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Mittwoch, 11. Januar 2017

Providentiae memor - die sächsische Polizei rüstet sich

Dresden (ww) Providentiae memor - der Vorhersehung eingedenk: Dieser Wahlspruch zierte einst das sächsische Wappen. Er erinnerte an die Verteidigung des stolzen Staates im Krieg 1806. Für den Kampf gegen den Terrorismus brachte der Freistaat im letzten Jahr ein 15- Millionen Euro-Paket auf den Weg. Am heutigen 11. Januar 2017 erhielten die sächsischen Schutzleute von ihrem Dienstherrn, dem Staatsminister des Innern Markus Ulbig, umfangreiche Ausstattung für Terror- und Amoklagen.
Der sächsische Staatsminister des Innern, Markus Ulbig (M.) neben einem SEK-Beamten und einem Streifenpolizisten in Sonderausstattung. Foto: SMI Sachsen

Hierzu zählen sieben sondergeschützte Fahrzeuge und weiterhin neue Schutzwesten, Helme, Plattenträger und Mitteldistanzwaffen. Die Beschaffung erfolgte aus dem im vergangenen Jahr beschlossenen Anti-Terror-Paket.


Sondergeschützte Fahrzeuge
Bei den gepanzerten Fahrzeugen handelt es sich um neutrale Pkw des Typs Toyota Land Cruiser V8, die vor Beschuss schützen. Die Fahrzeuge verfügen über verstärkte Bremsen und Stoßdämpfer und sind mit Digitalfunk und Sondersignalanlage ausgestattet. Im Innenraum gibt es genügend Platz, so daß die Beamten mit Schutzwesten und Helmen darin sitzen können.
Sondergeschützter Toyota Landcruiser V8 in sächsischen Diensten. Foto: SMI Sachsen

Zwei der sieben Fahrzeuge dienen künftig dem Spezialeinsatzkommando der Polizei Sachsen (SEK). Die übrigen fünf Fahrzeuge gehen an die fünf Polizeidirektionen im Freistaat Sachsen. Bei entsprechenden Einsatzlagen können die Autos landesweit eingesetzt werden. Alle Fahrzeuge sind sog. neuwertige Autos, die eine geringe Laufleistung aufweisen. Diese resultiert daraus, dass die Fahrzeuge so nicht beim Hersteller verfügbar waren und eine Spezialfirma diese als sondergeschützte Wagen aufrüsten musste. Eines der Fahrzeuge befand sich bereits im Dienst für das SEK und unterscheidet sich aufgrund technischer Weiterentwicklungen geringfügig. Das Fahrzeug wird für die Nutzung in der Polizeidirektion nachgerüstet.

Schutzwesten mit Stichschutz
Man kann es gar nicht oft genug betonen: Die Wahrscheinlichkeit, einen Messerangriff zu überleben, liegt bei 60 Prozent. Die, einen Schusswaffentreffer zu überleben, bei 80 Prozent. Zudem hat die "Messer-Intifada", die Israel seit einiger Zeit in Atem hält, bereits Nachahmungstäter in Deutschland gefunden. In Sachsen werden seit Anfang 2016 neue ballistische Unterziehschutzwesten generell mit Stichschutz ausgeliefert. Bereits vorhandene ballistische Unterziehschutzwesten werden mit Stichschutz nachgerüstet oder komplett gegen neue getauscht. Die Auslieferung der schwarzen und rund drei Kilogramm schweren Westen läuft derzeit noch, rund 2.600 neue Exemplare mit Stichschutz wurden bereits ausgeteilt und rund 4.300 Stichschutzeinschübe für Bestandswesten beschafft. Die Unterziehschutzwesten werden individuell nach Maß angefertigt. Es gibt Damen- und Herrenmodelle. Nach einer Tragezeit von 18 Jahren oder bei Beschädigung werden die Westen gegen eine neue getauscht.

Helme
Die schwarzen ballistischen Helme sollen die Erstinterventionskräfte bei terroristischen Anschlägen, Amok-Lagen oder Einsätzen mit Schusswaffen schützen. Der Helm kombiniert einen sicheren Schutz mit einem hohen Tragekomfort und wiegt nur rund 1,5 Kilogramm. Die sächsische Polizei hat ca. 1.600 solcher Helme für die Einsatzzüge und Polizeireviere der Polizeidirektionen, für die Bereitschaftspolizei und für Spezialkräfte angeschafft.
Plattenträger
Neun Kilogramm wiegen die dunkelblauen Plattenträger, die die Polizeibeamten vor Langwaffenbeschuss schützen. Die Schutzflächen des Plattenträgers reichen im Frontbereich vom Kehlkopf bis zum oberen Beinbereich und bestehen aus sieben Stand-Alone Platten. In besonderen Bedrohungslagen kann der Plattenträger schnell angelegt werden. Die Einsatzzüge und Polizeireviere der Polizeidirektionen sowie die Bereitschaftspolizei haben die 1.400 Plattenträger erhalten.

Mitteldistanzwaffen
Die Mitteldistanzwaffen - Gewehre - gelten als äußert präzise schießende, leicht zu bedienende und sehr zuverlässige Waffen. Die Polizei Sachsen hat 54 solche Waffen beschafft und diese an Einsatzzüge der Polizeidirektionen sowie an die Bereitschaftspolizei ausgereicht. Darüber hinaus wurden weitere Waffen für die Spezialkräfte der sächsischen Polizei beschafft und geliefert. Wie die Freie und Hansestadt Hamburg auch, wählte Sachsen augenscheinlich Produkte aus dem benachbarten Freistaat Thüringen – nämlich Haenel CR223 im Kaliber 5,56mm x 45.
Sächsische SEKler mit den neuen Mitteldistanzwaffen. Foto: SMI Sachsen

Sachsens Polizeivollzugsbeamte erhalten zudem - wie bereits berichtet - seit Anfang 2016 eine neue Dienstwaffe, die Heckler & Koch SFP 9. Die Umstellung wird 2018 abgeschlossen sein.




Verstärkung nicht erst seit jüngsten Terroranschlägen im Blick
Für das Anti-Terror-Paket stehen - wie erwähnt - rund 15 Millionen Euro zur Verfügung, davon entfallen rund neun Millionen Euro auf die gepanzerten Fahrzeuge, die Nachrüstung des Stichschutzes, die leichten ballistischen Helme, die Plattenträger und die Mitteldistanzwaffen.
Innenminister Markus Ulbig: „Mit den heute übergebenen sondergeschützten Fahrzeugen sind die Interventionskräfte der Polizei bei Terror- und Amoklagen noch besser ausgerüstet. Die Polizeibeamten können sich mit den Fahrzeugen geschützt an den Einsatzort begeben und eingreifen. Die Übergabe der sondergeschützten Fahrzeuge ist ein weiterer wichtiger Baustein für die moderne Ausstattung der sächsischen Polizei. [...] Der Staat muss und wird alles daran setzen, seine Bürger so gut wie möglich zu schützen. Dieser Herausforderung stellen wir uns in Deutschland und natürlich auch in Sachsen. Der Freistaat hat die Verstärkung der Sicherheitskräfte nicht erst seit den Terroranschlägen im Blick, sondern handelt bereits seit mehr als einem Jahr.“

www.smi.sachsen.de 

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