaft London. Die Operation Nimrod dauerte rund 17 Minuten und wurde durch etwa 50 Angehörige der B Squadron 22nd SAS Regiment durchgeführt.

Angehörige des Blue Team bei der Annäherung über die Balkone der Vorderseite (Foto: Archiv)
Während der Operation wurden 19 von 20 Geiseln gerettet. Eine Geisel wurde von Terroristen erschossen, zwei weitere wurden verletzt. Auch fünf der der sechs Geiselnehmer wurden getötet, ein SAS-Truppführer wurde verwundet. Die erfolgreiche Operation Nimrod erlangte weltweit Berühmtheit - nicht zuletzt da sie von zahlreichen Medien live dokumentiert wurde und sich somit vor den Augen der Weltöffentlichkeit abspielte. 
Die Geiselnahme in London South Kensington hatte am 30. April begonnen. Sechs Terroristen einer separatistischen iranischen Bewegung namens "Demokratisch-revolutionäre Front für die Befreiung Arabistans" waren gegen 11.30 Uhr Ortszeit in die Botschaft eingedrungen.

Princes Gate SW7 (Aufnahme aus 2017)...
Die Vorderseite der iranischen Botschaft (Aufnahme aus 2017, JPW)

Dabei hatten die mit Pistolen, Maschinenpistolen und Handgranaten bewaffneten Männer den zum Schutz der Vertretung eingeteilten Polizeibeamten Trevor Lock überwältigt. Insgesamt nahmen sie 26 Personen als Geiseln.
In den folgenden Tagen zogen sich die Verhandlungen zur Beendigung der Botschaftsbesetzung hin. Immerhin gelang es den Verhandlern der Metropolitan Police, die Freilassung von fünf Geiseln zu erreichen. Parallel dazu bereitete sich die B Squadron auf einen möglichen Einsatz vor. Zur Einsatzplanung wurde unter anderem ein Kartonmodell des Botschaftsgebäudes erstellt.
Das Modell der Botschaft aus Karton (Foto: JPW)
Die Lage spitzte sich am sechsten Tag der Besetzung zu, als das angesichts mangelnder Verhandlungserfolge zunehmend nervösere Terroristenkommando den Pressesprecher der Botschaft, Abbas Lavasani, erschoss. Das Special Air Sevice Regiment wurde damit beauftragt, sich zum Sturm auf die Botschaft vorzubereiten. Die hierzu vorgesehenen Kräfte gingen um etwa 17.00 in ihre Bereitschaftsstellungen. Um 19.07 Uhr ging das Kommando vor Ort von der Polizei auf das Militär über. Um 19:23 begann die Operation Nimrod.
Zwei taktische Elemente, Red Team („Romeo“) und Blue Team (“Bravo“), waren zum Sturm auf die Botschaft vorgesehen. Vom Dach aus sollte ein Ablenkungstrupp das Oberlicht sprengen und das Red Team die oberen Teile des Gebäudes nehmen, während sich das Blue Team auf Erdgeschoss, Keller und ersten Stock konzentrieren sollte.

Blick aus den Princes Gardens auf die Rückseite der Gebäude, die iranische Botschaft ist rechts zu erkennen.
(Aufnahme aus 2017, JPW)
Beide Elemente würden sich dann im ersten Stock treffen. Insgesamt sollten 30 – 35 Mann in die Botschaft eindringen. Dazu kamen weitere Deckungstrupps (mit Tränengas- und Rauchkörpern) an Gebäudefront und Rückseite, Scharfschützen, eine Aufnahmegruppe für die Geiseln an der Rückseite des Gebäudes, das Führungselement und Reserven.
Auf das Codewort „London Bridge“ seilten sich mehrere Trupps des Red Teams vom Dach der Botschaft ab und drangen über die Hinterseite des Gebäudes in die oberen Stockwerke ein. Dabei verfing sich der Gruppenführer in den Seilen und erlitt schwere Brandverletzungen, da die Gardinen im Gebäude durch Tränengasgranaten Feuer gefangen hatten. Er konnte durch eine zweite Welle aus seiner mißlichen Lage befreit werden und setzte kämpfte weiter.
Red Team auf dem Balkon auf der Rückseite des Gebäudes beim Eindringen in den zweiten Stock (Foto: Archiv)
Das Blue Team drang an der Gebäudevorderseite nach Zugangssprengung (wobei sich die Sprengmittelmenge nach der bewährten Formel „P für Plenty“ richtete ) über die Balkone der Nachbargebäude in den ersten Stock ein. Zeitgleich nahmen weitere Bravo-Trupps Erdgeschoss und Keller der Botschaft über die Hinterseite des Gebäudes.
Angehörige des Blue Team dringen über das Erdgeschoss auf der Gebäuderückseite in die Botschaft ein (Foto: Archiv)
Im Inneren hatte Police Constable Trevor Lock bei Angriffsbeginn seinerseits einen Terroristen niedergerungen, um ihn an Gegenwehr zu hindern. Lock war es gelungen, seinen 38er Revolver während der gesamten Zeit vor den Geiselnehmern verborgen zu halten. Der niedergerungene Terrorist wurde von eindringenden SAS-Kräften eliminiert.
Während der Befreiungsoperation feuerte einer der Terroristen auf die Geiseln. Dabei kam der Botschaftsangehörige Ali Akbar Samadzadeh ums Leben, zwei weitere Geiseln wurden verletzt. Die SAS-Sturmtrupps erschossen bei ihrem Angriff insgesamt fünf Terroristen, unter anderem einen, der sich mit einer Handgranate unter die zu Evakuierenden gemischt hatte.
Teile der Counter-Terror-Ausstattung, wie sie bei Operation Nimrod genutzt wurde (rechts im Schaukasten). Primärwaffe der Einsatzkräfte in der Botschaft war die Heckler&Koch MP5, Sekundärwaffe die FN Browning High Power (Foto: JPW)
Alle befreiten Geiseln wurden über die Hinterseite des Gebäudes in den Garten geleitet, fixiert und identifiziert. Im Garten konnte auch der sechste Terrorist festgenommen werden, der sich unter den Geiseln versteckt hatte.
Bis heute gehört die Operation Nimrod zu den am meisten beachteten Waffentaten gegen den internationalen Terrorismus. Who Dares Wins!

 

Freitag, 1. Mai 2020

Kostümkunde/Gearcheck: Arktis-Ausstattung der russischen Spezialkräfte

Nagurskaja (ww) Über die spektakuläre Luftlandeübung der russischen  Streitkräfte über der Basis Nagurskaja in Alexandraland hatten wir ja erst kürzlich berichtet. In den sozialen Medien ist einiges Bild- und Videomaterial dazu aufgetaucht.
Russischer Operator mit Aimpoint auf AK in neuer Winterkampfbekleidung. Rechts an der Schulterstütze erkennt man die abgesetzte Sauerstoffmaske (Foto: Verteidigungsministerium Russland)

Die Spezialkräfte, die den Absprung aus 10.000 Metern Höhe durchführten, gehörten offenbar verschiedenen Einheiten der Streitkräfte und des FSB an.
Dieser Operator gehört dem Abzeichen nach offenbar einer Fallschirmgruppe der FSB-Spezialeinheit Wympel (erkennbar am "B" sowie Schild und Schwert) an (Foto: Verteidigungsministerium Russland)

Wie berichtet, wurde ein neues Fallschirmsystem getestet. Dieses stammt von der Fallschirmfabrik Polyot aus Iwanowo.

Der den Berichten zu Folge neue Flächenfallschirm (Foto: Verteidigungsministerium Russland)
Erst im März 2020 hatte der russische Präsident Wladimir Putin das Unternehmen besucht. Bereits im November war am Unternehmenssitz ein Denkmal für den Erfinder des russischen Rucksackfallschirmsystems Gleb Kotelnikow enthüllt worden.
Freifaller nach der landung. Kälteschutzbekleidung von Gruppa99. An der rechten Körperseite erkennt man das Sauerstoffsystem (Foto: Verteidigungsministerium Russland)
Schon auf den ersten Bildern der Übung war die neue Kälteschutzbekleidung in einem Wintertarnschema aufgefallen. Diese wiederum kommt von der Gruppa 99, einer Tochterfirma des Konzern Kalalschnikow.
Kälteschutzbekleidung von Gruppa99 (Foto: Verteidigungsminsiterium Russland)
 Im Rahmen eines fachlich-kollegialen Austauschs während der IDEX 2019 am Kalaschnikow-Stand war ich bereits auf die taktischen Tüftler mit militärisch-taktischen Hintergrund aufmerksam geworden. Die Gruppa99 bietet ein durchdachtes und solides komplettes Bekleidungs- und Ausrüstungssystem an.
Stand der Gruppa 99 auf der IDEX 2019 (Foto: JPW)

Was weiterhin auffällt ist der Mix aus russischen Waffen - namentlich AK-12 -  teilweise mit westlichem Peripheriegerät. Die übrige Üb-Truppe trug hingegen konventionellere Bekleidung und Bewaffnung.
Skiebewegliche Einheiten der "Linie" (Foto: Verteidigungsministerium Russland)

 Immerhin gibt es auch eine Wintertarnausführung des kleinpunktigen russischen Tarnschemas.
Fazit: Geardoes sind global!

www.ivparachute.ru
www.gruppa99.com
www.kalashnikovconcern.ru

Vierzig Jahre Fuchs - der bewährte 6x6-Transportpanzer bleibt jung

Kassel (ww) 1979 erfolgte der Serienauftrag, im Dezember 1980 kam der erste Fuchs in die Truppe: Der bewährte 6x6-Transportpanzer wird 40! Entwickelt und gebaut von Thyssen Henschel - heute Teil des Rheinmetall-Unternehmensbereichs Defence - zählt er zu den zuverlässigsten Gefechtsfahrzeugen weltweit.

Der Jubiliar: Transportpanzer TPz Fuchs 1 A8 (Foto: Rheinmetall)
Über 1.400 Exemplare wurden gebaut. Streitkräfte zahlreicher Nationen setzen den Fuchs in unterschiedlichsten Varianten ein, z.B. zum geschützten Mannschaftstransport, als Gefechtsstand oder Ambulanz sowie zur mobilen ABC-Aufklärung. Gerade diese ABC-Aufklärungsvariante machte den Fuchs spätestens zu Beginn des Zweiten Golfkriegs weltberühmt. Er wurde in vielen Krisengebieten erfolgreich zur Gefahrenabwehr eingesetzt. So haben sich die knapp 300 bislang produzierten ABC-Spürfüchse in der Bundeswehr, der US Army, sowie den Streitkräften der Vereinigten Arabischen Emirate, Großbritanniens, Kuwaits, der Niederlande und Norwegens vielfach bewährt. Herzstück des „ABC-Spürfuchses“ ist eine umfangreiche, vollintegrierte Geräteausstattung zur Identifikation und Analyse von atomaren, biologischen und chemischen Kampfstoffen.
Die Bundeswehr nutzt den Transportpanzer 1 Fuchs – kurz „TPz“ – seit dem Serienauftrag 1979 in einer Vielzahl von Varianten und vertraut bei Ihren Auslandseinsätzen u.a. in Afghanistan und Mali auf seine Robustheit und Zuverlässigkeit.
Gebaut wurde der Fuchs ursprünglich von Thyssen Henschel, heute Teil des Unternehmensbereichs Defence der Rheinmetall AG (Foto: JPW)

Ich selbst erinnere mich noch gut an die erste Begegnung mit dem Fuchs, die tatsächlich vor rund 40 Jahren in Kassel erfolgte. Ich war damals zu Besuch bei meinen Verwandten in der nordhessischen Metropole. Mein Onkel schlug vor, daß wir einen kurzen Ausflug an die Fulda machen sollten. Dort trainierte mein Cousin mit seiner Rudermannschaft. Auf dem Weg in die Aue sah ich in der Fulda eine Plattform schwimmen, die sich fontänenschießend durchs Wasser arbeitete. Das war ein Fuchs im amphibischen Einsatz! Das neue Fahrzeug wurde dort an einem Wasserübungsplatz der Bundeswehr erprobt und als er später aus dem Wasser fuhr, war ich schwer beeindruckt.
Obwohl gelernter Leo-Mann hatte ich als Fahnenjunker während meiner Dienstzeit die Ehre, im Rahmen der Brigadegefechtsübung "Schneller Degen 3" Ende 1992 als Fuchs-Kommandant eingesetzt zu werden. Als stets infanteristisch begeisterter Kavallerist war ich bei dieser freilaufenden Übung als Führer Gefechtstandsicherung unserer stolzen 2./PzAufklBtl 2 eingesetzt. Ein Highlight meiner aktiven Dienstzeit, auch wegen des TPz Fuchs! Seither firmiert er bei mir als das "zweitschönste Auto der Bundeswehr" - nach dem Leopard 2A4, versteht sich.
Schnappschuss von der Übung "Schneller Degen 3" Ende 1992 (Foto: JPW)

Die derzeit modernste bei der Bundeswehr eingeführte Version TPz 1 A8 gewährleistet gegenüber älteren Modellen einen stark verbesserten Schutz gegen ballistische Bedrohungen sowie vor Minen und Sprengfallen. Zu den wesentlichen Modifikationen des TPz 1 A8 zählen strukturelle Änderungen der Wanne, neue Achsen, Verstärkungen der Radkästen, Türen und Scheibenaufnahmen sowie zusätzliche Staukästen und Verstärkungen im Außenbereich. Rheinmetall wird bis Ende 2020 insgesamt 272 Füchse der Bundeswehr auf den aktuellen Stand 1A8 hochrüsten.
Der Fuchs 1A8 (Foto: Rheinmetall)

Darüber hinaus hat Rheinmetall bereits die nächst modernere Version entwickelt, die sich durch ein neues Triebwerk, ein neues Verteilergetriebe, eine neue Bremsanlage, ein verbessertes Lenksystem sowie ein Monitor- und Kamerasichtsystem auszeichnet. Das macht den TPz 1 Fuchs noch beweglicher im Gelände und noch ergonomischer zu bedienen.
Mit einer Flottenverfügbarkeit von über 90 Prozent steht der TPz 1 Fuchs wie kaum ein zweites Fahrzeugsystem als Garant für Zuverlässigkeit im Einsatz und zählt damit zu den beliebtesten Fahrzeugsystemen der Bundeswehr.
Die aus dem TPz 1 Fuchs abgeleitete Exportvariante Fuchs 2 ist eine Weiterentwicklung und verfügt unter anderem über einen vergrößerten Innenraum, ein leistungsstärkeres Triebwerk, ein modernisiertes Fahrwerk und eine digitale Fahrzeugelektrik. Der Fuchs 2 wird u.a. durch die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und einen weiteren Kunden in der MENA-Region genutzt.
Rheinmetall sieht den Fuchs noch ausbaufähig: "Seine hohe Beliebtheit bei einer breiten internationalen Nutzerbasis und die dadurch gewährleistete kontinuierliche Produktpflege und Weiterentwicklung ermöglichen es, den Fuchs noch deutlich über das Jahr 2035 hinaus in der Nutzung zu halten."
Herzlichen Glückwunsch zu diesem Jubiläum! Panzer Hurra und Horrido!
www.rheinmetall.de

Dienstag, 28. April 2020

Hohe Absetzhöhe - niedrigste Temperaturen - Russische Streitkräfte üben HAHO-Verfahren bei taktischer Übung in der Arktis

Nagurskaja (ww) Russische Fallschirmjäger sind erstmals im High Altitude-High Opening (HAHO)-Verfahrern über der Arktis abgesprungen. Die Springer - Fallschirmspezialkräfte - wurden dabei aus 10.000 Metern Höhe aus einer Iljuschin IL-76 abgesetzt und landeten bei der russischen Basis Nagurskaja auf der Franz-Josef-Land-Inselgruppe im Nordpolarmeer. Nagurskaja ist die nördlichste Militärbasis der russischen Streitkräfte.
Russische Fallschirmspezialkräfte bei der Übung bei Nagurskaja (Foto: Verteidigungsministerium Russland)
Bei dem Sprung kam ein neues Fallschirmsprungsystem einschließlich Sauerstoff- und Navigationsgeräten zum Einsatz. Auch verfügen die russischen Streitkräfte offenbar über eine neue Kälteschutzbekleidung in einem Schneetarnmuster. Von der Übung kursieren spektakuläre Videos im Netz.


Die Vorauskräfte erkundeten im Anschluss eine Landezone für die Hauptkräfte, welche dann aus 2.000 Metern Höhe abgesetzt wurden. Im weiteren Verlauf einer drei Tage langen Übung wurden gemeinsam mit einer Taktischen Gruppe der Nordflotte Aufklärungsverfahren einschließlich des Drohneneinsatzes am Kap Nimrod geübt.
"Zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte haben wir das Absetzen einer Gruppe mit Spezialfallschirmsystemen aus 10.000 Metern Höhe in arktischen Bedingungen geübt - einschließlich einer darauf folgenden mehrtägigen Gefechtsübung", so der stellvertretende russische Verteidigungsminister Junus-bek Jewkurow, selbst gelernter Fallschirmjäger. "Das hat vorher noch niemand gemacht." Ähnliche Übungen sollen jetzt jährlich erfolgen.