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Dienstag, 18. Dezember 2012

Rheinmetall testet 50kW-Hochenergielaser erfolgreich


Ende November 2012 testete Rheinmetall seinen neuen 50kW-Hochenergielaser-Waffentechnologiedemonstrator in der vollständigen Wirkkette „Zieldetektion, Zielverfolgung und Zielbekämpfung“ erfolgreich. 
Der 50 kW-HEL-Waffentechnologiedemonstrator. Foto: Rheinmetall

Die Versuchsreihe fand im firmeneigenen Erprobungszentrum Ochsenboden (EZO) in der Schweiz in winterlicher Umgebung und bei „blendendem“ Sonnenschein statt.
Der im EZO aufgebaute 50kW-HEL-Waffentechnologiedemonstrator bestand aus zwei Funktionsmustern: einer in einem Oerlikon Revolvergun-Flugabwehrgeschützturm integrierten 30kW-Waffenstation, verbunden mit einem Oerlikon Skyguard 3-Feuerleitgerät und einer in einem Revolvergeschützturm der 1. Generation integrierten 20kW-Waffenstation, die für statische Versuche dazugeschaltet werden konnte. Dazu kamen weitere Module für die Energieversorgung.

Die Tests sollten zunächst die Effizienzerhöhung der 50kW-HEL-Waffe im Vergleich zu der im vergangenen Jahr eingesetzten 10kW-HEL-Waffe nachweisen. So stand dieses Mal für die einzelnen Szenarien Luftverteidigung („Air-Defence“), Abwehr von Raketen, Artillerie- und Mörsergranaten („Counter Rocket, Artillery, Mortar/C-RAM)“ sowie Asymmetrische Kriegführung („Asymmetric Warfare“) gegenüber 2011 die fünffache Laserleistung zur Verfügung.
Weiterhin wollte Rheinmetall zeigen, dass es mittels der „Beam Superimposing Technology (BST)“ möglich ist, mit räumlich dislozierten HEL-Waffenstationen ein einzelnes Ziel zu bestrahlen und so die Strahlleistungen mehrerer Effektoren auf dem Ziel zusammenzufassen. Dieser modulare Technologieansatz erlaubt es, die sehr gute Strahlqualität der einzelnen Laserwaffenmodule beizubehalten und vielfach in der Leistung zu skalieren. Rheinmetall sieht damit den Nachweis erbracht, dass somit der Realisierung eines zukünftigen HEL-Waffensystems mit der Leistung von 100kW nichts mehr im Wege steht.
Zum Nachweis der hohen Standfestigkeit des 50kW-HEL-Waffentechnologiedemonstrators durchtrennten die Rheinmetaller damit auf 1000 Meter Entfernung einen massiven T-Stahlträger von 15 Millimetern Stärke.
Im Szenario „Air Defence“ wurden  Zieldarstellungsdrohnen  im  Stechflug auf zwei Kilometer Entfernung bekämpft. Dabei detektierte das Skyguard-Radar das mit über 50 m/sec anfliegende Unmanned Aerial Vehicle (UAV) problemlos auf eine Entfernung von drei Kilometern. Anschließend führte die 30-kW-Waffenstation auf Basis der Skyguard-Daten das Grobtracking mechanisch durch. Das Feintracking der UAV’s erfolgte über das optische Trackingsystem in den Strahlführungsmodulen der einzelnen Laserwaffenmodule. Abschließend bekämpften sie nach „Feuerfreigabe“ umgehend das UAV und zerstörten dieses innerhalb weniger Sekunden erfolgreich.
Im Szenario „Counter Rocket, Artillery, Mortar“ galt es, ein ballistisch verschossenes Kleinstziel zu tracken, zu verfolgen und schließlich erfolgreich zu bekämpfen. Dabei stellte eine Stahlkugel von 82 Millimetern Durchmesser, die mit einer Geschwindigkeit von rund 50 m/sec flog, eine Mörsergranate dar. Das Feuerleitgerät Skyguard detektierte dieses Ziel sofort und führte die 30kW-Laserwaffenstation mechanisch nach, die Strahlführungssysteme der Laserwaffenmodule verfolgten das Ziel optisch und bekämpften es abschließend im Flug. „Damit wurde nicht nur einmal mehr der prinzipielle Nachweis erbracht, dass sich zukünftige Laserwaffen für C-RAM-Szenarien eignen. Vielmehr konnten auch die Bekämpfungszeiten von Mörsergranaten auf grössere Entfernung erheblich verringert werden. Sie liegen nun in dem für solche Anwendungen erforderlichen Bereich – selbst wenn die Ziele bei ungünstigen Witterungsbedingungen schwer detektierbar sind“, so Rheinmetall in seiner Pressemitteilung nicht ohne Stolz. „Die jetzt erfolgreich abgeschlossenen Versuche zeigen, dass der von Rheinmetall aufgebaute HEL-Waffentechnologiedemonstrator allen Unkenrufen zum Trotz die Zielbekämpfung auch unter widrigsten Witterungsbedingungen wie Schnee, Sonne, Eis und Regen erfolgreich einleitet und abschließt. Weiterhin unterstreichen die Tests in beeindruckender Art und Weise, dass Rheinmetall sich bei dem Thema Energie- und Kühlbedarf eines zukünftigen HEL-Waffensystems einzig an den Anforderungen der Einsatzszenarien orientiert. Im Vergleich zum Vorjahr konnte Rheinmetall die Leistungsdichte (kW/m³) des Technologiedemonstrators deutlich steigern, so kann nun im gleichen Volumen die doppelte Laserleistung realisiert werden.“
Für das Jahr 2013 plant Rheinmetall eigenfinanziert den Aufbau eines Technologiedemonstrators mit 60kW und mehr Strahlleistung. Neben Laser-waffenstationen sollen dabei parallel u.a. 35mm-AHEAD-Revolvergeschütze einbezogen werden. So sollen mögliche Synergien von Laser- und Rohrwaffen untersucht und aufgezeigt werden.
Darüber hinaus wird das Konzept einer mobilen HEL-Waffe, welches 2011 mit einem 1kW-Funktionsmuster auf einem Sonderfahrzeug TM170 erfolgreich umgesetzt wurde, auf zwei unterschiedliche fahrenden Plattformen weiterverfolgt.  Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für die Integration einer HEL-Waffe auf Fahrzeuge im freien Feld zu untersuchen. (ww)

1 Kommentar:

  1. Guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren,
    wenn es möglich ist, mit Laserwaffen auf eine Entfernung von 1000 Metern Stahlträger zu durchtrennen, dann muß es doch auch möglich sein, diese Technik für friedliche Zwecke zu nutzen: Der Energietransfer von einem Windgenerator in ca. 1000 Metern Höhe, der dort eine Leistung von ca. 500 kW erzeugt von dort herunter auf die Erde. Das würde die aufwändige und schwere Kabelage überflüssig machen, es würde den Blitzschutz vereinfachen, weil der Blitz in ein floatendes System nicht einschlägt. Frage, mit welchem Leistungsverlust muss man bei einer Transferstrecke von 1 Km rechnen?
    horst.meinders@web.de
    Mit freundlichem Gruß
    Dipl.Phys. Horst Meinders

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