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Donnerstag, 18. August 2016

Ein Klasse(n-) Treffen - 8. Special Forces Workshop in Güstrow

Güstrow (ww) Jährlich zu Beginn der Sommerferien bildet Güstrow DAS Reiseziel für Fortbilder  aus dem polizeilichen Spezialkräftebereich. In der beschaulichen Barlachstadt hat sich der „Special Forces Workshop“ etabliert. Trotz der Rekordbeteiligung bot die diesjährige achte Auflage der hochkarätigen Veranstaltung die vertraute Atmosphäre eines Klassentreffens.
Schweizerische weisen ihre deutschen Kameraden in Sofortaktionstechniken ein. Foto: JPW
Der Special Forces Workshop gehört inzwischen zu den national und international viel beachteten Veranstaltungen. So freuten sich Organisator Frank Thiel und sein Team von „Baltic Shooters“ sowie das Spezialeinsatzkommando des Landeskriminalamtes Mecklenburg- Vorpommern  über 130 Teilnehmer aus Deutschland, Luxemburg, Monaco, Österreich, Schweiz, Tschechien und den USA. Deutscherseits reisten Vertreter des gesamten „Nordverbundes“, von BKA, Bundespolizei, Zoll, sowie aus der Südschiene an – darunter Teilnehmer aus Baden-Württemberg und Bayern.
In bewährter Weise übernahm das LKA Mecklenburg-Vorpommern die fachliche und inhaltliche Begleitung des von Baltic Shooters federführend durchgeführten kombinierten Fortbildungs- und Wettkampfevents. Auch die grundsätzliche Organisation blieb, d.h. eine Fortbildung in Form von Workshops, der Vergleichswettkampf sowie die begleitende Fachmesse. Wie wichtig Plattformen wie die etablierte Güstrower Veranstaltung – sie stand erneut unter Schirmherrschaft des Ministers für Inneres und Sport Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier –  für den nationalen und internationalen Austausch über Taktik, Training sowie Führungs- und Einsatzmittel sind, hatte sich nur wenige Tage zuvor in Bayern gezeigt: Ein Amoklauf in München sowie zwei terroristische Anschläge bei Würzburg und in Ansbach ließen selbst Zweiflern deutlich werden, wie sehr sich das Bedrohungsspektrum erweitert hat. Einige der Teilnehmer des 8. Special Forces Workshops standen selbst noch bei diesen Großlagen wenige Tage zuvor im Einsatz.

Minister Lorenz Caffier bei seiner Ansprache. Foto: JPW
Insofern verwunderte es nicht, dass es sich Minister Lorenz Caffier erneut oder gerade deswegen  nicht nehmen ließ, trotz engem Terminkalender die Veranstaltung zu eröffnen. Der Leiter der Spezialeinheiten M-V, Lutz Müller, unterstrich in seiner Ansprache die Bedeutung und den Zusammenhalt der Spezialeinheiten und Spezialkräfte gerade  vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse. Mit einer Gedenkminute für die Opfer der jüngsten terroristischen Ereignisse brachten die Teilnehmer des Workshops auch ihr Mitgefühl für deren Angehörige zum Ausdruck.
Daß der Zusammenhalt von Spezialeinheiten Realität ist, zeigte sich ebenso.  Im Rahmen der Veranstaltung kamen durch Spenden und eine Tombola 2.500 Euro für den SEV (Selbsthilfeverein nach gravierenden Unfällen) zusammen. Der Verein unterstützt schnell und unbürokratisch die Familien im Dienst getöteter oder schwer verletzter Kolleginnen und Kollegen.

Schwerpunkt Schießen
In den ersten beiden Tagen konnten die Teilnehmer an 14 praktischen Workshops teilnehmen.  Schwerpunkt bildeten naturgemäß technische und taktische Schießfortbildungen. Kurse von ZService, Johannes Silbitzer (Glock), Jürgen „Brauni“ Braun (Baltic Shooters, unterstützt von Walther) sowie des Einsatzkommandos Cobra vermittelten Methodik, Didaktik und Techniken mit der Kurzwaffe.
Methodik und Technik. Foto: JPW
Auch die Langwaffen kamen nicht zu kurz. Der brandenburgische Polizei-Schießfortbilder Ulf G. widmete sich in seinem Kurs dem Einsatz von halbautomatischen Langwaffen auf Kurz- und Mitteldistanz. Die sächsische Schmiede Dynamic Arms Research stellte hierfür Waffen bereit, Schmidt&Bender diverse Optiken.
Mike Navab leitete den Kurs „Präzisionsgewehr im Feuerkampf“, den Sako und Steiner mit TRG-Präzisionsgewehren und Zielfernrohren unterstützten.

Sako TRG im Einsatz auf der 300-Meter-Bahn. Foto: JPW
Hier lernten die Teilnehmer den präzisen Schuss auf unterschiedlichste Distanzen von bis zu 300 Metern.
Bewegungsschießen und dynamische Drills mit der Langwaffe standen auf der Agenda von Christian Breul (Baltic Defense).

Eine Möglichkeit, die Langwaffe bei einer Störung abzulegen. Foto: JPW
Hier bot C.G. Haenel den Teilnehmern Gelegenheit, seine CR223-Varianten zu verwenden. Der halbautomatische Gasdrucklader mit Kurzhub-Gaskolbensystem konnte inzwischen im polizeilichen SE-Bereich Fuß fassen.
C.G. Haenel CR223 in verschiedenen Varianten für eine deutsche Behörde. Foto: JPW


Feuer und Bewegung
Die Schweizer Interventionseinheit Skorpion aus Zürich vermittelte ihren deutschen Spezialkräftekollegen Sofortaktionstaktiken bei plötzlich auftretendem Beschuss. Diese Kontaktdrills dienen dazu, gegen eine überraschend auftretende bewaffnete Täterschaft bestehen zu können.
Caliber-Kollege Tino Schmidt behandelte in seinem „Low Light“ Workshop im ETC der Fachhochschule der Polizei  das Aufklären von Räumen bei Dunkelheit und schlechten Lichtverhältnissen.
SIG Sauer, Lindnerhof-Taktik, 3M und Schuberth, Rheinmetall sowie Proreta Tactical stellten Waffen sowie Ausrüstung und Trainingsgerät für die Station „Dynamisches Eindringen in Räume mit Lang- und Kurzwaffe“.

Einsatz der Flashbang, Nutzung der neuen Lindnerhof-Hybridlaminat-Plattenträger und der 3M/Schuberth-Helme. Foto: JPW
Sie stand unter Leitung von Steven „Mato“ Matulewicz und Marco Pohlers (SIG).  Auch „Seppo“ und „Baby“ von Lindnerhof unterstützten an dieser Station kompetent und tatkräftig.
Das SIG MCX gibt es inzwischen auch aus deutscher Fertigung. Foto: JPW
Markenzeichen des Special Forces Workshops ist freilich der Car-Shooting-Kurs, der Taktiken und Schießtechniken mit Kurz- und Langwaffe in, aus und um das Fahrzeug herum vermittelt.

Einsatz des G38 aus einem Fahrzeug heraus. Foto: JPW
Hier übernahm Frank Thiel – wie üblich – selbst die Leitung. Die Krefelder Waffenschmiede Schmeisser stellte an dieser Station einige Varianten ihrer M4 als Langwaffen bereit.
Die Schmeisser M4 PDW, eine neue aus Krefeld! Foto: JPW


Weitere Workshops
Taktische Notfallmedizin hat in den letzten Jahren auch im polizeilichen Bereich erheblich an Bedeutung gewonnen. Dieses Jahr vermittelten der Notarzt Marco Hofmann, Dr. Uli-Rüdiger Jahn und Andreas Horst den Teilnehmern Einblicke in die erweiterte Erste Hilfe. Zudem stellten sie verschiedene Szenarien, unter anderem einen Massenanfall von Verletzten.
Hier bietet sich der Einsatz des Tourniquets an. Foto: JPW
An einem eigens errichteten Spezialgerüst stellte Holger Lucke unterstützt von Petzl Ausrüstung und Verfahren für das taktische Abseilen vor.

In luftiger Höhe! Foto: JPW
Dabei demonstrierten die Experten auch die Tücken, die sich an Fassaden verbergen können und das Seilmaterial schnell und fatal beschädigen können.
Florian Lahner von der Lahner-Academy unterrichtete in gewohnter Qualität Selbstverteidigungstechniken. Foto: JPW

Der Spezialist für containerisierte Fitnessstudios, Beaverfit, hat nun auch eine eigene taktische Linie „BeaverSOE“ herausgebracht. Beaverfit-Vertriebspartner Tacwrk aus Berlin stellte den neuen Container vor, an dem sich auch Abseilen oder Door-Breaching-Techniken trainieren lassen. Das führten Benno (Tacwrk) und Florian (5.11) auch gleich mit dem 5.11-Werkzeugsatz vor.

Fortbildung über Führungs- und Einsatzmittel
Im Rahmen weiterer Vorführungen und der begleitendenden Fachmesse konnten sich die Teilnehmer über etliche weitere Führungs- und Einsatzmittel informieren.
MEN demonstrierte die Durchschlagsleistung seiner Munitionssorten 9 x 19 mm Hartkern auf Schutzklasse 1- Westen, Stahlplatten sowie durch Windschutzscheiben.
RUAG wiederum stellte seine reichweitenreduzierte Swiss-P Final SR (Short Range) in .308 und .556 vor. Diese Munitionssorte ist besonders für den Einsatz in urbaner Umgebung gedacht, um Umfeldgefährdungen möglichst zu vermeiden.
B&T war ebenfalls mit seinem Spezialwaffenprogramm vertreten und veranstaltete gemeinsam mit RUAG eine theoretische und praktische Fortbildung zu den Themen Mittelkaliber .300Whisper und Schalldämpfern.
B&T/RUAG Ammotec Workshop - praktischer Teil. Foto: JPW
Rheinmetall führte zum einen seine pyrotechnischen Einsatzmittel bis zur 180-Dezibel-Blitzknallgranate vor. Etliche Flashbangs sowie Farbmarkierungswurfkörper aus Trittau kamen des weiteren  im Rahmen der Workshops und des Wettkampfes zum Einsatz. Weiterhin stellte Rheinmetall seinen geschützten Sonderwagen RMMV Survivor in einer Polizeiausführung vor. Dieser ließ sich auch gleich vor Ort probefahren.
Der RMMV Survivor in Polizeiausführung. Foto: JPW

Beretta Defence und Albert-Arms stellten weitere Waffen vor. Schutzausstattung wie Helme oder Platten waren bei 3M und Schuberth, Busch Protection, Morgan Advanced Materials oder Rheinmetall zu sehen. Kahles, Schmidt&Bender und Steiner waren mit ihren Optiken vertreten.

Schießen mit dem Beretta ARX-160A3. Foto: JPW
Und natürlich waren auch Komplettanbieter wie 5.11, Helmut Hofmann oder Tacwrk vor Ort, die unter anderem die neue Kampfbekleidung von Crye Precision oder UfPro vorstellten. Ebenso zeigte Dynstrike seine taktische Kollektion. Und auch die Gearschmiede Zentauron war wieder vor Ort.

Wettkampf
In Verantwortlichkeit des Spezialeinsatzkommando des LKA Mecklenburg-Vorpommern stand dann der dritte Tag ganz im Zeichen des Wettkampfes. Er stellte den Höhepunkt der Veranstaltung dar. Sechs wie üblich phantasievoll gestaltete „Stages“ hatten die zwei-Mann-Teams bei dem einsatzbezogenen Leistungsvergleich“ zu bewältigen – eine davon in Einzelwertung. Dabei kam es auf Schnelligkeit, Treffsicherheit aber auch taktisches Geschick an. Immer wieder tauchte auf den Stages eine Papierscheibe auf, die einen verdeckten Ermittler darstellte – bei den Teilnehmern aufgrund der Ähnlichkeit zu einem prominenten Ballsportler „Ronaldo“ genannt. Der durfte natürlich nicht bekämpft werden.
Der BeaverSOE-Container von Beaverfit bildete ein zentrales Element der Extra-Challenge. Foto: JPW

Die traditionelle „Extra Challenge“ verlangte den Wettkämpfern etliche Einzeldisziplinen mit Kurz- und Langwaffe sowie Schrotflinte und Präzisionsgewehr ab – unterbrochen von Hindernissen, Sprints und Seilklettern. Dieses Jahr galt es an einer Station unter anderem, eine Pistole aus einem Wasserbehälter zu fischen und im Anschluss Ziele zu bekämpfen.
In der SE-Gesamtwertung lag Österreich vorne! Es siegte das Team des EKO Cobra vor einer Abordnung der Wiener Spezialeinheit WEGA und zwei Kameraden der Bundeswehr. In der Polizeiwertung war das Siegertreppchen ebenfalls bunt gemischt: Es siegte das Team Luxemburg vor Niederösterreich und der BFE Hessen.
Auch wenn Wettkampfplatzierungen nicht den taktischen Einsatzwert von Einheiten widerspiegeln, sind es doch herausragende und bemerkenswerte Leistungen. Glückwunsch an alle Teilnehmer!

Fazit
Es waren wieder lehrreiche, lohnenswerte und kameradschaftliche Tage in Güstrow – eben ein „klasse Klassentreffen“. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an Frank Thiel, Thomas F. „Fisch“, Lutz Müller und natürlich alle Beteiligten sowie Teilnehmer!
Auf Wiedersehen 2017!

Jan-P. Weisswange

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