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Montag, 10. November 2014

Kurze Meldung zwischendurch: AAR London-Exkursion, neue Publikationen, 28. SiPo-Tagung

Bonn (ww) Liebe Leserinnen und Leser, noch immer halten mich etliche Projekte in Atem, die auf diesem Blog "Low Ops" verordnen. Zwischen etlichen Aktivitäten einige kurze Punkte zwischendurch.
London Calling: Gerne habe ich die Einladung des IWA/Enforce Tac-Teams der Nürngerg-Messe zu einer Fachexkursion nach London angenommen. Sie führte uns natürlich zu einigen exklusiven britischen Büchsenmachern wie Holland&Holland, Purdey und Rigby. Natürlich stand auch ein Besuch des Towers of London mit der beeindruckenden künstlerischen Installation "Blood swept lands and seas of red"auf dem Programm Hier erinnern 800.000 Mohnblumen aus Keramik an die britischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs.
Blick auf die Installation "blood swept lands and seas of red". Foto: JPW

Gegen eine Spende an die Royal British Legion erhält man zudem eine kleine Papier-Mohnblume, die man sich an die Jacke heftet. Etliche Briten trugen dieses Zeichen. Themistokles hat gesagt: "Die Kulturhöhe eines Volkes erkennt man daran, wie es mit seinen Soldaten und Gefallenen umgeht." Ich bin von der britischen Hochkultur beeindruckt und bedauere einen Kulturverfall anderenorts.
Das stramme und interessante Programm der Exkursion ließ trotzdem noch zu, auf den Spuren der SAS-Operation Nimrod zur Befreiung von Geislen in der iranischen Botschaft (5. Mai 1980) zu wandeln - und zwar in Kensington und im Imperial War Museum. Kurze Eindrücke hier:
Princes Gate. Foto: GW/JPW

Das Gebäude 14 diente "Them" zur Operationsplanung beim Sturm zur Befreiung der Geiseln im Gebäude 16. Foto: JPW
Zur Planung diente dieses Modell, welches sich heute in der sehenswerten Ausstellung "Secret Wars" des Imperial War Museums betrachten lässt. Foto: JPW
Auch einiges der damals typischen Ausrüstung befindet sich in der Sonderausstellung. Foto. JPW

Publikationen: Die Neuauflage meines Buches "Handwaffen und Panzerabwehrhandwaffen der Bundeswehr" befindet sich im Druck und wird Anfang Dezember verfügbar sein. Nur so viel: Der Umfang der überarbeiteten und erweiterten Ausgabe stieg um 32 auf 240 Seiten an. Markanteste Neuerung im Vergleich zur längst vergriffenen Erstausgabe stellt das Kapitel "Von der Armee zur aktiven, attraktiven und anderen Arbeitgeberin?" dar, welches die sicherheitspolitische Phase seit 2011 und die seither projektierten und eingeleiteten Neubeschaffungen im Bereich der Handwaffen und Panzerabwehrhandwaffen betrachtet. Vorbestellungen sind direkt beim Verlag E.S. Mittler&Sohn möglich.

28. Sicherheitspolitische und Wehrtechnische Tagung des Mittler-Report-Verlags: Am 27. und 28. November führt der Mittler-Report-Verlag seine 28. sicherheitspolitische und Wehrtechnsiche Tagung durch. Unter anderem tragen Generalleutnant Markus Bentler zu "aktuellen Herausforderungen und Handlungsfeldern der NATO", Ministerialrat Dr. Paul Jansen zum Verteidigungshaushalt 2015, Ministerialdirigent Hubertus Blahink zu Aktuellem aus dem Bereich Rüstung, Konteradmiral Rainer Maria Brinkmann zu Aufgaben, Fähigkeiten und aktuellen Herausforderungen der Deutschen Marine und Generalleutnant Dieter Naskrent zu Aufgaben und Zukunftsfeldern der Luftwaffe vor. Zudem informiert Christoph Unger, der Präsident des BBK, zu aktuellen Herausforderungen des Bevölkerungsschutzes. Das ausführliche Programm sowie weitere Informationen und Anmeldungen finden sich auf der Seite des Mittler-Report-Verlags.

Samstag, 18. Oktober 2014

Kampfkraft in urbanen Operationen - den Tunnelblick aufbrechen!

Berlin (Jan-P. Weisswange) Im August 2014 sorgten Meldungen in den Medien für Aufsehen, wonach bis zu 250 Soldaten des Deutschen Heeres bei den israelischen Streitkräften den Tunnelkampf erlenen sollten.
Israelische Kameraden erkunden im Rahmen der Operation "Protective Edge" (Sommer 2014) ein feindliches Tunnelsystem. Foto: IDF
Das ist zu begrüßen. Denn dafür spricht neben der deutsch-israelischen Kameradschaft zunächst, daß die Zahal diesbezüglich - nicht nur aufgrund der jüngsten Operation "Protective Edge" - im Sommer 2014 über einen großen Erfahrungsschatz verfügt. Weiterhin wird sich mit der weltweit zunehmenden Verstädterung das Gefechtsfeld der Zukunft ebenso urbanisieren.
Urbane Operationen umfassen deutlich mehr als den „Kampf im bebauten Gelände“. Das erfordert neue Ansätze bei Taktik, Training und Technologie. Grund also genug, den Tunnelblick aufzubrechen. Anläßlich der „2nd Urban Operations Conference der DWT“ widmet sich der S&T-Blog in diesem Grundsatzartikel dieser Thematik.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

In Eigener Sache: Buch und Blog-Treffen in Berlin

Bonn (ww) einige Leser mögen sich gewundert haben, warum hier derzeit "LowOps" herrscht. Schwerpunkt der letzten Wochen bildete aber ein Printpoduktprojekt.
Die Korrekturfahne  - 120 Blatt, 240 Seiten! Foto: JPW

So geht mein Buch "Handwaffen und Panzerabwehrhandwaffen der Bundeswehr. Geschichte - Taktik - Technik" derzeit in die überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Zwar gilt es derzeit, noch einige Klippen zu umschiffen. Ich bin aber guter Dinge, dass der sichere Hafen bald in Sicht ist. Mehr dazu demnächst hier.
Von Montag bis Mittwoch bin ich nächste Woche zudem in Berlin. Grund genug also, ein Taktisches Nachteulen Collegium einzuberufen, und zwar kommenden Montag abends in Mitte.

Bei Interesse an Teilnahme (bitte Voraussetzungen beachten, siehe Randspalte) bitte Meldung über das elektronische Postfach oder alternative Kanäle.



Montag, 29. September 2014

THALES Australia F90 geht in die Anfangsserie

Lithgow/Australien (ww) Das F90-Sturmgewehr von Thales Australia geht in die Anfangsserie. So hat das australische Verteidigungsministerium für sein Soldier Modernisation Programme („Land 125“) am 23. September eine „Low Rate Initial Production” der Bullpupwaffe beauftragt. Das F90 hatte zuvor eine intensive Testphase durchlaufen, in deren Rahmen mehr als eine Million Schuss abgegeben wurden.
Studie des F90. Foto: Lithgow Arms
Das F90 basiert auf dem verbesserten Austeyr EF-88-Sturmgewehr, welches wiederum auf das österreichische Steyr Armee-Universalgewehr (AUG) alias Stgw 77 zurückgeht. Veränderungen an Gehäuse und Verschluss sorgten aber bei der mit einem 407mm langen kaltgehämmertem und verchromten Lauf ausgestatteten 800mm langen Standardausführung für eine Gewichtsreduktion auf 3,25 kg. Das Bullpup-Design bietet den großen Vorteil, dass trotz kompakter Ausmaße lange Läufe zum Einsatz kommen. Das erhöht Reichweite, Präzision und Wirkung.

Freitag, 26. September 2014

Sneak-Preview bei Saab: Carl Gustaf M4

Karlskoga/Schweden (ww) Saab hat in seinem Erprobungszentrum erstmals die neueste Generation M4 seiner legendären “Carl Gustaf”-Panzerbüchse vorgestellt.

Laden der CGM4. Nicht nur aufgrund des hier gut erkennbaren gezogenen Laufes handelt es sich um eine veritable Mehrzweckbüchse. Foto: Saab
Dank der umfangreichen Munitionspalette und der Kompatibilität mit Feuerleitvisieren handelt es sich bei der „CGM4“ um ein Mehrzweckwaffensystem.

Dienstag, 23. September 2014

Tu felix Austr(al)ia - neue Tarnuniformen in den Alpen und Down Under

Brisbane,Australien/Wiener Neustadt, Österreich (ww) Sowohl in Österreich als auch in Australien gibt es neue Tarnuniformen. So stellte die Australian Army im Rahmen der Chief of Army's Exercise am 22. September 2014 in Brisbane die Australian Multicam Camouflage Uniform (AMCU) vor.
Die junge Dame vorne links trägt den Feld-, ihre übrigen Kameraden den Kampfanzug der AMCU.
Foto: MoD Australia

Design und Schnitte der AMCU lehnen sich stark an den Entwürfen Crye-Precision an. So gibt es eine “Feld-” und eine “Kampfausführung”. Letztere verfügt über integrierte Protektoren an Knien und Ellenbogen und ist auf das Tragen mit ballistischer Schutzausstattung abgestimmt. Das Tarnschema verwendet die gleichen Farbtöne wie das bisherige grobe Fleckenmuster, fällt aber deutlich feingliedriger aus. Die in Australien hergestellte AMCU soll ab Oktober ausgegeben werden.

Während sich die australischen „Digger“ querschnittlich auf ihre neue Kampfbekleidung freuen dürfen, hält das österreichische Bundesheer bei der Ausstattung seiner Soldaten grundsätzlich an dem braungrauen „Kampfanzug 03“ fest. Nachdem es aber schon vor einigen Jahren erste Ansätze zu dem digitalisierten Tarnschema gab, hat jetzt das kampferprobte Jagdkommando der Alpenrepublik einen eigenen Tarnanzug in Gebrauch.
Jagdkommando-Soldaten bei einer Geiselrettungsübung in der neuen Digitarn-Adjustierung.
Foto: Österreichisches Bundesheer

Das Muster erinnert an ein digitalisiertes Tiger-Stripe und löst die Konturen des Kämpfers sehr gut auf. Die gut informierten Kollegen des Spartan-AT-Blogs stellten die Uniform schon etwas detaillierter vor. Demnach gehören zu dem System eine Kampfhose, ein Kampfshirt – beide mit flammhemmenden Eigenschaften – sowie ein Kampfparka. Als weitere Ausstattung der „JaKo-Adjustierung“ kommt eine modifizierte Form des Lindnerhof-Plattenträgers Generation 4 in Gelboliv.
Ich drücke meinen österreichischen Kameraden des Bundesheeres die Daumen, daß die politische Führung in Wien ein Einsehen hat und auch ihre übrigen Staatsbürger in Uniform von dem neuen Tarnmuster profitieren lässt.

Freitag, 19. September 2014

Guns'n Güstrow

Güstrow (ww) Weiterbildungen – Wettkampf – Waffen – Wetter: Der 6. Special Forces Workshop in der Barlachstadt Güstrow erwies sich einmal mehr als lohnendes Reiseziel für die “Tactical Community”
Im 50. Geburtsjahr der MP5 durfte auf dem 6. Special forces Workshop ein auf diese Waffe zugeschnittener, von zwei Kollegen aus Karlsruhe durchgeführter Kurs nicht fehlen. Foto: JPW

Bereits zum sechsten Mal führten Frank Thiel und seine Firma Baltic Defence in bewährter Zusammenarbeit mit und unter fachlicher Leitung des Landeskriminalamtes Mecklenburg-Vorpommern den Special Forces Workshop („SFW“) durch. Wie stark sich diese Fortbildungsveranstaltung inzwischen etablieren konnte, zeigte zunächst das zunehmend internationale Teilnehmerfeld. Unter den insgesamt 47 Mannschaften polizeilicher und militärischer Spezialkräfte aus Bund und deutschen Ländern befanden sich Teams aus Luxemburg, der Schweiz, Österreich, Polen und Tschechien am Start. Und auch industrieseitig war nahezu alles vertreten, was Rang und Namen hatte. Schließlich zeugte die Tatsache, daß mit Lorenz Caffier der Innenminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern erneut die Schirmherrschaft übernahm, von dem Stellenwert des Special Forces Workshops.


Freitag, 5. September 2014

Pressekonferenz im BMWI: Beginn eines Dialogs zwischen Politik und Verteidigungsindustrie

Berlin (ww) Heute empfing der Bundesminister für Wirtschaft und Energie Vertreter der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zu einem Gespräch. Bermerkenswerterweise soll damit ein Dialog begonnen werden. Die Pressekonferenz lässt sich hier auf der Seite des BMWI anhören. Ebenso bemerkenswert: Der Export von Kleinwaffen soll restriktiv gehandhabt werden. Mal schauen, ob die Bundesregierung wirklich noch tausende G3, G36, P1 und mehrere Millionen Patronen an die Peschmerga im Nordirak liefert.


Ein großes Werk aus dem Rheinland - Buch 125 Jahre Rheinmetall

Düsseldorf (ww) Die Rheinmetall AG begeht dieser Tage ihr 125jähriges Firmenjubiläum. 1889 auf Veranlassung des damaligen Hoerder Bergwerks- und Hüttenvereins gegründet, hat sich das Unternehmen inzwischen zu einem Hochtechnologiekonzern weiterentwickelt, der sich den Zukunftsthemen Sicherheit und Mobilität verpflichtet sieht. Konsequenterweise ruht die Rheinmetall AG daher auf zwei Säulen: dem Defence- und den Automotive-Bereich.
Die Rheinmetall-Konzernzentrale in Düsseldorf-Derendorf. Foto: JPW




Wie sich die Rheinmetall AG seit ihrer Gründung entwickelte, ist Thema des umfangreichen zweibändigen Werkes „Rheinmetall. Vom Reiz, im Rheinland ein großes Werk zu errichten“. Es stammt aus der Feder des Wuppertaler Historikers Dr. Christian Leitzbach, der auch das Rheinmetall AG-Zentralarchiv betreut. Zur Buchpräsentation des im Kölner Greven-Verlag erschienenen 1037 Seiten starken Werkes hatten kürzlich Greven-Verlagschef, Dr. Damian van Melis, sowie der Leiter der Rheinmetall-Unternehmenskommunikation, Peter Rücker, in die Konzernzentrale Düsseldorf eingeladen.

Dienstag, 2. September 2014

Kommentar: Kamerad Kurde kämpft für uns

Berlin (ww) Die umfangreiche Liste der militärischen Mittel, welche die Bundesrepublik Deutschland im Rahmen einer Länderabgabe aus Bundeswehrbeständen an die kurdischen Peschmerga-Milizen liefern will, lässt aufblicken.

Kurdische Kämpfer mit T-55 im Nordirak. Foto: Boris Niehaus/wikipedia
Daß sie „nichtletale Ausrüstung“ (Schutzhelme, Schutzwesten, Schutzbrillen, Doppelfernrohre, Nachtsichtgeräte, Funkgeräte, Minensonden, Kampfmittelbeseitigungsgerät, Feldküchen) und auch Fahrzeuge nennt, ist keine Überraschung. Ebenso zeichneten sich in den letzten Tagen vor der Veröffentlichung Panzerabwehrhandwaffen wie die Panzerfaust und der demnächst auszuphasende Panzerabwehrlenkflugkörper MILAN ab. Das 70-Millionen-Euro-Arsenal, welches am 31. August 2014 bekanntgegeben wurde, sorgte dennoch für Aufsehen: Handwaffen für eine Heimatschutzbrigade stellt die Bundesregierung für den Kampf der kurdischen Kameraden gegen die mordenden Horden des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) bereit. In drei Tranchen gehen
- 8.000 Sturmgewehre G3 mit zwei Millionen Schuss Munition
- 8.000 Gewehre G36 mit vier Millionen Schuss Munition
- 40 (!) Maschinengewehre MG3 mit einer Million Schuss Munition
- 8.000 Pistolen P1 mit einer Million Schuss
- 30 Panzerabwehrlenksysteme MILAN mit 500 Lenkflugkörpern
- 200 Panzerfaust 3 mit 2.500 Patronen
- 40 Schwere Panzerfaust „Carl Gustaf“ („Leuchtbüchse“) mit 1.000 Schuss Leuchtmunition
- 100 Signalpistolen P2A1 mit 4.000 Schuss Munition und
- 10.000 Handgranaten DM51
zunächst zur Inspektion an die irakische Armee, bevor sie dann im Norden an die Peschmerga-Milizen ausgegeben werden. Als erstes soll ein 4.000 Mann starker Kampfverband ausgestattet werden, die übrigen Tranchen sollen lageangepasst geliefert werden.



Kein sicherheitspolitischer Paradigmenwechsel
Nota bene: Die Bundesregierung liefert nicht etwa nur humanitäre Hilfsgüter, sondern Kriegswaffen. Auch liefert sie kein Großgerät, dessen Verbleib leichter zu kontrollieren ist, sondern Handwaffen und Munition in ein Krisengebiet. Und sie tut es auch nicht verschämt über Umwege, indem sie etwa ihr Material an einen NATO-Partner liefert, der dann seinerseits seine ausgetauschte Ausrüstung an die eigentlichen Empfänger weitergibt. Vielmehr bezieht die Bundesregierung klar Stellung für eine der Konfliktparteien.
Zweifellos erscheint bemerkenswert, daß sich damit offenbar eine selbstverständliche Sichtweise nun auch in der Politik durchsetzt: Nicht die Handwaffe als solche ist gut oder böse, sondern derjenige, der sie nutzt oder mißbraucht. Aber handelt es sich bei den Waffenlieferungen zur Unterstützung des Kampfes gegen IS um einen sicherheitspolitischen Paradigmenwechsel, um ein Beispiel äußerster Entschlossenheit angesichts menschenverachtenden Treibens und einer unkalkulierbaren globalen Gefahr?
Wohl kaum. Der Beschluss der Bundesregierung zeugt nur davon, daß die Bundesrepublik nicht mehr willens oder in der Lage ist, dem „Vorstoß der menschenverachtenden Terrormiliz“ Einhalt zu gebieten, indem sie eigene Kräfte einsetzt. Beispielsweise hätte die Luftnahunterstützung für die kurdischen Kämpfer durch bewaffnete Bundeswehr-Kampfdrohnen deutlich weniger Risiken mit sich gebracht – sowohl, was den Schutz eigener Kräfte als auch die unkalkulierbare Proliferation von Kriegswaffen anbelangt. Aber solche bewaffneten „Unmanned Aerial Systems“ kann der Hochtechnologiestandort Deutschland seinen Soldaten aus vorwiegend ideologischen und auch haushalterischen Gründen nicht zur Verfügung stellen.
Keine Frage: Die Bundesrepublik steht vor den Trümmern ihrer vernachlässigten Sicherheitspolitik der letzten Jahrzehnte. Diese führte letztlich zu einer dreifachen Demobilisierung Deutschlands: Strukturell, industriell und – das wiegt am schwersten – intellektuell.



Die dreifache Demobilisierung Deutschlands beenden!
Deutschland leistet sich als wirtschaftsstarkes 80-Millionen-Volk in geopolitischer Mittellage den Luxus, seine Streitkräfte als aktive, attraktive, andere, arbeitgebende Sicherheitsdienstleistungsagentur anzusehen. Dieser Ansatz führt derzeit zu einer kadettengeführten Profi-Streitmacht mit geschlechtsneutral formulierten Vorschriften, Mülltrennung selbst in den Einsatzgebieten und erhofften 70 Prozent Materialklarstand. Als „Level of Ambition“ gilt, zur kollektiven Verteidigung eine der verbliebenen drei Heeresdivisionen abstellen zu können – nach einer Vorbereitungszeit von sechs Monaten und bei Abbruch laufender Einsätze. Deutschland leistet sich den Luxus, auf Rekonstitution statt auf Reserven zu setzen und selbst dabei noch inkonsequent zu sein – denn die Wiederherstellung aufgegebener Verteidigungsfähigkeit erfordert nicht nur schnelle personelle und strukturelle Aufwuchsfähigkeit, sondern eine leistungsstarke wehrtechnische Industrie, die im Fall der Fälle modernes Gerät in größeren Stückzahlen zuliefern kann. Aber die wehrtechnische Industrie leidet derzeit nicht nur unter schrumpfenden Streitkräftestrukturen, sondern auch unter der restriktiven Rüstungsexportpolitik eines Wirtschaftsministers, der sich im übrigen noch vor wenigen Wochen medienwirksam mit der Zivilisierung der heimischen wehrtechnischen Industrie zu profilieren suchte. Und Deutschland leistet sich den Luxus, daß das alles – bis auf eine kleine, sich auf parlamentarischen Abenden an der Spree selbst befruchtende und meist mit TVöD-Verträgen abgespeiste „strategic community“ – niemanden interessiert. Zumal der Staatsbürger ohnedies nach der Aussetzung der Allgemeinen Wehrpflicht kaum noch Berührungspunkte zur Uniform hat.

Sicherheitspolitik blieb nach dem Ende des „Kalten Krieges“ stets unkalkulierbar und sie ist es mehr als je zuvor – das zeigt das plötzliche Erscheinen der IS-Milizen ebenso anschaulich wie der Ukraine-Krieg. In Zeiten, in denen militärische Schwäche politisch ausgenutzt wird, in denen sich abzeichnet, daß ideologische Kämpfer wie IS den Krieg auch in Europas Städte tragen werden, da ist es höchst angebracht, die dreifache Demobilisierung Deutschlands zu beenden. Kamerad Kurde kämpft jetzt für uns. Es wird Zeit, daß wir es bald wieder selber können und wollen, wenn es drauf ankommt.

Jan-Phillipp Weisswange