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Samstag, 11. Mai 2019

Lynx KF41 im neuen Look

Unterlüß (ww) Der Lynx KF41 gehört zu den derzeit modernsten modularen mittelschweren Gefechtsfahrzeugfamilien weltweit. Seine Premiere feierte er auf der Eurosatory 2018. Am 10. Mai 2019 gab Hersteller Rheinmetall der Fachpresse am Standort Unterlüß nun ein aktuelles Update zum Lynx. Dabei trat die Schützenpanzer-Variante mit dem Lance-Turm 2.0 in einer neuen Tarnlackierung in Erscheinung.

Lynx KF41 mit Lance 2.0-Turm in der Lüneburger Heide (Foto: JPW)

In dieser aktuellen Variante kommt Lynx KF41 (KF steht für „Kettenfahrzeug“) demnächst zur Fachmesse IDET 2019 nach Tschechien. In dem deutschen Nachbarstaat  geht er ins Rennen um die Nachfolge für den Schützenpanzer BMP 2. Bis 2026 wollen die tschechischen Streitkräfte ihre 7. Mechanisierte Brigade mit einer modernen Fahrzeugfamilie ausstatten. Bei dem Auswahlverfahren arbeitet Rheinmetall eng mit einigen namhaften tschechischen Unternehmen zusammen.
Derzeit kann eine 30mm- oder 35mm-Maschinenkanone mit Luftsprengpunktfähigkeit eingerüstet werden (Foto: JPW)

Wie Rheinmetall im Zuge seines Pressetermins weiterhin mitteilte, bewirbt sich die vielseitige Plattform darüber hinaus in Australien (Land 400 Phase 3) und den USA (Next Generation Combat Vehicle - Optionally Manned Fighting Vehicle (NGCV-OMFV) als Gefechtsfahrzeug der neuesten Generation. Auch in anderen Staaten bestehe hohes Interesse.
Maschinengewehr RMG762 als Koaxialwaffe, Mission-Pod mit Eurospike an der linken Turmseite, Sensoren des Rundum-Überwachungssystems und die Werfer des Schnellnebelschutzsystems lassen sich hier erkennen. (Foto: JPW)

Lynx lässt sich aufgrund seiner Modularität an unterschiedlichste Nutzeranforderungen anpassen. Weiterhin kann Rheinmetall als international agierendes Systemhaus bei der Umsetzung von Rüstungsvorhaben eng mit der wehrtechnischen Industrie der Partnerländer zusammenarbeiten.

Lynx – Access to the denied Battlefield!
Lynx wurde von Beginn an als modulare Fahrzeugfamilie entwickelt. "Access to the denied Battlefield", lautete der Anspruch Rheinmetalls dabei. In dieser Konsequenz standen Überlebensfähigkeit, Beweglichkeit, Wirksamkeit und Leistungsfähigkeit im Vordergrund. Lynx  soll sich für alle Operationsarten eignen – von der friedensstabilisierenden Mission bis hin zum hochintensiven Gefecht.
Premiere auf der Eurosatory 2018: Das Lynx KF41 als Schützenpanzer...(Foto: JPW)
Der Schützenpanzer Lynx KF41 bietet bei einem Gewicht von über 40 Tonnen hohe Nutzlast und großes Innenraumvolumen. Er kann neben einer drei Mann starken Besatzung einen bis zu neun Mann starken Schützentrupp aufnehmen.

Der Lynx lässt sich dank seiner modularen Architektur einfach und schnell für andere Einsatzzwecke konfigurieren. Bei der Plattform stehen bis zu 14 Tonnen konfigurierbare Nutzlast zur Verfügung. Neben dem Schützenpanzer sind mehrere Varianten verfügbar: Führungsfahrzeug, Spähpanzer, Pionierpanzer, Gefechtsschadensinstandsetzung oder Sanitätspanzer– und diese sind nur ein Teil der vielseitigen Lynx-Familie. Ein Missionsmodulwechsel lässt sich innerhalb weniger Stunden bewerkstelligen – das führte Rheinmetall bereits der Eurosatory 2018 vor.
...und als Gefechtsstandfahrzeug (Foto: JPW)
Der in der Schützenpanzerversion verbaute Lance-Turm verfügt als Hauptbewaffnung über eine stabilisierte und luftsprengpunktfähige Maschinenkanone, wahlweise im Kaliber 30mm oder 35mm. Damit kann der Lynx Ziele mit hoher Präzision und Wirkung auf bis zu 3.000 Meter – auch aus der Bewegung – hocheffizient bekämpfen. Im Zusammenhang mit dem US-Vorhaben NGCV-OMFV wird derzeit sogar eine 50mm-Maschinenkanone erwogen. Einerseits gibt es US-Entwicklungen wie die XM913, andererseits kann  Rheinmetall bereits eigene Expertise aufweisen - etwa mit der gegen Ende des Kalten Krieges für den Schützenpanzer Marder 2 entwickelten RH503.
Das Laufwerk verfügt über sechs Laufrollen. An der linken Turmseite befindet sich ebenfalls ein Mission-Pod, hier mit Eurospiek-Panzerabwehrlenkflugkörpern bestückt. Der Fahrer sitzt vorne links in der Wanne. (Foto: JPW)

Neben der Koaxialbewaffnung kann das Kommandantenperiskop mit einer weiteren Waffe bis hin zu 40mm x 53 ausgestattet werden. Das verleiht dem Lynx eine "Killer-Killer"-Fähigkeit - Kommandant und Richtschütze können nicht nur unabhängig voneinander beobachten und sich Ziele zuweisen ("Hunter-Killer"), sondern auch eigenständig bekämpfen. Ebenso lassen sich unterschiedliche Panzerabwehrlenkflugkörper sowie weitere Effektoren wie beispielsweise ferngesteuerte Waffenstationen, elektronische Gegenmaßnahmen, Drohnen usw. in den Lance-Turm einrüsten.
Die in Unterlüß gezeigte Schützenpanzer-Konfiguration wies zwei Luken im hinteren Bereich für den Kampf über die Bordwand auf. (Foto: JPW)


Zwei Generatoren versorgen die elektronische Architektur des Lynx mit CANbus, Generic Vehicle Architecture, Integrated Computing System, Land Data Model und Gefechtsführungssystem WINBMS sowie die übrigen elektronischen Geräte mit Energie. 
Der Lynx zeichnet sich durch hohe Beweglichkeit auch in schwerem Gelände aus. Er bietet die neueste Antriebstechnologie mit einer 850 kW (1140 PS) starken Liebherr-Maschine und einem Renk-Getriebe. Das flexible drehstabgefederte Laufwerksystem ermöglicht dem Lynx KF41, bei unterschiedlicher Konfiguration mit Missionsausstattungen und Schutzkits in seiner Fahrzeugklasse höchst beweglich zu bleiben. Wahlweise kann eine Metall- oder eine Gummikette eingesetzt werden.

Lynx im Lufttransport
Auch seine strategische Verlegefähigkeit mit der Antonov AN-124 und der C-17 Globemaster stellte der Lynx KF41 bereits unter Beweis. Wenige Wochen nach seiner Premiere auf der Eurosatory 2018 in Paris absolvierte er seine ersten interkontinentalen Lufttransporte.
Im August 2018 stellte Rheinmetall Lynx im südaustralischen Adelaide auf der Land Forces Conference als Bewerber für das Rüstungsprojekt Land 400 Phase 3 vor. In dessen Rahmen wollen die australischen Streitkräfte bis zu 400 moderne Schützenpanzer in neun verschiedenen Varianten beschaffen, darunter 17  neuartige Räumpanzer (Manouvre Support Vehicles). Ende Februar 2019 hat Rheinmetall sein Angebot  für Land 400 Phase 3 eingereicht.
Lynx KF41 im Lufttransport per Antonov AN-124 (Foto: Rheinmetall)
Das tschechische Ostrava bildete die nächste Etappe der Flugreise. Rheinmetall flog den Lynx KF41 direkt dort ein, um ihn im September 2018 auf den NATO Days zu präsentieren. 210 neue mittelschwere Gefechtsfahrzeuge stehen für die oben erwähnte BMP 2-Nachfolge in Rede. Dieses Projekt stößt auch bei den tschechischen Nachbarstaaten auf hohes Interesse
Aus Tschechien verlegte der Lynx dann nach Washington DC., um im Oktober 2018 an der Fachmesse AUSA  teilzunehmen. Rheinmetall und das U.S.-Unternehmen Raytheon wollen gemeinsam das Rüstungsvorhaben NGCV-OMFV der U.S. Army angehen. Mit diesem Vorhaben möchte die U. S. Army ab 2026 ihre gesamte Bradley-Flotte ablösen – mehrere tausend Fahrzeuge.


www.rheinmetall-defence.de